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Münchner IS-Prozess: Verteidigung befragt Hauptzeugin | BR24

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Im Irak soll Jennifer W. tatenlos zugesehen haben, wie ein Mitglied der Terrormiliz IS ein jesidisches Sklavenmädchen verdursten ließ. Vor dem Oberlandesgericht München wurde dazu als Hauptzeugin die mutmaßliche Mutter des toten Mädchens vernommen.

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Münchner IS-Prozess: Verteidigung befragt Hauptzeugin

Nach mehreren Wochen Unterbrechung im Prozess um ein verdurstetes jesidisches fünfjähriges Mädchen wurde heute die Vernehmung der Kronzeugin fortgesetzt. Die Verteidigung stellte Detailfragen, die Zeugin verstrickte sich in Widersprüche.

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Mord durch Unterlassen und Kriegsverbrechen wirft die Bundesanwaltschaft der 28-jährigen deutschen Jennifer W. vor. Sie soll sich von September 2014 bis Anfang 2016 bei der Terrormiliz IS aufgehalten haben, die Anklage stuft sie als IS-Rückkehrerin ein.

Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft war die aus Niedersachsen stammende Angeklagte damals mit einem Iraker verheiratet, der die nun als Zeugin befragte Mutter und ihre Tochter als Sklaven hielt. Die 28-Jährige soll laut Anklage dabei zugesehen haben, wie ihr irakischer Ehemann, der im Frühjahr in Griechenland verhaftet wurde, das Kind im Jahr 2015 in Falludscha bei praller Sonne und großer Hitze im Hof an einem Fenstergitter festband und verdursten ließ.

Die Aussagen sind erneut widersprüchlich

Wichtigste Zeugin bei der Verhandlung gegen Jennifer W. vor dem Oberlandesgericht (OLG) München ist die mutmaßliche Mutter des getöteten Mädchens, die auch Nebenklägerin ist. Die Jesidin hatte bereits Mitte Juli das Martyrium der Fünfjährigen geschildert und wurde nun erneut vor Gericht vernommen.

Dabei verstrickte sie sich wie schon zuvor in etliche Widersprüche. Prozessbeobachter sagen, sie stamme aus einer ganz anderen Lebenswelt, habe eine andere Wahrnehmung. Deshalb sei sie in manchen Fällen nicht in der Lage, Fragen zu beantworten. Die Jesidin ist im Irak in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, spricht einen kurdisch-irakischen Dialekt.

"Ich habe alles vergessen"

"Ich weiß es nicht" lautete eine häufige Antwort der 47-Jährigen auf die Fragen des Verteidigers Ali Aydin, "ich habe sowieso alles vergessen". Wie sie nach ihrer Flucht vor dem IS vom Irak nach Deutschland kam, wer sie dort empfangen hat und was vor Prozessbeginn im Frühling geschah - die von einer Dolmetscherin übersetzten Auskünfte der Jesidin waren oft wirr. Als die Widersprüche zu groß wurden, unterbrach der Vorsitzende Richter die Verhandlung und bat die Rechtsanwältin, mit ihrer Mandantin zu reden. Diese wurde daraufhin etwas auskunftsfreudiger und gab an, sie habe "Angst gehabt" und keine Probleme machen wollen.

Die Verteidigung wies immer wieder auf die unklaren Aussagen der Zeugin hin. Schon beim letzten Verhandlungstermin hatte die Zeugin die Angeklagte zunächst nicht erkannt, nach kurzer Unterbrechung dann aber doch erklärt, sie könne sie anhand ihrer schwarzen Augen und ihrer Haare identifizieren.