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Multiresistente Keime bei Hähnchen: SPD fordert mehr Kontrollen | BR24

© Andreas Kegel/BR

Masthühner in einer Großanlage: Innerhalb von sechs Wochen werden Masthühner auf das 50-fache ihres Gewichts gemästet.

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Multiresistente Keime bei Hähnchen: SPD fordert mehr Kontrollen

Hähnchenfleisch wird in Bayern alle zwei Jahre auf multiresistente Keime untersucht. Für den verbraucherschutzpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Florian von Brunn, ist dies zu wenig.

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Alle zwei Jahre wird in Bayern wie auch in anderen Bundesländern Hähnchenfleisch auf antibiotikaresistente Erreger untersucht. Maßgeblich ist ein vom Bund vorgegebener Stichprobenschlüssel Zusätzliche eigene Untersuchungen zu den Stichprobenplänen des Bundes finden nicht statt - so die Antwort des Verbraucherschutzministeriums auf eine Anfrage der SPD im Landtag.

Für den verbraucherschutzpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Florian von Brunn, ist eine Kontrolle alle zwei Jahre zu wenig. Der Staatsregierung zufolge wurden 2018 bei 41 verstorbenen Menschen in Bayern multiresistente Keime nachgewiesen; 2017 waren es 36. Ob der Tod mit den Keimen in Zusammenhang steht, ist allerdings unklar. 

Die SPD fordert mehr Kontrollen - wenn nötig durch mehr Personal

"Die Staatsregierung muss umgehend dafür sorgen, dass die Lebensmittelüberwachung regelmäßig Geflügel- und andere Fleischprodukte auf antibiotikaresistente Keime kontrolliert." Florian von Brunn

Wenn nötig brauche es auch mehr Kontrollpersonal, findet von Brunn.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt zum Schutz vor Keimübertragungen für die Zubereitung von Geflügel das Tragen von Einmalhandschuhen. Für Florian von Brunn ist das ein Beleg, dass auch der Verzehr dergleichen "eine offensichtliche Gefahr für die Bevölkerung" darstellt. Das Umweltministerium hingegen verweist darauf, dass Erreger auf dem Fleisch beim Kochen, Braten und Grillen bei mindestens 70 Grad zerstört würden.

"Eine ausreichende Durcherhitzung gewährleistet nach dem heutigen Stand der Wissenschaft eine Abtötung der genannten Erreger." Antwort des Umweltministeriums

Umweltministerium verweist auf Aktionsbündnis

Das bayerische Umweltministerium verweist in seiner Antwort auf das Bayerische Aktionsbündnis Antibiotikaresistenzen (BAKT) und das 16. Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle) - damit werde bereits viel gegen die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen getan. So müssten etwa Masthuhnbetriebe mit einem im Bundesvergleich erhöhten Antibiotikaeinsatz "einen zusammen mit einem Tierarzt erstellten Maßnahmenplan zur Reduzierung vorlegen", der auch geprüft werden soll.

Tests: Antibiotikaresistente Keime in jeder zweiten Stichprobe

Vor zwei Monaten hatte die Umweltorganisation Germanwatch bei Hähnchenfleisch aus Discountern in rund jeder zweiten Stichprobe antibiotikaresistente Keime gefunden. Geprüft wurde Hähnchenfleisch von Lidl, Netto, Real, Aldi und Penny. Bei der Zubereitung des Fleischs könnten resistente Keime durch Lücken bei der Küchenhygiene in den menschlichen Körper gelangen, schreibt Germanwatch. Bei späteren Infektionen würden verschriebene Antibiotika nicht mehr zuverlässig anschlagen.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung entdeckte im vergangenen November in einer Studie, dass in einigen Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sei in den vergangenen Jahren in Deutschland generell aber rückläufig.

© Bayerischer Rundfunk

Der Mensch hat bei der Züchtung von Hühnern eine geradezu erschreckende Effizienz erreicht. Aus dem Huhn hat er das Masthuhn gemacht.