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Muslimischer CSU-Bürgermeisterkandidat wirft hin | BR24

© picture-alliance/dpa

Am 15. März ist in Bayern Kommunalwahl. In vielen Gemeinden finden sich aber keine Kandidaten für den Stadtrat und das Bürgermeisteramt.

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    Muslimischer CSU-Bürgermeisterkandidat wirft hin

    Unternehmer mit türkischen Wurzeln und ein Paradebeispiel für Integration: Sener Sahin wollte CSU-Bürgermeister im schwäbischen Wallerstein werden. Parteiverantwortliche unterstützen ihn – Mitglieder des Ortsverbands offenbar nicht. Jetzt gab er auf.

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    Nach starkem Widerstand von der CSU-Basis gegen einen muslimischen Bürgermeisterkandidaten steht die Partei in der Marktgemeinde Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) vor einem politischen Scherbenhaufen. Sener Sahin, Unternehmer und Fußballtrainer aus Wallerstein, hat sich zurückgezogen. Er sagt im Gespräch mit dem BR-Studio Schwaben, die größte Enttäuschung für ihn sei, dass sich kein anderes CSU-Mitglied die Kandidatur zutraue.

    Ein Moslem als Vertreter der CSU

    Sahin, 44 Jahre alt und in Nördlingen geboren, führt seinen eigenen Maschinenbau-Betrieb in Wallerstein. Er ist auch durch seine Arbeit im örtlichen Fußballverein über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Der CSU-Ortsvorsitzende Georg Kling hatte ihn gefragt, ob er bei der Kommunalwahl für die CSU gegen den parteilosen Amtsinhaber Joseph Mayer (Wählergruppe) kandidieren wolle. Am Telefon weist Sener Sahin darauf hin, dass keiner seiner Kritiker Eignung oder Qualifikation angezweifelt habe. Es sei allein um den Einwand gegangen, "ein Moslem als Vertreter der Christlich Sozialen Union, das geht doch gar nicht".

    CSU-Parteifreunde drohen mit Rückzug

    Sahin zufolge haben von den 15 Kommunalwahl-Kandidaten der Wallersteiner CSU mindestens drei mit einem Rückzug gedroht, sollte er auf der Ortsverbands-Versammlung am kommenden Donnerstag zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt werden. Außerdem habe es zahlreiche Anrufe beim Ortsverband wie auch beim nordschwäbischen Bundestagsabgeordneten Ulrich Lange (stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion) mit gleichem Inhalt gegeben. Sahin ist bisher nicht Mitglied der CSU, wollte bei einer Kandidatur aber in die Partei eintreten.

    Unterstützung vom CSU-Ortsvorstand

    Dabei hatte Sahin die Unterstützung von Lange wie auch vom örtlichen Parteivorstand. Lange habe die Kandidatur als "spannend und gut" unterstützt. Einwände hatte der CSU-Ortsverbands-Vorsitzende Georg Kling mit den Worten zurückgewiesen, Sahin solle "ja nicht Pfarrer werden, sondern Bürgermeister".

    Enttäuschung über Ablehnung wegen Religionszugehörigkeit

    Sener Sahin sagt nun, er sei auf niemanden in der Partei "sauer"; die Ablehnung sei vor allem von Parteifreunden "über 60" gekommen, "die kannst du nicht ändern". Die Ablehnung habe durchaus "wehgetan". "Ich bin doch voll integriert", sagt der 44 Jahre alte Familienvater. "Und ich war bestimmt öfter in der Kirche als die, die mich jetzt nicht wollen." Auch Ortsvorstand Kling ist schwer enttäuscht: "Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit."

    Die CSU geht nun ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl am 15. März.