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Münchner Runde: Hitzige Diskussion um Bauern in Bedrängnis | BR24

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Bei der Münchner Runde wurde lebhaft über die Landwirtschaft diskutiert.

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Münchner Runde: Hitzige Diskussion um Bauern in Bedrängnis

Viele Landwirte fühlen sich in der aktuellen Klima- und Artenschutzdiskussion an den Pranger gestellt oder bangen sogar um ihre Existenz. Wer für ihre Probleme verantwortlich ist, darüber gab es Streit in der Münchner Runde im BR Fernsehen.

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In der Münchner Runde im Bayerischen Fernsehen haben sich die vier Diskutanten am Mittwoch Abend einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Streitthema waren die Probleme in der Landwirtschaft und die Frage, wie die Lebensmittelerzeugung der Zukunft aussehen soll.

Landwirte wollen keine Sündenböcke sein

Sebastian Dickow, Landwirt in Niederbayern, ist enttäuscht darüber, wie mit den Landwirten derzeit umgegangen wird – in den Medien und auch in der Politik. Die Landwirte bekämen nichts als Vorschriften und zudem das Gefühl vermittelt, die einzig Schuldigen an allem zu sein.

"Man weiß, dass es noch irgendwie weitergehen kann mit unserem Betrieb, weil wir breit gefächert sind, aber man ist sehr genervt von dieser Situation. Man hat täglich Anfeindungen, man hat täglich Diskussionen zu führen, und es ist nicht gerade nett, was man da zu hören bekommt." Sebastian Dickow, Landwirt aus Mamming in Niederbayern

Bauern sorgen sich vor der Zukunft

Viele Landwirte fürchten um ihre Existenz. Einige bringen grüne Kreuze auf jenen Feldern an, die sie vielleicht bald aufgeben müssen. Sorge macht den Bauern das neue Agrarpaket. Denn dieses schreibt vor, dass sie in Zukunft mit weniger Dünger auskommen müssen. Sinkende Erträge könnten die Folge sein, fürchten viele.

Landwirtschaftsministerin sieht Schuld bei der EU

Kommende Woche planen die Landwirte eine Protestaktion vor dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigte in der Münchner Runde Verständnis für die Sorgen der Landwirte und zeigt mit dem Finger nach Brüssel.

"Der Protest der Landwirte richtet sich ganz wesentlich gegen die Politik des Bundes und auch gegen Brüssel, weil die Maßnahmen geballt kommen und immer extremer werden. Wir haben aus Bayern heraus etwa bei der Düngeverordnung alles getan, um zu intervenieren." Michaela Kaniber, Bayerische Landwirtschaftsministerin

Grüne sehen keine Alternative zu Neustart

Ludwig Hartmann von den Grünen ist der Meinung, es brauche in der Landwirtschaft einen grundlegenden Neustart. Nachjustieren im System werde nicht ausreichen.

"Man muss doch auch mal den Mut haben und sagen: 'Wir müssen jetzt die Richtung ändern.' Von den drei Gruppen, die betroffen sind - Verbraucher, Landwirte, Naturschützer – ist jeder Teil der Lösung, aber auch jeder muss etwas ändern." Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im Landtag

Politik hätte viel früher umsteuern müssen

Der Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Martin Hofstetter sieht das neue Agrarpaket der Bundesregierung als "viel zu klein gedacht". Es werde nicht reichen, um die Kleinbauern am Leben zu erhalten oder die Artenvielfalt zu sichern.

"Das sind Peanuts. Man muss den Bauern auch mal reinen Wein einschenken. Aus Klimagründen wird es in der Landwirtschaft Veränderungen geben. Und wir haben auch rechtliche Dinge vermasselt." Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace

Damit meint er Urteile zu einer artgerechteren Haltung von Schweinen oder zur Kastration, die noch nicht umgesetzt sind. Nach Meinung des Greenpeace-Experten hat sich agrarpolitisch in den letzten 10 bis 15 Jahren viel angestaut, was die Politik damals schon hätte anpacken müssen, anstatt eine billige Lebensmittelproduktion zu unterstützen.

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Immer mehr Landwirte stellen auf ihren Feldern grüne Kreuze auf, um auf das Höfesterben aufmerksam zu machen. Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass es immer weniger kleine Betrieb in Bayern gibt.