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Musik im Livestream: Jüdisches Festival zu Gast in Würzburg | BR24

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Die internationalen Tage jüdischer Musik machen in diesem Jahr unter anderem Station in Würzburg. Wegen Corona müssen sie ohne Zuschauer stattfinden. Sängerin Sandra Kreisler lässt sich davon nicht abhalten.

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Musik im Livestream: Jüdisches Festival zu Gast in Würzburg

Die internationalen Tage jüdischer Musik machen in diesem Jahr unter anderem in Würzburg Station. Wegen Corona müssen sie ohne Zuschauer stattfinden. Sängerin Sandra Kreisler lässt sich davon jedoch nicht abhalten, auf die Bühne zu gehen.

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Das Publikum kann leider nur per Livestream dabei sein, wenn Sandra Kreisler zusammen mit ihren Musikerkollegen Gennadij Desatnik und Valeriy Khorishman auftritt. Aber das ist "keine Sache" oder auf hebräisch "Schum davar". So jedenfalls lautet der Titel des Chanson-Programms.

Festival an verschiedenen Orten in Deutschland

Es ist das dritte von vier Konzerten im Rahmen der internationalen Tage jüdischer Musik. Die waren waren zunächst an der Ostsee zuhause. Im Jahr 2020 finden sie erstmals überregional statt. Traditionelle und moderne Klänge gab es bereits in Köln und Stavenhagen. Nun folgt Würzburg. Zum Abschluss am 22. November Cello-und Klaviermusik aus der neuen Synagoge in Berlin.

Josef Schuster: Jüdische Musik mehr als Klezmer

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, trägt das Konzept als Schirmherr mit. Er ist sich sicher, dass die Tage jüdischer Musik quer durchs Bundesgebiet ein Schlaglicht werfen. Das Festival soll zeigen, dass jüdisches Leben und jüdische Kultur mehr seien als Klezmer: Etwas, das es über mehrere Jahrhunderte in Deutschland gegeben habe, aber auch wieder gebe.

Natürlich hätte der Würzburger Josef Schuster das Konzert lieber im ausverkauften Saal des Würzburger Gemeindezentrums "Shalom Europa" erlebt. Doch als Mediziner weiß er in Zeiten der Pandemie um die Vorzüge des Livestreams im Internet

Livestream soll breiteres Publikum ermöglichen

Auch Intendant Thomas Hummel, der für den Chanson-Abend mit Sandra Kreisler von Usedom in seine Heimatstadt Würzburg kommt, kann den Online-Konzerten etwas Positives abgewinnen. Oft sind die Synagogen, in denen die Künstler auftreten, räumlich beengt, sagt Hummel. Per Livestream werde man sicher ein breiteres Publikum erreichen. Schließlich sind die Konzerte auch im Nachinein noch online abrufbar. Die ausgefallenen Ticketerlöse könnten die Veranstalter dank öffentlicher Zuschüsse kompensieren, sagt Hummel.

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2021 wird das Jubiläumsjahr jüdischen Lebens in Deutschland - und das soll gefeiert werden. Die internationalen Tage jüdischer Musik in Würzburg bieten jetzt bereits einen Ausblick auf die 1.700-Jahrfeier.

Konzertabend "Schum davar"

Zum Programm des Abends "Schum davar" sagt Sandra Kreisler: Das Wort "Schum" habe viele Bedeutungen. Im chassidischen Judentum des Mittelalters stand es als Abkürzung für das Städtetriumvirat Speyer, Worms und Mainz. Hier erlebte das Judentum im Mittelalter eine Blütezeit. Zugleich heiße "Schum" auf hebräisch Knoblauch, dem Juden angeblich besonders zugeneigt seien. Und eben "gar nichts" oder "keine Sache".

Besonders die letzten beiden Bedeutungen enthielten latente antisemitische Züge, sagt Kreisler. Diese seien leider bis in die Gegenwart spürbar. So empfinde es die Gesellschaft leider nur allzu schnell als "keine Sache", wenn es zu judenfeindlichen Übergriffen komme. Und das nehme wieder zu.

Künstlerin tritt in die Fußstapfen ihres Vaters

Natürlich kommen nicht nur solche Themen in ihrem Programm zur Sprache, so Kreisler. Andererseits: Wo Kreisler draufsteht, ist auch Kreisler drin, sagt die Künstlerin. Schließlich habe auch ihr Vater Georg sich stets künstlerisch gegen jede Form von Antisemitismus gestemmt und gezeigt, dass man das auch mit Lust und schwarzem Humor tun kann. Georg Kreisler machte sich einen Namen als Komponist, Sänger und Dichter.

Sandra Kreisler beherrscht durchaus die leisen Töne, doch sie kann auch bissig, ganz wie früher ihr Vater. Und so sind es ihre Texte, die das Programm "Schum davar" ausmachen, auch wenn traditionelle Klezmertöne ebenfalls einfließen. Kreisler behauptet sich als "Bühnenkraft", wie sie sich selbst bezeichnet, auch in Coronazeiten: etwa mit Online-Auftritten wie dem in Würzburg. Ihr gehe es nicht um die Einnahmen, sondern vor allem darum, Menschen zu erfreuen und zum Nachdenken anzuregen.

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