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Museumsbau in Ingolstadt: Streit um Kultur-Sparkurs | BR24

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© BR/Alexander Krauß

Baustelle Museum für konkrete Kunst und Design in Ingolstadt

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Museumsbau in Ingolstadt: Streit um Kultur-Sparkurs

Dem Neubau des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt droht die Kostendeckelung, so die Pläne der regierenden CSU-Fraktion. Museumsfreunde befürchten, dass bei der Kultur deutlich mehr gespart werden soll, als bei Wirtschafts- und Forschungsbauten.

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Die Diskussion um den Neubau des Museums für Konkrete Kunst und die steigenden Baukosten ist in vollem Gange. Die persönliche  Position von Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel gleicht einem Spagat. Zum einen steht der CSU-Politiker bei den Kunstfreunden im Wort. Vielfach hat er den Museumsbau öffentlich versprochen. Zum anderen will die große Mehrheit seiner Partei bei der Kultur kräftig an der Kostenschraube drehen.

"Das Thema spaltet natürlich die Gesellschaft in zwei Teile. Die einen, die sagen: Muss so viel ausgegeben werden für Kunst und Kultur? Die andere, die sagen: Wir brauchen Kunst und Kultur, um auch eine attraktive Stadt zu sein." Christian Lösel, Ingolstadts Oberbürgermeister

Wirtschaftskonzept für Museum

"Wir wollen natürlich Kunst und Kultur", sagt Lösel. Aber irgendwann müssten Grenzen gezogen werden – gerade bei Bauwerken, die immer teurer werden. Ein Wirtschaftskonzept soll her. Baukosten und gleich auch noch die laufenden Betriebskosten sollen festgeschrieben werden. Doch reicht dann das Geld für genügend Museumspersonal und für die eigentlich längst beschlossene Gastronomie?

Stadtrat soll erneut abstimmen

Alte Beschlüsse stellt die CSU jetzt wieder zur Disposition. Im Februar soll der Stadtrat erneut abstimmen. Dabei braucht es den Bau so wie geplant und die Gastronomie, betont MKK-Direktorin Simone Schimpf. Sie will über diese Plattform die ganze Vielfalt der Bürger ins Museum ziehen.

"Wenn ich da jetzt Teile rausnehme, wie die Gastronomie, dann funktioniert das Haus nicht mehr." Simone Schimpf, MKK-Direktorin

Und ohne ein großzügiges Kulturangebot funktioniert auch der Wirtschaftsstandort Ingolstadt nicht, betont Werner Klein. Als ehemaliger Audi-Manager weiß der Vorsitzende der Museumsfreunde, dass die regionalen Wohlstands-Motoren Audi und Airbus nur laufen, wenn sie im weltweiten Wettbewerb um hochqualifiziertes Personal punkten können – eben auch mit Kultur.

"Das Problem mit solchen Spitzenkräften ist, dass sie den urbanen Raum suchen. Dass sie kulturelle Angebote suchen. Dass sie Bildung für sich und ihre Familien brauchen. Und wenn Politiker diesen Rahmen schaffen, dann floriert auch die Wirtschaft mit solchen Menschen." Werner Klein, Freundeskreis des MKK

Volkswirtschaftsprofessor Joachim Genosko stimmt dem uneingeschränkt zu. Der ehemalige CSU-Fraktionschef stellt sich deshalb klar gegen den Kultur-Sparkurs seiner eigenen Partei. Schließlich würden bei Wirtschaftsbauten wie dem Kongresszentrum und dem digitalen Gründerzentrum noch deutlich höhere Kostensteigerungen hingenommen.

Keine halben Sachen

Halbe Sachen könne sich eine Stadt wie Ingolstadt gerade bei der Kultur nicht leisten, sagt Genosko. Hier müsse man das Geld für den Neubau, aber auch für ausreichend Personal in die Hand nehmen. Den Kultur-Skeptikern in der eigenen Fraktion wirft Genosko vor, dass sie selbst dazu beigetragen haben, die Museumskosten in die Höhe zu treiben.

"Für meine Begriffe sind die Baukosten auch deshalb gestiegen, weil an allen Ecken und Enden immer wieder versucht worden ist, den Bau dieses Museums zu verzögern. Da muss man sich dann nicht wundern, wenn am Schluss ein Museum eben deutlich teurer wird." Joachim Genosko, Volkswirtschaftsprofessor

Je länger der Streit geht, desto mehr drohen Verluste – für das Museum, aber auch für die Stadt.