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Münchner Runde: Sterben jetzt die Bauern aus? | BR24

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Bei der Münchner Runde wurde lebhaft über die Landwirtschaft diskutiert.

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Münchner Runde: Sterben jetzt die Bauern aus?

Um die Situation der Landwirte in Bayern zu verbessern, forderte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mehr EU-Förderung für Kleinbetriebe. Ludwig Hartmann von den Grünen nahm den Verbraucher in die Pflicht.

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Klimaschutz, Tierwohl, Artenvielfalt, die Herausforderungen, mit denen Landwirte heute zurechtkommen müssen, sind vielfältig. Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass es im Vergleich zu 1995 nur noch halb so viele landwirtschaftliche Betriebe in Bayern gibt, sah der Landwirt Sebastian Dickow auch am Verhalten der Verbraucher.

"Wir haben ja noch immer höhere Agrarimporte als Exporte, weil wir Deutschen nur die Edelteile essen. Wir wollen den Rückenstrang, den Schlegel vielleicht noch, beim Halsgrat wird es dann schon kritisch, der könnte ja zu fettig sein. Das ist unser Problem. Deswegen haben wir auch viel Export. Der Selbstversorgungsgrad sinkt immer weiter." Sebastian Dickow, Landwirt

Dickow warb auch dafür, dass Verbraucher, die die heimische Landwirtschaft stärken wollen, nicht nur darauf achten sollten, Bio-Lebensmittel zu kaufen, sondern dass diese auch aus der Region kämen. Außerdem zweifelte er an, dass die Produktionsstandards in anderen Ländern genauso hoch seien, wie in Deutschland.

Michaela Kaniber: Großbetriebe kappen

Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber lieferte sich einen Schlagabtausch mit dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann. Einen Lösungsweg aus dem Streit, wie den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben in Bayern geholfen werden kann, sieht die CSU-Politikerin in einer Änderung der EU-Subventionspolitik.

"Wir haben eine ganz klare Forderung, wenn wir über die gemeinsame Agrarpolitik in Europa diskutieren, dass wir sagen, wir wollen hier auch die Änderung bei diesen Fördergeldern. Wir wünschen uns, dass die Direktzahlungen, das ist diese erste Säule, dass die viel besser ausgestaltet wird, für die klein strukturierte Bauernschaft. Und dass wir auch Zielvorgaben machen, dass wir die Großbetriebe in Europa natürlich kappen. Wenn ein Betrieb über 100.000 Euro Fördergeld bekommt, dann kann das nicht richtig sein." Michaela Kaniber (CSU)

Ludwig Hartmann: Jeder ist Teil der Lösung

Ludwig Hartmann nahm Landwirte, Naturschützer und Verbraucher zu gleich in die Pflicht. Die Landwirte in Bayern aus Steuergeldern zu unterstützen, sei richtig, jedoch wenn alle Beteiligten mit der Gesamtsituation nicht zufrieden seien, müsse man ehrlich sagen, dass es so nicht mehr weiterginge.

"Wir brauchen einen grundlegenden Neustart. Nachjustieren im System alleine wird nicht mehr reichen und ich bin überzeugt, man muss auch irgendwann den Mut haben und sagen, wir müssen jetzt die Richtung ändern. Von den drei Gruppen, die betroffen sind – Verbraucher, Landwirte, Naturschützer – ist jeder Teil der Lösung, aber jeder muss auch grundlegend etwas ändern."

"Das sind Peanuts"

Etwas Ruhe in die meist hitzig geführte Debatte hat Martin Hofstetter von Greenpeace gebracht. Mit Blick auf den beschlossenen Agrarpakt der Bundesregierung übte er jedoch deutliche Kritik.

"Das ist viel zu klein gedacht, wir haben eigentlich viel größere Herausforderungen in zehn bis 20 Jahren. Das (Agrarpaket der Bundesregierung – Anm. d. Red.) ist Peanuts. Ich finde, man muss den Bauern auch mal klaren Wein einschenken und sagen, das wird so nicht weitergehen. Wir werden so nicht weiter wirtschaften können." Martin Hofstetter, Greenpeace

Um dies zu erreichen, müssten jedoch auch die konventionellen Landwirte unterstützt werden. Den Blick zu stark auf reine Bio-Landwirtschaft zu richten, würde nicht reichen.