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Mutmaßlich rechte Terrorgruppe hatte Kontakte nach Mittelfranken | BR24

© dpa

Ein mutmaßliches Mitglied der "Gruppe S." mit SEK-Beamten

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    Mutmaßlich rechte Terrorgruppe hatte Kontakte nach Mittelfranken

    Die mutmaßlich rechtsterroristische "Gruppe S." hatte offenbar enge Verbindungen nach Mittelfranken, wie Recherchen von BR und SWR zeigen. Eine der Chatgruppen der "Gruppe S." wurde demnach von einer Frau aus dem Landkreis Nürnberger Land gegründet.

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    Der Hass wohnt in einem Mehrfamilienhaus in einer Kleinstadt unweit von Nürnberg. Das Licht am Eingang ist kaputt, Inge P. (Name geändert) öffnet die Tür in Jogginghose und Strickjacke. Die Wohnung ist unaufgeräumt und verraucht. Im Regal stehen Bücher über nordische Mythologie und Elfen. Inge P. setzt sich auf das fleckige Sofa und zündet sich eine Zigarette an, auf dem schwarzen Feuerzeug steht in weißer Schrift A.C.A.B. (All Cops are bastards), die Mittfünfzigerin drückt so offenbar ihre Verachtung für die Polizei aus.

    Chatgruppe "Der harte Kern"

    Dann beginnt Inge P. zu erzählen von der Chatgruppe, die sie gegründet hat. "Der harte Kern" hat sie diese genannt. Die Teilnehmer seien Prepper gewesen, die Vorräte gehortet hätten. Zu einem Mitglied habe sie ein besonders enges Verhältnis gehabt, berichtet sie. Werner S. sei "wie ein großer Bruder" für sie gewesen.

    Die Bundesanwaltschaft kennt Werner S. auch unter dem Kampfnamen "Teutonico". Bei ihm soll es sich um den Anführer der nach ihm benannten mutmaßlich rechtsterroristischen "Gruppe S." handeln. Ziel der Gruppierung soll es nach Angaben der Bundesanwaltschaft gewesen sein, "die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik zu erschüttern und letztlich zu überwinden".

    Dazu sollten durch Anschläge auf Politiker, Asylsuchende und Muslime "bürgerkriegsähnliche Zustände herbeigeführt werden".

    Gründungstreffen in Baden-Württemberg

    Zusammen mit S. und vierzehn anderen Mitgliedern der Gruppe ließ sich Inge P. bei einem Treffen im Spätsommer in Baden-Württemberg fotografieren. Dieses Foto findet sich nun in den Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich dabei um das Gründungstreffen der "Gruppe S." handelte.

    Frau will von Terror-Plänen nichts gewusst haben

    Die genaue Rolle von Inge P. ist jedoch unklar. Fest steht jedoch, dass sie in der rechtsextremen Szene bestens vernetzt ist. Sie selbst bestreitet eine Beteiligung an den mutmaßlichen Plänen der "Gruppe S.". Über Waffen und Anschlagspläne will sie sich weder mit ihrem Bekannten Werner S., noch mit anderen Mitgliedern der verschiedenen Chatgruppen ausgetauscht haben.

    Fränkin war bei "Gelbwesten" aktiv

    Inge P. war laut BR-Recherchen eine der Hauptakteurinnen der Gruppe "Gelbe Westen" im Raum Nürnberg. Bei den "Gelbwesten" handelt es sich um das deutsche Pendant zur militanten Bewegung in Frankreich. Während in Frankreich die Bewegung keine einheitliche politische Agenda verfolgt, waren die Protagonisten der deutschen "Gelbwesten"-Gruppen eher dem rechten Spektrum zuzuordnen.

    Die Fränkin trat im vergangenen Jahr bei einer unangemeldeten Demonstration der "Gelbwesten" im Nürnberger Land als Rednerin und Wortführerin auf. Bei dieser Aktion nahmen auch Neonazis teil, die sich beim rechtsextremen Fackelmarsch am ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgelände beteiligten. Zuvor nahm die 55-Jährige laut BR-Recherchen mehrfach an Aktionen der "Gelbwesten" in Nürnberg teil.

    Offene Sympathien für die rechten Szene

    In sozialen Netzwerken sympathisiert P. offen mit der extrem rechten Szene und veröffentlichte einschlägige Symbole und Bilder. Ende Februar verbreitete die Frau aus Mittelfranken eine szenetypisches Grafik in sozialen Netzwerken und schrieb dazu: "Aber lasst euch gesagt sein, wir werden uns erheben, und dann lauft so schnell ihr könnt. Denn nichts und niemand wird uns dann aufhalten. Für diesen Tag lebe ich, um uns Deutschen wieder ihre Heimat zurückzuholen!" In anderen Beiträgen veröffentlichte die Frau rechtsradikale Gewaltfantasien und eine krude Mischung aus Verschwörungstheorien.

    Gruppe wird Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen

    Mitte Februar ist die Polizei dann in sechs Bundesländern mit Razzien gegen die mutmaßlich rechtsterroristische Gruppe S." vorgegangen. Bei den Einsätzen wurden zwölf Beschuldigte festgenommen, die nun in Untersuchungshaft sitzen.

    Als Inge P. nach den Razzien ihren Freund Werner S. auf dem Titelbild einer Zeitung sah, will sie überrascht gewesen sein. Nach der Terror-Razzia hat Inge P. dann die Chats auf ihrem Handy gelöscht. "Es war ja keiner mehr da zum Chatten", sagt sie und zuckt mit den Schultern.

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