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Schüler der Rudolf-Steiner-Schule in München-Daglfing blockieren den Parkplatz bei ihrer Schule.
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Karen Bauer
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Schüler der Rudolf-Steiner-Schule in München-Daglfing blockieren den Parkplatz bei ihrer Schule.

Noch schnell die Warnweste anziehen – dann rollt auch schon das erste Auto auf die Schülerinnen und Schüler zu. Nebeneinander stehen sie in der Zufahrt – und versperren so den Weg zum Parkplatz der Rudolf-Steiner-Schule in München-Daglfing. Jeder Autofahrer bekommt einen Handzettel – darauf steht sinngemäß: Lieber die S-Bahn nehmen als Auto fahren!

Mornings for Future: Früh aufstehen für den Klima-Protest

Der Unterricht beginnt um 8.15 Uhr. Aber 15 bis 20 Schülerinnen und Schüler der 7., 8. und 9. Klasse stehen seit zehn Tagen extra früher auf, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren – so auch Emilia:

"Die meisten sind einfach zu faul, morgens bei der Kälte mit den S-Bahnen zu fahren, und das wollen wir ihnen klar machen. Uns ist's das auch wert mit dem Klimawandel. Wir müssen was tun, es kann nicht so weiter gehen. Die Politiker machen nichts - dann müssen wir es den Menschen sagen." Emilia, Schülerin

Schülerprotest in der Freizeit

Anfang Januar hatten die Jugendlichen die "Fridays for Future"-Demonstrationen in München besucht, ihre Schule tolerierte dies zunächst. Dann äußerte sich Bayerns Kultusminister Michael Piazolo und erinnerte an die Schulpflicht. Daraufhin untersagte auch die Daglfinger Waldorfschule ihren Schülern, während der Unterrichtszeit zu demonstrieren. Seitdem protestieren sie eben in ihrer Freizeit. Lehrerin Sibylle Kuhn ist unschlüssig, was sie von der Aktion halten soll:

"Ich verstehe das Anliegen Schüler. Aber wir wollen natürlich unsere Eltern auch nicht verärgern, und deshalb müssen wir jetzt eine Form finden, die für alle verträglich ist." Sibylle Kuhn, Lehrerin

Weitere Aktionen geplant

Manche Autofahrer zeigen Verständnis: Sie habe schon ein schlechtes Gewissen, sagt eine Frau und überlegt, künftig öfters die S-Bahn zu nehmen. Es seien auch schon weniger Autos geworden, sagen die Jugendlichen. Andere Autofahrer reagieren genervt. Einer hat neulich sogar die Polizei gerufen. Nun wollen die Schülerinnen und Schüler ihre Aktion offiziell bei der Stadt anmelden. Und bei der Parkplatzsperre soll es nicht bleiben:

"Wir versuchen, bei den Elternabenden reinzukommen und da mit den Eltern zu reden. Weil da haben sie Zeit und da müssen sie es anhören und da müssen sie sich benehmen und uns ernst nehmen."

Bei den Elternabenden und auch bei Schulfesten wollen sie sich künftig für mehr Klimaschutz stark machen.