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Münchnerin will "Mental Health Café" eröffnen | BR24

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Ein Ort, an dem es in Ordnung ist, wenn es einem schlecht geht: So stellt sich Dominique de Marné ihr "Mental Health Café" vor

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Münchnerin will "Mental Health Café" eröffnen

Reden hilft: Dominique de Marné will psychischen Erkrankungen ihr Stigma nehmen. Sie plant ein "Mental Health Café" in München - auch, weil sie lange selbst betroffen war.

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Zehn Jahre ihres Lebens, sagt Dominique, waren kein Leben. Lange hatte die 32-Jährige mit psychischen Problemen zu kämpfen - sie war alkoholabhängig und depressiv. "Es ist schwer, sich da hineinzuversetzen, wenn man das nicht selbst erlebt hat", sagt sie. "In der Depression ist es quasi unmöglich, in die Küche zu gehen und sich ein Glas Wasser zu holen. Das ist so anstrengend wie ein Marathon." Dazu kam die Diagnose Borderline.

"Reden hilft – zuhören auch"

Mittlerweile geht es ihr besser. Dominique de Marné schreibt Bücher, bloggt und hält Vorträge. Mit ihrer Geschichte geht sie offen um. Reden hilft, davon ist sie überzeugt. Deshalb will sie im Herbst in München ein "Mental Health Café" aufmachen. Auf den ersten Blick soll es aussehen wie jedes andere Café. Wie nebenbei will sie dort über psychische Gesundheit aufklären – mit Flyern, Workshops und speziell geschultem Personal.

"Dieses Thema muss mehr raus. Es kostet uns Geld, es kostet uns Leben, es kostet uns Lebensqualität. Das Stigma, die Ängste, die Hilflosigkeit – das liegt auch daran, dass es immer in die Ecke gedrängt wird. Wir wollen es aus der Ecke rausholen, in die Mitte der Gesellschaft." Dominique de Marné, Mental-Health-Aktivistin

Von Selbstliebe bis Stressmanagement

Dominique sprudelt über, wenn man sie nach ihren Ideen fragt. Im Café soll es vor allem um Prävention gehen - davon gebe es nämlich viel zu wenig Angebote im Vergleich zu denen für erkrankte Menschen. Sie plant Vorträge und Workshops: Wie gehe ich achtsam mit mir um? Wie bekomme ich den Stress im Alltag in den Griff? Wie verhalte ich mich, wenn ein Freund eine Depression hat?

Ihre Gäste sollen sich willkommen fühlen, ermutigt, über ihre Probleme zu sprechen. Oder, wenn es ihnen lieber ist: auch einfach schweigen können. Dominique hat sich dafür Fähnchen ausgedacht, die man sich auf den Tisch stellen kann. Rot heißt: Ich brauche gerade meine Ruhe. Grün heißt: Setz dich gern zu mir.

Vorbild kommt aus den USA

Auf die Idee gekommen ist sie über das "Sip of Hope" – eine Kaffeebar in Chicago. Der Betreiber hat 16 Freunde und Bekannte an Suizid verloren. Der Erlös fließt in Projekte zur Prävention. Die Mitarbeiter sind in seelischer "Erste Hilfe" geschult, sie sollen Anzeichen einer Krise erkennen und Kunden dabei helfen, sich Hilfe zu holen.

Auch Dominique will ihr Personal sensibilisieren. "Was sage ich, wenn jemand vor mir steht, dem es schlecht geht – und was nicht?" Eine Krisenanlaufstelle will das Café aber bewusst nicht sein. Akute Probleme überlässt man lieber den Profis, die regelmäßig anwesend sein sollen.

Erfolgreiches Crowdfunding

Eine Immobilie fehlt Dominique noch – die Idee kam aber schon mal gut an. Über 30.000 Euro sammelte sie bei einem Crowdfunding. "Viele Leute haben mir geschrieben und gesagt, so etwas braucht es dringend – und das waren nicht nur Betroffene und Angehörige."

Dominiques eigene Erkrankungen sind nicht weg, "aber ich habe gelernt, damit zu leben." Sechs Jahre lang war sie in Therapie. Vor kurzem fand die letzte Sitzung statt – in der konnte sie ihrer Therapeutin das Buch schenken, das sie über ihre Geschichte geschrieben hat. "Das war ein super Gefühl."