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Musiker scheitert mit Verfassungsbeschwerde gegen Singverbot | BR24

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Darf zu Weihnachten gesungen werden? Gegen das Verbot legte ein Kirchenmusiker Verfassungsbeschwerde ein - ohne Erfolg.

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    Musiker scheitert mit Verfassungsbeschwerde gegen Singverbot

    Das Singen der Gemeinde bleibt wohl auch weiterhin verboten - auch zu Weihnachten: Die Verfassungsbeschwerde eines Kirchenmusikers aus Bad Kissingen wurde nicht zugelassen – wegen eines Formfehlers.

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    • BR24 Redaktion

    "Stille Nacht, heilige Nacht" oder auch "O du fröhliche": Diese und andere Lieder dürfen heuer wohl auch weiterhin nicht während der Weihnachtsgottesdienste aus den Kehlen der Gottesdienstbesucher erklingen. Die Verfassungsbeschwerde des evangelische Kirchenmusiker Jörg Wöltche aus Bad Kissingen gegen das Singverbot wurde abgelehnt.

    Formfehler bei Verfassungsklage

    Wie der Evangelische Pressedienst (epd) berichtet, erhielt Wöltche bereits am Freitagmittag Post vom Verfassungsgericht. Wöltches Schreiben an das Gericht erfülle nicht "die Voraussetzungen einer Verfassungsbeschwerde oder Popularklage", erklärte der Richter: Formell könne "gegen noch nicht gültige Vorschriften" rechtlich nicht vorgegangen werden. Wöltches Schreiben erreichte das Gericht am Sonntag, die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sei aber erst drei Tage später - am Mittwoch - in Kraft getreten.

    Dank an den Verfassungsrichter

    Auch inhaltlich machte der Richter dem klagenden Kirchenmusiker aus Bad Kissingen keine Hoffnung: Das Gesangsverbot sei "als mildere Maßnahme" wohl nicht zu beanstanden. Immerhin seien im Frühjahr Gottesdienste generell verboten gewesen, so der Richter.

    Laut epd reagierte der Kirchenmusiker gelassen auf das Schreiben des Verfassungsgerichts. Er wisse nicht, ob er einen zweiten Anlauf machen werde, gegen das Gesangsverbot rechtlich vorzugehen, danke aber dem Richter für seine ausführliche Darlegung.

    Beschwerde: Singen "nicht gefährlicher als Vaterunser"

    Wie berichtet, hatte der Kirchenmusiker in einem Schreiben an das Verfassungsgericht Beschwerde gegen das Verbot des Gemeindegesangs im Gottesdienst eingelegt: Gegenüber dem epd erklärte Wöltche, „eine sitzende Gottesdienstbesucherin stoße beim Singen auch nicht mehr potenziell gefährliche Aerosole aus, als ein stehender Gottesdienstbesucher beim Vaterunser". Die Staatsregierung berufe sich bei ihrem Gesangsverbot auf Studien mit Profisängern. "Wer als gelernter Sänger mit bis zu 120 Dezibel singt, der stößt natürlich eine andere Menge an Aerosolen aus als ein durchschnittlicher Gottesdienstbesucher", so der Kirchenmusiker.

    Kritik an Landeskirche

    Wöltche hatte erklärt, er wolle sich „von den Maßnahmen nicht einschüchtern lassen und das Gespräch mit den Behörden vor Ort suchen“. Es gebe beispielsweise eine weiterhin gültige Sondergenehmigung für ein Freiluft-Krippenspiel am vierten Advent in Bad Kissingen. 400 Besucher sind unter geltenden Hygieneauflagen zugelassen. Der Bad Kissinger kritisierte aber das generelle Verbot von Posaunen- und Vokalchören durch die bayerische Landeskirche. Die Kirchenmusiker in Bayern versuchten das Bestmögliche, um trotz all dieser Beschränkungen auch am Heiligabend und an den Feiertagen in den Gottesdiensten ein Weihnachtsgefühl entstehen zu lassen. Es sei schmerzlich genug, nicht „Stille Nacht“ mit der Gemeinde singen zu können. Wöltche ist sich aber sicher: „Das wird schon werden, anders als bisher, aber es wird gut.“

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