BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Musiker legt Beschwerde gegen Sing-Verbot an Weihnachten ein | BR24

© dpa-Bildfunk/Christoph Schmidt
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Christoph Schmidt

Ein Kirchenmusiker aus Bad Kissingen klagt gegen das Sing-Verbot für die Gemeinde in Weihnachtsgottesdiensten.

3
Per Mail sharen

    Musiker legt Beschwerde gegen Sing-Verbot an Weihnachten ein

    Weihnachtsgottesdienste sind zwar von so manchem Corona-Verbot ausgenommen, eine Sache ist aber definitiv nicht erlaubt: Das Singen der Gemeinde in der Messe. Dagegen hat ein Kirchenmusiker aus Bad Kissingen eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.

    3
    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion
    • Julia Dechet

    "Stille Nacht, heilige Nacht" oder auch "O du fröhliche": Diese und andere Lieder dürfen heuer während der Weihnachtsgottesdienste nicht aus den Kehlen der Gottesdienstbesucher erklingen. Das wurde vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit den schärferen Regeln für den Teil-Lockdown festgelegt. Doch dieses Sing-Verbot für die Gemeinde will ein unterfränkischer Kirchenmusiker kippen.

    Kirchenmusiker: Verbot sei vollkommen überzogen

    Der evangelische Kirchenmusiker Jörg Wöltche aus Bad Kissingen hat Verfassungsbeschwerde gegen das Verbot des Gemeindegesangs im Gottesdienst eingelegt. "Ich halte den Satz 'Gemeindegesang ist untersagt' in der 10. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung für vollkommen überzogen", sagte der Kirchenmusikdirektor und Schweinfurter Dekanatskantor gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).

    Eine sitzende Gottesdienstbesucherin stoße beim Singen auch nicht mehr potenziell gefährliche Aerosole aus, "als ein stehender Gottesdienstbesucher beim Vaterunser". Die Verfassungsbeschwerde hat er als Privatperson eingelegt.

    Regierung beruft sich auf Studien mit Profisängern

    Die Staatsregierung berufe sich bei ihrem Gesangsverbot auf Studien mit Profisängern. "Wer als gelernter Sänger mit bis zu 120 Dezibel singt, der stößt natürlich eine andere Menge an Aerosolen aus als ein durchschnittlicher Gottesdienstbesucher", sagt der Kirchenmusiker.

    Wenn die Menschen nach Haushalten getrennt mit eineinhalb Metern Abstand säßen und die Ein- und Ausgänge beim Gottesdienst gut geregelt seien, seien Veranstaltungen in den Kirchen keine Superspreader-Events, meint er.

    Hygienekonzepte und Corona-Maßnahmen

    In Bad Kissingen habe die Kirche wie vielerorts ein gutes Hygienekonzept vorgelegt. Nun müsse man für seine Veranstaltungen auch kämpfen. "Man sollte sich von den Maßnahmen nicht zu sehr einschüchtern lassen und das Gespräch mit den Behörden vor Ort suchen", so Wöltche.

    Am vierten Advent beispielsweise werde in Bad Kissingen ein Freiluft-Krippenspiel mit bis zu 400 personalisierten Sitzplätzen aufgeführt. Die Sondergenehmigung dazu sei von den örtlichen Behörden vor einigen Tagen nochmals bestätigt worden.

    Weihnachten ohne Posaunen- und Vokalchor?

    Ebenso kritisiert Wöltche, dass die bayerische Landeskirche per Schreiben an die Gemeinden Posaunen- und Vokalchöre in Gottesdiensten generell verboten habe. Es komme doch auf die Gegebenheiten vor Ort an, ob genug Abstand eingehalten werden könne.

    Ein solches generelles Verbot sieht das Schreiben der Landeskirche allerdings nicht direkt vor. Dort heißt es, dass der Liturg und auch ein kleines Ensemble singen dürfen, wenn genügend Abstand gegeben ist. Außerdem seien auch kleine Instrumentalensembles möglich, auf Posaunen- und Vokalchöre, also größere Ensembles, solle laut Schreiben verzichtet werden.

    Antrag wird bereits bearbeitet

    Der Kirchenmusiker bestätigte gegenüber dem BR, dass seine Verfassungsbeschwerde bereits eingegangen und in Arbeit sei. Das Verfassungsgericht würde seinen Antrag als sogenannte "Normenkontrollklage" auffassen. Eine Antwort des Gerichts sei bereits auf dem Postweg.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!