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Münchner Publizistikpreis für Neonazi-Experten Andreasch | BR24

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Der Journalist Robert Andreasch ist mit dem renommierten Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch ist Experte in der extrem rechten Szene – und der Journalist, der die meisten Verhandlungstage des NSU-Prozesses besucht hat.

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Münchner Publizistikpreis für Neonazi-Experten Andreasch

Der Journalist Robert Andreasch ist mit dem renommierten Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch ist Experte für die extrem rechte Szene – und der Journalist, der die meisten Verhandlungstage des NSU-Prozesses besucht hat.

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Der Fachjournalist Robert Andreasch ist am Dienstagabend mit dem renommierten Publizistikpreis der Stadt München ausgezeichnet worden. Andreasch ist einer der besten Kenner der extrem rechten Szene in Deutschland und insbesondere in Bayern.

Viel gefragter Experte und genauer Beobachter des NSU-Prozesses

Seine fundierten Recherchen werden regelmäßig von Medien in ganz Deutschland veröffentlicht, auch vom Bayerischen Rundfunk. Daneben ist der 45-Jährige gefragter Interviewpartner, Referent auf Fachkonferenzen, Seminaren und in Schulen. Er stellte sein Wissen zudem mehrfach als Gutachter in NSU-Untersuchungsausschüssen verschiedener Landesparlamente und des Bundestags zur Verfügung. Er ist derjenige Journalist, der die meisten der insgesamt 438 Verhandlungstage des NSU-Prozesses in München besucht und dokumentiert hat.

"Schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt ist mein Gesicht durch alle rechten Publikationen gegangen. Es hat offline wie online große Kampagnen in der NPD-Zeitung 'Deutsche Stimme' gegen meine Person gegeben. Danach war ich einfach überall bekannt. Investigatives Arbeiten ist mir mit dem bekannten Gesicht ein zu hohes Risiko, was die deutsche Neonazi-Szene angeht." Robert Andreasch

Bei AfD-Veranstaltungen hat Andreasch Hausverbot

In der rechten Szene ist Robert Andreasch wegen seiner Recherchen verhasst. Bei AfD-Veranstaltungen hat er Hausverbot. Immer wieder wird er im Netz und auf der Straße diffamiert und bedroht. Seine Fotoausrüstung wurde zerstört. Mehrfach wurde er von Neonazis bespuckt, körperlich angegriffen und verletzt.

"Man ist als Journalist ein richtiges Feindbild. Die extreme Rechte, die den Untergang des Abendlandes oder der deutschen Volksgemeinschaft herbeihalluziniert, die schiebt das uns Journalisten zu. Das sorgt für einen unfassbaren Hass – und dieser Hass sorgt für eine unfassbare Aggressivität." Robert Andreasch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk

Die Situation für Journalisten, die über die rechte Szene berichten, habe sich zuletzt deutlich verschärft, sagte Andreasch gegenüber dem BR. Die Auszeichnung mit dem Publizistikpreis der Stadt München habe ihn überrascht. Insbesondere freue er sich darüber, dass damit seine jahrelange Recherchearbeit anerkannt werde.

"Ich mache diese Arbeit, weil ich die extrem rechte Szene für eine große, tödliche Gefahr halte – auch mit Blick auf die deutsche Geschichte. Schon immer haben mich zwei Dinge erschreckt: auf der einen Seite die Verbreitung rechter Einstellungen in der Bevölkerung und auf der anderen Seite das, was man Radikalisierung nennen könnte der rechte Szene selber hin zu rechtsterroristischen Konzepten wie Mord und Massenmord. Ich bin der Meinung, dass man mit Aufklärung noch etwas erreichen kann." Robert Andreasch

Preisträger wie Heribert Prantl und Mercedes Riederer

Der Preis wird alle drei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Heribert Prantl, ehemaliges Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, und die ehemalige BR-Hörfunk-Chefredakteurin Mercedes Riederer.

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Der Verfassungsschutz hat mehr Rechtsextremisten auf dem Radar als je zuvor. Mehr als die Hälfte von ihnen, fast 13.000, hält die Behörde für gewaltbereit. Momentan sei der Rechtsextremismus "brandgefährlich", sagte Bundesinnenminister Seehofer.