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Münchens Gästeführer wegen Corona in finanzieller Not | BR24

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Wenn die Touristen ausbleiben, dann gibt es auch keine Stadtführungen mehr und damit kein Geld für die Gästeführer. Als Freiberufler ohne Betriebskosten können sie keine Soforthilfen beantragen. Jetzt haben sie in München demonstriert.

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Münchens Gästeführer wegen Corona in finanzieller Not

Die Corona-Krise trifft die Tourismus-Branche hart. Münchens Gästeführer etwa haben schon seit rund drei Monaten keine Einnahmen mehr, weil die Touristen wegbleiben. Sie haben deshalb öffentlich auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht.

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Alexander Kardaschenkos Traum ist vorerst geplatzt: Anfang des Jahres hatte er sich als Gästeführer für München mit eigener Website selbständig gemacht. Eigentlich eine sichere Sache. Denn schon um diese frühe Zeit im Jahr würden sich normalerweise zigtausend Touristen in München befinden. Jetzt aber sind die Straßen der Altstadt wie ausgestorben. Schon seit rund drei Monaten hat Alexander Kardaschenko nichts mehr zu tun:

"Das einzige, was ich momentan machen kann, ist mit anzuschauen, wie alle Aufträge bis in den Herbst hinein Stück für Stück storniert werden. Ich lebe gerade von meinen Ersparnissen. Das ist wirklich bitter." Alexander Kardaschenko, Gästeführer in München

Hilfsprogramme passen nicht

Zusammen mit rund 50 Kolleginnen und Kollegen hat er am Morgen vor dem Münchner Rathaus demonstriert. Sie alle haben das gleiche Problem: keine Einnahmen und zurzeit auch keinen Zugang zu staatlichen Hilfen.

Gästeführer sind Solo-Selbständige. Sie haben keine oder kaum Betriebskosten, können deshalb die Hilfen für Unternehmer nicht beantragen. Auch das neu aufgelegte Hilfsprogramm für Kulturschaffende bleibt ihnen verschlossen, weil Gästeführer nicht in der Künstlersozialkasse sind.

Gästeführer fordern schnelle Regierungshilfen

Elvira Bittner macht seit rund 14 Jahren Stadtführungen in München. Gemeinsam mit Alexander Kardaschenko ist sie die Hauptrednerin auf der Demo. Sie fordert schnelle Hilfe von der Regierung: "Wir brauchen zum Überleben eine Soforthilfe für alle in Höhe von 5.000 Euro und in den kommenden Monaten ein Unternehmergehalt von 1.180 Euro pro Person und Monat."

Kein Ende der Misere in Sicht

Die Kulturvermittler, die in guten Zeiten als Aushängeschild von Tourismushochburgen gelten, fühlen sich in der Not alleine gelassen. Viele verbrauchten gerade ihre Altersvorsorge oder ihre letzten Ersparnisse, ist bei der Demonstration zu hören.

Kurz- und mittelfristig ist - im Gegensatz zu anderen Branchen - bei ihnen keine Besserung in Sicht. Wann wieder genügend Gäste für Stadtführungen in die Landeshauptstadt kommen, ist derzeit nicht planbar. Alexander Kardaschenko befürchtet, dass es bis Ende des Jahres keine nennenswerten Aufträge mehr geben wird.