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Münchner Runde: Streit um die Impfpflicht | BR24

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Das Thema Impfpflicht wird kontrovers diskutiert - das zeigen auch die Statements der Gäste der "Münchner Runde".

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Münchner Runde: Streit um die Impfpflicht

Gesundheitsministerin Melanie Huml spricht sich zwar für die Masern-Impfung aus, aber gegen eine Pflicht. Eine Kinderärztin warnt: Im Alter von zwei Jahren seien nicht genügend Kinder geimpft. Und ein Impfgegner zieht alles in Zweifel.

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Die Münchner Runde an diesem Mittwochabend im BR Fernsehen war besonders emotional, zuweilen fielen sich die Diskussionsteilnehmer turbulent gegenseitig ins Wort. Es ging um den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Verband der Kinder- und Jugendärzte, eine verpflichtende Masern-Impfung für Kinder in Kitas und Schulen einzuführen. Die Masern könnten laut WHO längst ausgerottet sein – gäbe es überall Impfquoten von über 95 Prozent.

Bayerns Gesundheitsministerin gegen Impfpflicht

Die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sprach sich allerdings gegen eine Impfpflicht aus. „Ich würde gerne den Weg des Überzeugens weiter gehen“, sagte die gelernte Medizinerin. Sie sei grundsätzlich für Masern-Impfungen, denn nur so könne die Krankheit ausgerottet werden. Aber im Freistaat Bayern sei die Impfquote durch Aufklärungskampagnen bereits „massiv“ gesteigert worden - verglichen mit dem Ausgangswert von 44 Prozent im Jahr 2003.

„Wir sind inzwischen bei 92,2 Prozent angekommen. Also uns fehlen zu den 95 Prozent gar nicht mehr so viel“, so die Ministerin. „Ich bin fürs Impfen, ganz klar. Ich möchte, dass die Kinder geimpft werden. Aber wir haben die Masernfälle häufig auch bei jungen Erwachsenen. Wenn wir die Impfpflicht nur an Kindergärten und Schulen festmachen, erreichen wir nicht alle.“ Deshalb würden die Informationskampagnen nun auch auf Erstsemester-Studierende ausgeweitet. Den Vorschlag, dass Erzieher und Pfleger verpflichtend gegen Masern geimpft sein müssen, hält sie für sinnvoll.

Kinderärztin warnt: Impfquote bei Zweijährigen nicht ausreichend

Brigitte Dietz ist Kinderärztin und Impfexpertin und erklärte in der Sendung, dass die bayerischen Quoten zwar gut, aber noch nicht ausreichend sind. Denn sie werden bei einer Untersuchung vor der Einschulung erfasst. Die WHO empfehle aber eine Impfquote von 95 Prozent im Alter von zwei Jahren. Hier hätten aktuell deutschland- und bayernweit nur 73 Prozent der Kinder den kompletten Masern-Impfschutz, weshalb ihr Berufsverband eine Impfpflicht befürworte.

Impfgegner Hans Tolzin zweifelte an, dass die Zahlen überhaupt etwas aussagen, da nicht alle Kinder einen Impfpass hätten. Außerdem wisse er nicht, ob es Masern-Viren überhaupt gebe. Diese Behauptung wurde in der Runde mit heftigem Kopfschütten und Verweis auf wissenschaftliche Studien zurückgewiesen. Kinderärztin Dietz sagte, Masern gehörten zu den gefährlichsten Erkrankungen.

Was ist tödlich - die Krankheit oder die Impfung?

Außerdem meinte Impfgegner Tolzin, es gebe keinen Wirkungsnachweis für Impfungen. Sie könnten, ganz im Gegenteil, sogar Krankheiten auslösen und zum Tod führen. Auch dieser Behauptung widersprach Kinderärztin Brigitte Dietz mit wissenschaftlichen Zahlen. „Wenn wir von 700.000 Geburten pro Jahr in Deutschland ausgehen, verabreichen wir ungefähr 2,1 Millionen Impfungen in den ersten Monaten.“

Weiter erklärte die Ärztin: „Und es gibt Kinder, die einfach tot am Morgen im Bett liegen. Und es wird immer auf die Impfung bezogen.

Tatsächlich ist es Sudden Infant Death.“ Plötzlicher Kindstod also, der sich nicht auf die Impfung beziehen lässt. Der Wissenschaftsjournalist Werner Bartens sagte, der Nutzen einer Impfung sei um Faktor Tausend höher als die Schäden. Man müsse solidarisch an die anderen Menschen denken. Tolzins Argumentation bezeichnete er als „zynisch“.

Vorher erzählte eine Mutter bereits vom tragischen Fall ihres Sohnes:

Mit sechs Monaten hatte sich Micha im Wartezimmer seines Kinderarztes mit Masern angesteckt – weil ein Kind nicht geimpft war. Erst Jahre später erkrankte er plötzlich an einer Gehirnentzündung, die durch Masernviren ausgelöst wird: SSPE, Subakute Sklerosierende Panenzephalitis. Er starb im Alter von 14 Jahren an dieser Folgeerkrankung. Trotzdem ist seine Mutter Oxana Giesbrecht gegen eine generelle Impfpflicht. Es sei besser, an die Vernunft der Menschen zu appellieren, sagte sie in der Münchner Runde.