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Münchner Runde: Streit um Maskenpflicht und "Angstpropaganda" | BR24

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Die Corona-Lage in Bayern verschärft sich: Steigende Infektionszahlen, überschrittene Grenzwerte und Tausende Menschen in Quarantäne. Wie viel Freiheit ist da noch drin? Darüber diskutierte die Münchner Runde.

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Münchner Runde: Streit um Maskenpflicht und "Angstpropaganda"

Sind die Corona-Maßnahmen der Politik angemessen oder schränken sie die Freiheit zu stark ein? Diese Frage beschäftigte die Münchner Runde. Und ein Diskutant schaffte es, den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in Rage zu bringen.

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In der BR-Sendung Münchner Runde ist über das Thema Corona und Freiheit diskutiert worden. Zu Gast in der Sendung waren Matthias Helwig, Kinobetreiber und Festivalveranstalter, Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister, Markus Haintz, Rechtsanwalt und Mitglied der Gruppe "Querdenken", Olaf Sundermeyer, rbb-Experte für Rechtsextremismus und Jördis Frommhold, Fachärztin für Atemwegserkrankungen.

Haintz: Kollateralschäden zu wenig berücksichtigt

Markus Haintz, ein Vertreter der Gruppe "Querdenken", die deutschlandweit Demonstrationen gegen die Corona-Regeln organisiert, kritisierte die Maßnahmen der Politik scharf. Weder er noch seine Mitstreiter leugneten die Existenz von Corona oder auch von schweren Verläufen, so Haintz. Allerdings habe die Politik die Kollateralschäden, die durch ihre Maßnahmen entstünden, nicht mitgedacht.

Streit um Maskenpflicht

Auch kritisierte Haintz in der Sendung, die Maskenpflicht auf Demonstrationen. Dass auf den Demonstrationen eine Maskenpflicht herrsche, selbst wenn die Mindestabstände eingehalten würden, sei unlogisch. Es fehlten ihm bisher jegliche Belege für das Ansteigen von Infektionen durch Demonstrationen. Zudem kritisierte er, dass mögliche Ausnahmen von der Maskenpflicht von der Politik bewusst unerwähnt blieben. Derzeit würden Ärzte durch die "Angstpropaganda" der Politik so unter Druck gesetzt, dass viele sich nicht trauten, Patienten hinsichtlich einer Befreiung von der Maskenpflicht aus medizinischen Gründen zu beraten.

Herrmann verteidigt Maskenpflicht auf Demonstrationen

Das brachte den Bayerischen Innenminister und CSU-Politiker Joachim Herrmann in Rage. Natürlich werde respektiert, wenn Menschen aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen könnten. Es könne aber nicht sein, dass bei Anti-Corona-Demonstrationen wie zuletzt in München Blankoatteste von Ärzten verteilt würden, die vom Tragen einer Maske befreiten.

Jördis Frommhold, Lungenfachärztin in einer Rehaklinik in Heiligendamm, unterstützte ausdrücklich das Tragen einer Maske. Sie helfe gegen Infektionen aller Art, nicht nur gegen Covid-19. Wenn es nicht möglich sei, Abstände einzuhalten, dann sollte es zumutbar sein, in der heutigen Zeit eine Maske zu tragen. Sie habe in der Lungenklinik COPD-Patienten, die den ganzen Tag eine Maske tragen, und sie frage sich, warum es jungen, gesunden Menschen nicht möglich sei, dies zu tun, wenn man die Abstände nicht halten könne.

Kinobetreiber fordert mehr Logik und weniger Angst

Der Gautinger Kinobetreiber Matthias Helwig sieht das Problem vor allem in der Angst der Menschen. Viele trauten sich nicht mehr raus und seien sehr vorsichtig in ihrem Alltag. Es sei deshalb wichtig, dass die Politik ihre Maßnahmen mit Logik begründe und nicht allein über Strafen sanktioniere.

Er habe kein Problem in einer vollen Regionalbahn eine Maske zu tragen, aber dies in der Nacht alleine auf einem Bahnsteig tun zu müssen, erschließe sich ihm nicht. Und so gehe es vielen Menschen. Die Politik müsse versuchen, den Menschen die Angst zu nehmen. "Dieses dauernde Gerede um Angst" führe dazu, dass viele Menschen verunsichert seien, und die Hälfte nur noch zu Hause bliebe. Bezogen auf sein Kino sagte er wörtlich: "Meine Hoffnung wäre zum Beispiel, dass unser Ministerpräsident ins Kino geht und sagt ‚Pfundig war‘s!‘ Das wäre ein Statement!"

Corona-Proteste als Systemkritik

RBB-Journalist und Extremismus-Experte Olaf Sundermeyer griff Querdenken-Mitglied Markus Haintz scharf an. So würde auf den Corona-Demonstrationen bewusst gegen Hygiene-Maßnahmen verstoßen und den "kollektiven Protest gegen die Bundesregierung auszudrücken".

Die Anti-Corona-Aktivisten spielten mit dieser Krise, um für politische Unruhe zu sorgen, insbesondere durch die Demonstrationen. "Sie arbeiten dort mit ganz billigen juristischen Tricks in einer Art und Weise wie das die Republik noch nicht erlebt hat", warf Sundermeyer dem Aktivisten Haintz vor.

Hinweis der Redaktion Münchner Runde

Vielen Dank für die aufmerksamen und richtigen Hinweise unserer Zuschauer und User zu dem Einspieler in unserer Sendung. Obwohl sich unsere Redaktion immer um sorgfältigste Recherche bemüht und zahlreiche Quellen überprüft, hat sich in diesem Fall tatsächlich ein Fehler im Text eingeschlichen. Die genannte Zahl ist laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit korrekt, allerdings handelt es sich dabei nicht um die tagesaktuelle Zahl der Coronavirusinfektionen in Bayern zum Stand 23.09., sondern um die Gesamtzahl der Coronavirusinfektionen in Bayern (Stand 23.09.). Wir bedauern diesen Fehler ausdrücklich.

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