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Münchner Oktoberfest fällt wegen Corona-Krise aus | BR24

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Das Münchner Oktoberfest ist wegen Corona abgesagt. Das haben Ministerpräsident Söder und Münchens Oberbürgermeister Reiter verkündet.

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Münchner Oktoberfest fällt wegen Corona-Krise aus

Das Münchner Oktoberfest und das Zentrale Landwirtschaftsfest auf der Theresienwiese sind wegen Corona abgesagt. Das haben Ministerpräsident Söder und Münchens Oberbürgermeister Reiter verkündet. Beide sprachen von einer schmerzhaften Entscheidung.

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Genau fünf Minuten nach 9 Uhr hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die längst erwarteten Worte gesprochen: "Wir haben uns entschieden, dass das Oktoberfest nicht stattfinden wird." Es tue weh, "aber es ist kein normales Jahr". Mit Corona zu leben, bedeute, vorsichtig zu leben.

Bierzelt geht nur ganz oder gar nicht

Volksfeste - wie Starkbierfeste oder Karnevalsveranstaltungen - hätten sich bereits in der Vergangenheit als Viren-Drehscheiben erwiesen, sagte Söder. Deshalb sei er mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SDP) "übereingekommen, dass uns das Risiko schlicht zu hoch ist". Oktoberfest gehe nur "ganz oder gar nicht", deshalb habe man über Ausnahmeregelungen auch nicht ernsthaft diskutiert.

Zwei Millionen ausländische Gäste

Bei einem Volksfest im Bierzelt, wo es ja um Nähe, Singen und Alkohol gehe, sei auch an Mundschutz und Abstandsregeln nicht zu denken, betonte Söder. Außerdem kämen zur Wiesn allein zwei Millionen Gäste aus der ganzen Welt. Ein "effektiver Infektionsschutz" sei deshalb nicht vorstellbar. Den ARD-Tagesthemen sagte Söder: "Wir haben auch eine Verantwortung. Wir wollen ja nicht nur, dass wir bei uns niemanden anstecken, sondern wir wollen auch nicht, dass wir am Ende dann der Ort sind, der die halbe Welt ansteckt."

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Aus Verantwortungsbewusstsein habe man das Oktoberfest absagen müssen, so Ministerpräsident Söder in den ARD-Tagesthemen.

Münchens OB Reiter will Wiesn 2021 um so intensiver nachholen

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter war das Bedauern über die Absage des Oktoberfestes 2020 deutlich anzusehen. Er sei "traurig", schließlich sei die Wiesn für viele "das Highlight des Jahres" – und 70 Prozent der Besucher stammten aus Bayern.

Auch mit Blick auf die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für Hotels, Schausteller, Gastronomie oder Taxler habe man sich die Entscheidung "nicht leicht gemacht". Insgesamt rechnet Reiter mit Umsatzausfällen von bis zu 1,3 Milliarden Euro. Jetzt hoffe er darauf, dass wir das Oktoberfest nächstes Jahr "um so intensiver nachholen können".

Es gibt kein Recht auf Fest, deshalb keine Angst vor Schadenersatz

Mit Schadenersatzforderungen von Seiten der Aussteller rechnet Münchens OB Reiter nicht. Er sieht keinerlei "Klagerisiko, weil es keinen Rechtsanspruch auf Durchführung eines Festes" gebe. Förmlich absagen müsse man das Oktoberfest auch nicht, weil der nötige Stadtratsbeschluss zur Einladung einfach nicht stattfinde, so Reiter.

Auch das zeitgleich geplante Zentrale Landwirtschaftsfest auf dem Gelände neben dem Oktoberfest fällt aus. OB Reiter hat darüber den Bauernverband bereits informiert.

Söder verweist auf Staatshilfen für Schausteller

Ministerpräsident Söder erneuerte bei der Pressekonferenz sein Versprechen, die wirtschaftlichen Verluste mit Staatsgeldern abzufedern. Vor allem für Betriebe mit unter zehn Beschäftigten biete der Freistaat zu 100 Prozent staatlich abgesicherte Kredite bis zu einer Höhe von 100.000 Euro an.

Weil auch andere Volksfeste wie zum Beispiel das Gillamoos bei Kelheim oder das Rosenheimer Herbstfest abgesagt würden, rechnet Söder mit vielen Anträgen.

Wiesnwirte und Schausteller betrauern Absage

Für Wiesnwirte, Schausteller und Marktkauflaute ist die Absage des Oktoberfests ein harter Schlag. "Die Absage trifft uns alle schwer", sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, in einer ersten Reaktion am Dienstag. Es gehe keineswegs nur um die finanzielle Seite. Das Oktoberfest sei auch eine sehr emotionale Sache. "Es geht uns nahe. Die Wiesn ist eine Herzensangelegenheit."

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Die Absage der Wiesn trifft vor allem die Festwirte der Bierzelte hart. Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesnwirte, sagte, er müsse erst noch realisieren, dass am 19. September nicht angezapft wird.

Die Absage des Oktoberfests darf nach Auffassung des Deutschen Schaustellerbunds nicht die Blaupause für andere Volksfeste werden: "Das Aus des Münchner Oktoberfestes 2020 darf nicht automatisch das Aus aller deutschen Volksfeste bedeuten. Die Feste sind für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Wiesn-Absage dürfe "kein Indikator sein, andere Volksfeste ab Ende August in Deutschland zwingend und voreilig abzusagen".

"Für uns ist das eine Hiobsbotschaft", sagt Josef Diebold zu der Absage des diesjährigen Oktoberfestes. Der Vorsitzende des Schwäbischen Schaustellerverbandes befürchtet, dass nach der Wiesn-Absage auch viele weitere Volksfeste in Bayern nicht stattfinden werden. "Man hat es erwartet, aber die Hoffnung stirbt zuletzt." Das Oktoberfest sei das Fest der Feste und habe große Strahlkraft, so Diebold. Für Schausteller sei die Absage eine Katastrophe.

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Das Oktoberfest wird in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. So reagieren die Münchner auf die Absage.

Auch "Gillamoos" in Abensberg fällt aus

Auch der Gillamoos, einer der ältesten Jahrmärkte in Bayern, fällt dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Das hat Markus Söder ebenfalls im Rahmen der Pressekonferenz mitgeteilt. "Es geht nicht nur um das Oktoberfest, wir haben noch einige andere Feste, die auch kurz um die Zeit sind, sei es Gillamoos oder andere, über die wir hier ähnlich entscheiden müssen." Das Gillamoos-Volksfest in Abensberg sollte von 3. bis 7. September stattfinden. Die Stadt Abensberg hat die Absage auf ihrer Homepage bereits bestätigt.

AfD: Kleinere Volksfeste zulassen

Der bayerische Landtagsabgeordnete der AfD, Andreas Winhart, fordert ab dem Herbst kleinere Volksfeste zuzulassen: "Da der Andrang auf kleineren Volksfesten üblicherweise nicht so groß ist wie beim Oktoberfest in München, ist hier genau zu prüfen, ob diese ab September nicht doch stattfinden können. Dass es hierzu besondere Auflagen wie größere Freiflächen und größere Tischabstände in Bierzelten braucht, ist aus hygienischen Gründen geboten." Die gesamte Branche in existenzbedrohende Schwierigkeiten zu bringen, stünde in keinem Verhältnis mehr.

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