BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Münchner Tafel bleibt weiter offen – dank vieler junger Helfer | BR24

© BR

Die Coronakrise trifft gerade auch die ärmeren Menschen mit voller Härte. Viele Tafeln in Bayern mussten bereits schließen, weil sie nicht mehr genügend Helfer haben. Die Münchner Tafel hat deshalb einen Aufruf gestartet - mit Erfolg.

9
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Münchner Tafel bleibt weiter offen – dank vieler junger Helfer

Während viele Tafeln in Bayern als Folge des Coronavirus geschlossen haben, ist die Münchner weiterhin geöffnet. Denn seit einem Aufruf melden sich jeden Tag Dutzende neue Ehrenamtliche. Sicherheit wird für sie und alle Gäste groß geschrieben.

9
Per Mail sharen
Teilen

Axel Schweiger steht mitten in einer Gruppe von Menschen, was eigentlich in diesen Tagen gar nicht mehr erlaubt ist. Aber ohne Menschen geht es eben auch nicht, wenn die Münchner Tafel weiter für Bedürftige da sein will. Schweiger ist Personalchef der Tafel und stellt die Helfer auf die neuen Umstände ein. "Beim Ausladen der Lastwagen bitte selbst darauf achten, dass ihr genügend Abstand haltet", ruft er in die Menge.

Viele Helfer bei der Münchner Tafel sind Neulinge - nur so kann sie den Betrieb weiter aufrechterhalten. Viele der eigentlichen Helfer bleiben zu Hause, weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Die Tafel hatte deshalb bei Facebook einen Aufruf gestartet – mit Erfolg: Seitdem kommen jeden Tag etwa 50 Schüler, Studenten und viele andere vorbei, die von der Arbeit gerade Zwangspause haben.

Münchner Tafel verteilt Essen an 27 Stellen in der Stadt

Eine von ihnen ist Anna Pfeffer. Die 30-Jährige kümmert sich als Eventmanagerin eigentlich um Caterings, doch sie war als eine der ersten von den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise betroffen. Vor drei Wochen musste sie ihr Chef freistellen, weil die Aufträge wegbrachen. "Ich möchte nicht einfach nur daheim herumsitzen, sondern dort helfen, wo die Hilfe benötigt wird", erzählt sie.

Deshalb schleppt sie nun Kisten mit Obst und Gemüse an der Münchner Großmarkthalle. Dort ist eine von 27 Ausgabestellen der Tafel, allein 700 Menschen werden hier versorgt. Gerade entscheidet die Tafel jeden Tag neu, welche der Stellen sie aufmacht und aufmachen kann. Die Gäste können sich dann per Anruf informieren.

Zwei Meter Sicherheitsabstand wegen Corona

Wer kommt, muss in Zeiten von Corona wie die Helfer auf Sicherheitsvorkehrungen achten. Gesprühte Linien am Boden verdeutlichen die zwei Meter Abstand, die in der Warteschlange einzuhalten sind. Kontrollieren müssen das die Helfer kaum, fast alle Gäste achten von sich aus darauf, viele tragen sogar einen Mundschutz.

Auch an der Ausgabe selbst stehen die Lebensmittel jetzt hinter den Helfern und nicht mehr auf den Tischen vor ihnen – ebenfalls eine Vorsichtsmaßnahme. Das Corona-Risiko sei hier allen bewusst, sagt Anna Pfeffer, aber abschrecken lassen wolle sie sich davon nicht.

Auch wenn vieles reibungslos klappt, sei die Situation natürlich trotzdem nicht einfach, berichtet Axel Schweiger: "Früher war das auch ein Ort der Kommunikation, wo sich viele Menschen treffen, die sich kennen und teilweise Freundschaft geschlossen haben." Das alles ist jetzt auf ein Minimum reduziert.

Solidarität auch nach der Coronakrise

Die Tafel will weitermachen, so lange sie angesichts von Corona noch darf. Helferin Anna Pfeffer hofft, dass die Menschen auch dann noch ein Auge für Bedürftige haben, wenn die Krise irgendwann überstanden ist. "Auch in Nicht-Krisenzeiten sollte man Solidarität zeigen", sagt sie, "und immer wieder in sozialen Einrichtungen nachfragen, ob Hilfe nötig ist".

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!