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München: Diskussion über Radweg mitten auf der Straße | BR24

© BR / Christoph Dicke

Trotz roter Farbe: An dieser Kreuzung im Münchner Osten leben Radfahrer laut ADFC gefährlich - hinten links ist noch eine Tankstellenausfahrt.

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    München: Diskussion über Radweg mitten auf der Straße

    Ein neuer Radlstreifen an einer großen Kreuzung im Münchner Osten sorgt bei etlichen Radfahrern für Unbehagen. Denn er ist vor kurzem mitten auf die Straße verlegt worden. Die Stadt will die Radfahrer so vor Rechtsabbiegern schützen.

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) schlägt Alarm: Gerade die Stadt München, die so gerne Radlhauptstadt sein wollte, baut zuweilen Radlwege zurück oder verlegt sie vor Kreuzungen – zum Teil zwischen zwei Autospuren. So jüngst geschehen an der Hauptverkehrsader Kreillerstraße in Trudering.

    Über eine Strecke von rund 80 Metern müssen Radler bis zur Kreuzung Bajuwarenstraße nun ständig nach links und rechts schauen, ob Autos, die kreuzen wollen, sie auch wirklich sehen. Ihre knallrot gefärbte Radlspur verläuft nämlich neuerdings mitten auf der vierspurigen Fahrbahn – zwischen Rechtsabbiege- und Geradeausspur.

    "Es ist eine ziemliche Sauerei, was da passiert ist an dieser Kreuzung: Man hat im Interesse einer zusätzlichen Abbiegespur den Radweg weggebaggert und ihn stattdessen auf die Straße aufgemalt. Der von hinten kommende, schnelle Auto- und Lkw-Verkehr muss jetzt zum Abbiegen über den Radweg drüber – das ist einfach verantwortungslos." Andreas Groh, 2. Vorsitzender ADFC München

    Radfahrer ständig von Spurwechslern bedroht

    Die Radfahrer werden hier auf der Fahrbahn quasi von zwei Seiten in die Mangel genommen: Denn von rechts drängen ständig Autos von einer Tankstellenausfahrt auf die mittleren Fahrspuren (siehe SUV auf unserem Foto).

    Bei einer Umfrage vor Ort bemängelten auch Autofahrer die Unübersichtlichkeit, zumal hier Tempo 50 gefahren wird. Mit einer Radlspur zwischen Autospuren rechnen viele nicht. Spätestens bei Dunkelheit nütze die rote Farbe des Radlwegs auch nichts, meinte ein Autofahrer.

    Stadt München: Radfahrer vor Rechtsabbiegern geschützt

    Die Stadt München verweist darauf, dass ein roter Fahrradstreifen zwischen zwei Autospuren zulässig ist. Sie sieht sogar den Vorteil, "dass Radfahrende vom rechtsabbiegenden Kfz-Verkehr nicht mehr übersehen werden können." Sehr viele schwere Radunfälle direkt in der Kreuzung könnten so vermieden werden.

    Da hat der ADFC große Zweifel: Denn jetzt würden die Autos ja mit Tempo 50 zur Rechtsabbiegespur heranrauschen und sich plötzlich mit der neuen Radlspur auf der Straße konfrontiert sehen. Eine Mutter mit Kinderanhänger meinte, sie würden jetzt lieber auf dem Gehweg radeln, als an der Kreuzung auf einer knallroten Fahrradspur zwischen zwei Lkw zu stehen.

    Übrigens: Der hier kreuzende Radweg auf der Bajuwarenstraße ist ersatzlos weggefallen. Nach der Straßenverbreiterung mit neuer Abbiegespur war für einen Radweg auf dem nun schmaleren Gehweg kein Platz mehr.

    Straße verbreitert – Radweg aufgelöst

    Die ebenfalls betroffene Bajuwarenstraße musste laut Stadt zwischen der Truderinger Straße und der Kreillerstraße für Kraftfahrzeuge verbreitert werden, weil der Ortskern von Trudering in den nächsten Jahren vom Durchgangsverkehr befreit werden soll. Damit die Bajuarenstraße mehr Verkehr aufnehmen kann, kam noch einen neue Abbiegespur hinzu. Für einen Radweg auf dem nun schmaleren Gehweg war kein Platz mehr - auch nicht per roter Spur auf der Straße.

    Schon vorher habe der Radweg mit 1,50 Meter nicht die heute vorgeschriebene Mindestbreite aufgewiesen. Die Radler müssen nun mit den Autos auf der Straße fahren.

    Sie könnten aber auch ausweichen: Sowohl östlich wie westlich gebe es ruhige Tempo-30-Straßen. Anstelle der bisherigen Führung der Fahrradhauptroute in der Bajuwarenstraße hat das Baureferat auch eine Alternativroute entwickelt, die noch ausgeschildert wird.

    ADFC: München wieder mehr auf Seite der Autofahrer

    Rote Radlspuren zwischen zwei Autospuren - allerdings nicht in dieser Länge – gibt es auch an zwei Kreuzungen am Münchner Altstadtring. Auch hier wurde jeweils eine neue Rechtsabbiegespur angelegt.

    Andreas Groh vom ADFC sieht die Münchner Stadtpolitik inzwischen wieder etwas mehr auf Autofahrer-Seite. Sonst würden Radwege nach Straßenverbreiterungen nicht einfach ganz wegfallen.