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Muren: Wenn der Klimawandel ganz nah kommt | BR24

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Ein schweres Unwetter sorgte für gefährliche Schlammlawinen in der Höllentalklamm. Der Grainauer Ortsteil Hammersbach musste evakuiert werden. Müssen wir uns aufgrund des Klimawandels auf eine Zunahme dieser gefährlichen Schlammlawinen einstellen?

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Muren: Wenn der Klimawandel ganz nah kommt

Ein schweres Unwetter sorgte für gefährliche Schlammlawinen in der Höllentalklamm. Der Grainauer Ortsteil Hammersbach musste evakuiert werden. Müssen wir uns aufgrund des Klimawandels auf eine Zunahme dieser gefährlichen Schlammlawinen einstellen?

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Von
  • Anne Hinder
  • Erik Häußler
  • Jonathan Schulenburg

Hammersbach in Oberbayern. Am 13. Juni hält ein Unwetter die ganze Region in Atem. Nicht nur ein Jahrhunderthochwasser droht, sondern auch Schlammlawinen mit Steinen, die so groß wie ein Auto sind. Die 250 Anwohner müssen evakuiert werden und verbringen die Nacht im Notlager. So wie der Anwohner Hubert Paule: "Das hat so gepoltert, das ist für uns eigentlich nichts Außergewöhnliches, sowas machen wir öfter im Jahr mit. Aber in dieser Dimension - da kann ich mich nicht erinnern."

Forscher vermessen die Höllentalklamm

Forscher der TU München wollen mehr über das jüngste Unwetter herausfinden. Sie sind in der Hölentalklamm unterwegs. An über 70 Punkten wollen sie per Laser vermessen, wie stark das Unwetter die Klamm verändert hat. Klar ist bislang nur: Es war heftig. So schätzt es der der Alpenforscher Michael Krautblatter von der Technischen Universität München ein: "Ich arbeite seit 20 Jahren im Wettersteingebirge, und das ist schon eines der sehr heftigen Ereignisse."

Forscher: "Solche Ereignisse werden häufiger"

Wege wurden zerstört, Stahlgeländer weggerissen. In der Nacht des Unwetters waren dutzende Wanderer auf der Höllentalangerhütte eingeschlossen. Sie mussten mit Helikoptern gerettet werden.

Deshalb arbeiten die Forscher an einer Früherkennung solcher Unwetter für die Zukunft. Michael Krautblatter erklärt: "Wir wollen ein bis zwei Stunden vorher vorhersagen, besser können wir es nicht: Aber ich denke, ein bis zwei Stunden sind für Menschenleben viel. Da können wir nämlich sagen, wo geräumt werden muss. Ich denke, das müssen wir machen, weil wir uns auf solche Ereignisse in Zukunft häufiger werden einrichten müssen."

Dreimal mehr Murenabgänge

Regelmäßig kommt es zu gefährlichen Murenabgängen in den Alpen, nicht selten auch in der Nähe von Ortschaften: Allein im vergangenen Jahr gab es mehrere dieser Ereignisse im Alpenraum. Das Geschiebe aus Wasser, Schlamm und Steinen verursachte massive Schäden, oft entgingen Anwohner nur knapp einer Katastrophe.

Und: Murenabgänge werden mehr. Das haben Untersuchungen der Forscher der TU München am Plansee gezeigt: Seit 1980 verdreifachte sich ihre Zahl. Das sind auch Auswirkungen des Klimawandels, so der Forscher Michael Krautblatter: "Das hat insofern damit zu tun, dass die starken Niederschläge häufiger werden, gerade hier in den nördlichen Alpen ist das auffällig. Und wir haben Murgangereignisse, die dann auch auf Starkregen zurückgehen. In den letzten zehn bis 20 Jahren hatten wir ungefähr dreimal so viele Murgang-Ereignisse, wie in den Jahren vorher."

Es hätte fatal enden können

Forscher Krautblatter hat inzwischen weitere Untersuchungen in der Höllentalklamm gemacht, abschließende Ergebnisse liegen noch nicht vor. Klar aber ist: Oberhalb der Klamm gingen kleinere Muren ab. Durch die Klamm selbst ging wohl ein hyperkonzentrierter Strom - eine Vorstufe einer Mure. Wenn Menschen in der Klamm gewesen wären, hätte das fatal enden können.

Die Messungen der Forscher sollen dazu beitragen, die Gefahren für die Zukunft einzuschätzen. Denn solche Extremwetter werden in Zukunft häufiger passieren, haben die Forscher nachgewiesen. Er und sein Team wollen nun Warnsysteme entwickeln, die rechtzeitig vor solchen Ereignissen warnen. Die Höllentalklamm ist seit Sonntag wieder geöffnet.

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