Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Unterwegs mit der Münchner Tierrettung – Katzen und Hunde in Not | BR24

© Bildfunk

Die Münchner Tierrettung versorgt eine in Not geratene Katze.

Per Mail sharen

    Unterwegs mit der Münchner Tierrettung – Katzen und Hunde in Not

    Die Einsätze der Münchner Tierrettung sind vielfältig. Rund um die Uhr fahren Tierärzte und Assistenten mit Rettungswagen durch die Stadt, um Leben von Tieren zu retten und dieses auch zu beenden, wenn es nötig ist.

    Per Mail sharen

    Gemütlich sitzt ein roter Kater in der Sonne und putzt sich. Doch er humple, meinten besorgte Fußgänger und haben die Tierrettung München gerufen. "Das ist der Kater Kasimir", ruft eine Frau mit knallrotem Mantel. Er sei der "Freimanner Streuner", den jeder in dem Stadtteil kenne. Geschickt packt der Tierarzt Gábor Horvath den Kater am Nacken und bringt ihn in den Rettungswagen. Aus dem wackelnden Auto ertönt Miauen. Dem Kater geht es gut. Er sei alt und habe schlechte Zähne, sagt Horvath. Mehr fehle ihm nicht. Wieder auf der Wiese ausgesetzt blickt Kasimir verwirrt umher.

    © Bildfunk

    Tierarzt Gábor Horvath fängt den Kater Kasimir in Münchner Stadtteil Freimann ein, um diesen zu untersuchen.

    Immer mehr Städte verfügen über Rettungsdienste für Tiere

    Die Münchner Tierrettung gibt es seit 2001. Mit drei speziellen Rettungswagen - ohne Blaulicht und Martinshorn - fahren abwechselnd sechs festangestellte Tierärzte mit Assistenten umher und behandeln Notfälle direkt zuhause. Auch in anderen Städten gibt es solche Vereine, etwa die Deutsche Tierrettung im Raum Essen und die bundesweite Tierrettung des Vereins "UNA". Sie werden häufig durch Spenden und Mitgliedschaften finanziert. Für kostenpflichtige Einsätze bezahlen Tierbesitzer. In Kasimirs Fall zahlt vorerst niemand. Wenn die Besitzer nicht ermittelt werden können, sendet die Tierrettung Anträge zur Kostenübernahme an Behörden.

    © dpa

    Der Tierarzt Gábor Horvath fährt mit dem Rettungswagen der Tierrettung durch die Landeshauptstadt.

    Inzwischen kommt der nächste Anruf, wieder eine Katze. Als die Helfer ankommen, ist sie schon eingefangen. Zitternd sitzt sie auf dem Behandlungstisch. Mit festem Griff hält Assistentin Malin Schmidt die Katze, Horvath prüft den Herzschlag, misst die Temperatur und leuchtet der gefleckten Katze in die Pupillen. Sie ist blind. "Eine blinde streunende Katze, das geht nicht lange gut", sagt der Veterinärmediziner. Sie kommt in die Chirurgische Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

    © Bildfunk

    Eine blinde, streunende Katze wird vom Tierarzt untersucht.

    Horvath fährt los. Schmidt sitzt hinten und flüstert dem Kätzchen beruhigend zu. Die Acht-Stunden-Schicht hat erst vor kurzem begonnen, bis 23 Uhr dauert sie. Unablässig klingelt das Telefon, Schmidt geht ran und ruft Horvath die neue Adresse zu. Sie studiert Tiermedizin im siebten Semester, seit etwa einem Jahr ist sie bei der Tierrettung. Neben dem Studium sei das zwar anstrengend, vor allem aber lehrreich.

    Einzelschicksale von Tieren verlangen einiges ab

    Der Tierarzt beschreibt die Arbeit als abwechslungsreich. Seit 2006 ist er dabei und komme viel herum. "Ein großer Nachteil ist aber, dass wir nur einen kurzen Einblick in das Leben eines Tieres bekommen", sagt Horvath. Er würde gerne wissen, wie es den Tieren geht, nachdem er sie in Kliniken gebracht hat - dafür fehle aber häufig die Zeit. Während die Fundkatze in der Kleintierklinik der LMU aufgenommen wird, fragt der 49-Jährige nach, wie es der Katze vom letzten Mal gehe. Als er erfährt, dass sie noch in der Nacht gestorben ist, wirkt er für einen kurzen Moment traurig.

    "Man legt sich ein dickes Fell zu." Gábor Horvath, Tierarzt der Münchner Tierrettung

    Das tun wohl alle Tierärzte - aber weil die Tierrettung häufig zu Notfällen gerufen wird und keine Routineuntersuchungen vornimmt, muss das von Horvath vielleicht noch ein bisschen dicker sein. "Wir retten am liebsten jeden Tag Leben, aber manchmal geht das nicht", sagt er.

    Sterbehilfe bei Tieren ist alltäglich

    Zurück im Rettungswagen hat Schmidt zwei weitere Notrufe. Sie müssen entscheiden, welcher Fall dringender ist. "Eine Konfliktsituation", sagt Horvath. Er entscheidet sich für den Anruf einer Frau, ihre Katze sei sehr krank und müsse eingeschläfert werden.

    Horvath holt tief Luft. Er nehme viele Einschläferungen vor, erzählt er. Das sehe er als eine Art "Service für das Tier". Haustiere seien in einer privilegierten Stellung, sagt er - und wird kurz politisch: Man könne ihr Leid verkürzen und sie entlasten.

    © Bildfunk

    Ein geöffneter Notfallrucksack für Tiere liegt während einer Einschläferung in einer Wohnung auf dem Boden.

    In der Wohnung der Anruferin untersucht er den Kater. Das Tier ist dünn und schwach. Schmidt kramt in den Utensilien, holt Spritzen, Ampullen, Kochsalzlösung und einen kleinen Rasierer hervor. Horvath setzt sich neben die Frau, der Kater liegt auf dem Tisch in seinem Körbchen. Mit ruhiger Stimme erklärt er den Vorgang, jeden einzelnen Schritt, und versichert, dass der Kater bald nicht mehr leiden wird.

    Mittlerweile ist es dunkel. An diesem Abend schläfert er noch einen Hund ein, behandelt eine weitere Katze.

    © Bildfunk

    Ein Hund wird auf einer Couch vom Team der Münchner Tierrettung untersucht.

    Diese ist schon älter, ihre Zähne sind eitrig und auch am Bauch des Tieres fühlt der Tierarzt, dass dort etwas nicht stimmt. Nach einer Spritze, bei der die Katze fürchterlich jault, folgt die Empfehlung an die schon ältere Tierbesitzerin am nächsten Tag in die Tierklinik zu gehen.

    © Bildfunk

    Der Tierarzt Gábor Horvath bereitet eine Spritze für eine Katze vor.

    Tierrettung ist ein harter Job

    Zurück in der Dienststelle versorgt Horvath noch ein Eichhörnchen mit gebrochenem Oberschenkel und dokumentiert Einsätze bis spät in die Nacht: "Die Dienststelle ist für alle wie ein zweites Zuhause." Am Ende ist er "ziemlich fertig". Kostendeckend war die Schicht nicht, Zeit für Pause und Essen hatte er auch nicht, aber er konnte Tiere retten: "Das ist doch ein Gewinn."

    © Bildfunk

    Ein Eichhörnchen mit gebrochenem Oberschenkel in der Obhut des Tierarztes.