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München will Fahrrad-Sicherheitsspiegel flächendeckend aufbauen | BR24

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München wird an über 1.100 relevanten Kreuzungen aufhängen. Die Stadt hofft so Unfälle mit Lkw beim Abbiegen zu verhindern.

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München will Fahrrad-Sicherheitsspiegel flächendeckend aufbauen

Die Münchner Stadtverwaltung will an allen 1.100 Kreuzungen der Stadt flächendeckend Sicherheitsspiegel installieren, mit denen Lkw-Fahrer Radler im toten Winkel besser erkennen können sollen. Es gibt jedoch Zweifel an der Wirksamkeit.

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An einigen Kreuzungen in München stehen weiße Fahrräder – und machen beklommen, denn sie erinnern an Fahrradfahrer, die getötet wurden. Pro Jahr passieren nach Angaben der Stadt München zwischen zehn und 18 schwere Abbiegeunfälle. Jetzt sollen so genannte Trixi-Spiegel helfen. Es gibt jedoch Zweifel an der Wirksamkeit.

Runde Sicherheitsspiegel, neben Kreuzungen auf Ampelhöhe montiert: Damit sollen LKW-Fahrer den toten Winkel überwinden. Nicht mal zwei Wochen ist es her, da hat Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle mit großem Medienecho den ersten solchen Spiegel montiert – für einen Testlauf, der eigentlich ein Jahr lang dauern soll. Doch schon jetzt legt er sich fest: "Wir werden vorschlagen auf der Basis der Testphase, wenn die 2020 abgeschlossen ist, die Stadt flächendeckend mit Spiegeln zu belegen." Dann sollen an den rund 1.100 Kreuzungen der Stadt rund 6.000 Spiegel montiert werden.

Noch keine Erkenntnisse aus Münchner Versuch

Nach gerade mal zwölf Tagen gibt es noch keinerlei Erkenntnisse aus dem Münchner Versuch mit den Sicherheitsspiegeln, gibt der Kreisverwaltungsreferent freimütig zu. Die Testphase ist auf ein Jahr angelegt, begleitet von Befragungen, Videoaufnahmen, Interviews mit LKW-Fahrern, Busfahrern und Radfahrern. Die Landeshauptstadt gibt für den Versuch 40.000 Euro aus.

Die Erfahrungen in anderen Städten seien jedoch positiv, begründet der Münchner Kreisverwaltungsreferent sein Vorpreschen. Außerdem hat ein privater Lokalradiosender für die Spiegel getrommelt, und die SPD-Stadtratsfraktion ist mit einem Antrag auf den Zug aufgesprungen.

ADFC: Noch mehr Spiegel bringen nicht mehr Sicherheit

Kritik kommt vom Fahrradverband ADFC: Die Sicherheitsspiegel wurden vor 25 Jahren erfunden, inzwischen sei das Konzept veraltet und nicht dazu geeignet, Abbiegeunfälle zwischen Radfahrern und abbiegenden LKW zu verhindern:

"Die Idee der Spiegel stammt noch aus einer Zeit, als LKW noch nicht diese Spiegel montiert hatten, die heute vorgeschrieben sind. Die Erfahrungen zeigen leider, dass Fahrer schon überfordert sind, schon alle Spiegel die am LKW montiert sind, zu beachten. Insofern hilft auch ein weiterer Spiegel, der an der Kreuzung montiert ist, nicht weiter." Jens Ott, ADFC

Außerdem könne ein fahrender LKW einen Radler im Trixi-Spiegel nur ganz kurz aus einem bestimmten Winkel sehen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat habe auf Basis der Unfallforschung die Trixi-Spiegel nicht in seine Empfehlungen aufgenommen.

Ein Bericht der Unfallforschung der Versicherer aus dem Jahr 2014 beurteilt die Wirkung der Spiegel zurückhaltend. Befragungen in Freiburg und anderen deutschen und Schweizer Städten hätten gezeigt, dass die Kommunen und andere Akteure die Sicherheitswirkung der Spiegel positiv einschätzen. Nach der Installation der Spiegel in Freiburg 2009 sei die Zahl der Unfälle zwar zurückgegangen, der Beobachtungszeitraum jedoch nur kurz gewesen. "Wenn wir auch nur einen Unfall mit Hilfe der Spiegel verhindern können, dann hat es sich schon gelohnt", sagt dazu der Münchner Kreisverwaltungsreferent Böhle.

Kreuzungen umbauen und Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen

Der ADFC fordert, das Thema grundlegender anzugehen, Kreuzungen fahrradsicher umzubauen und an gefährlichen Kreuzungen getrennte Ampelphasen für Geradeaus- und Rechtsverkehr einzurichten. Außerdem wünscht sich der Fahrradclub Schrittgeschwindigkeit und maximale Vorsicht von Autos und LKW beim Abbiegen – und generell weniger Laster in der Stadt.

Einig sind sich Stadt München und ADFC in einem anderen Punkt: Beide verbinden große Hoffnungen mit elektronischen Abbiegeassistenten für LKW – die sind aber erst ab 2022 vorgeschrieben, und auch dann nur für Neufahrzeuge.

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Die Münchner Stadtverwaltung will an allen 1.100 Kreuzungen der Stadt flächendeckend Sicherheitsspiegel installieren, mit denen Lkw-Fahrer Radler im toten Winkel besser erkennen können sollen. Es gibt jedoch Zweifel an der Wirksamkeit.