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Müttergenesungswerk wird 70 – Anfänge in Mittelfranken | BR24

© BR / Annette Bögelein

Mutter-Kind-Kuren wurde vom Müttergensungswerk vor 70. Jahren ins Leben gerufen

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    Müttergenesungswerk wird 70 – Anfänge in Mittelfranken

    Vor 70 Jahren wurde das Müttergenesungswerk in Stein bei Nürnberg ins Leben gerufen. Weltweit gibt eine keine vergleichbare Vorsorge und Kuren für Mütter und mittlerweile auch Väter.

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    Kuren für Mütter oder Väter, mit und ohne Kind, gibt es nur in Deutschland. Vor 70 Jahren entstand diese Idee in Mittelfranken. In Stein bei Nürnberg wurde am 31. Januar 1950 das Müttergenesungswerk gegründet.

    Steigende Nachfrage

    Was vor 70 Jahren mit Erholungskuren für Mütter begann wurde bald auf Mutter-Kind-Kuren ausgeweitet. Seit längerem bietet das Müttergenesungswerk auch Väter-Kind-Kuren an sowie Kuren für pflegende Angehörige – auch für jene ohne Kinder. Die Idee einer Auszeit und Erholung vom Alltag für Mütter, Väter oder Pflegende ist aktueller denn je. Jährlich nehmen rund 50.000 Mütter, an die 2.000 Väter und mehr als 70.000 Kinder an Mütterkuren, Mutter-Kind-Kuren und Vater-Kind-Kuren in 73 Kurkliniken des Müttergenesungswerks teil. Neun befinden sich in Bayern, zwei davon in Franken.

    Stress und Burnout vermeiden

    Die Überlastung von Mütter oder Vätern sieht heute anders aus als vor 1950 Jahren. Heute sind die meisten Mütter berufstätig. Viele sind alleinerziehend oder pflegen zusätzlich Angehörige. Diese Belastungen bringen viele an ihre körperlichen wie seelischen Grenzen. Die Folgen sind Abgeschlagenheit, Überforderung, Schlafstörungen, Unruhe oder Angstgefühle - oftmals schon Zeichen von Burnout. Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach den Erholungskuren. "Wir können kaum den Bedarf decken und oft warten die Frauen sechs bis neun Monate auf einen Platz in einer Kurklinik", erklärt Sonja Borzel, Fachbereichsleiterin für Vorsorge und Rehabilitation der AWO Mittel- und Oberfranken. "Dabei ist es einfach ein unglaublich nachhaltiges Angebot für vergleichsweise wenig Geld, das die Krankenkassen in Richtung Prävention, Vorbeugung und Stabilisierung von Familien investieren," so Borzel weiter. Viele würden davon profitieren: Mütter, Väter, Kinder, die ganze Familie, der Arbeitgeber, die Gesellschaft und auch Krankenkassen.

    Anfänge in Stein bei Nürnberg

    Begonnen hat die Geschichte des Müttergenesungswerks in Stein (Lkr. Fürth). Hier wurde es vor 70 Jahren gegründet. Die Entstehung des Müttergenesungswerks ist zwei Frauen zu verdanken, berichtet Michaela Wachsmuth vom Frauenwerk in Stein. Antonie Nopitsch, Leiterin des Bayerischen Mütterdienstes in Stein hat vor 70 Jahren Elly Heuss-Knapp, die Frau des ersten Bundespräsidenten, nach Nürnberg eingeladen. Aus dieser Begegnung entstand die Idee für das Müttergenesungswerk. "Es sollte Müttern eine Auszeit vom Alltag ermöglichen und sie eine Zeit lang von all ihren Aufgaben entbinden, so dass sie sich einfach um sich selbst kümmern konnten," erinnert Michaela Wachsmuth. Elly Heuss-Knapp holte fünf Wohlfahrtsorganisationen an einen Tisch um mit ihnen gemeinsam ein Dach für Mütterkuren zu organisieren.

    Mehr als eine Kur

    Am 31. Januar 1950 wurde die Elly Heuss-Knapp-Stiftung – das Deutsche Müttergenesungswerk in Stein bei Nürnberg gegründet. "Der Grundstein von Elly Heuss Knapp war, die Kuren müssen ganzheitlich und geschlechtssenibel sein, das heißt, sie müssen am Lebensalltag von Müttern ansetzen, damit die in den Alltag was zurücknehmen können und nicht einfach gestärkt in die gleiche Situation gehen," resümiert Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Bis heute ist das ein innovatives Konzept und bundesweit einmalig ist.

    Politische Erfolge

    Bis heute ist es weltweit die einzige Organisation, die sich mit Kurmaßnahmen für die Gesundheit von Müttern einsetzt. Die Träger des Müttergenesungswerkes sind fünf Wohlfahrtsverbände: die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die katholische und evangelische Müttergenesung. Bis 2003 ist der Hauptgeschäftssitz und Zentrale des Vereins in Stein bei Nürnberg, dann zieht er nach Berlin um. Einer der Meilensteine in der Geschichte des Müttergenesungswerks ist die gesetzliche Verankerung der Kuren seit 1989 im Sozialgesetzbuch. Mit der Gesundheitsreform 2007 wurden die Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Väter zu gesetzlichen Pflichtleistungen der Krankenkassen.