BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/ Irene Esmann
Bildrechte: BR/ Irene Esmann

Die beiden Muslime Sayed und Waled putzen Stolpersteine, gemeinsam mit Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine in München.

18
Per Mail sharen

    Projekt Heroes kämpft mit Workshops gegen Judenhass

    Auch wenn antisemitische Straftaten mehrheitlich von Rechten begangen werden, steht wegen der Eskalation im Nahen Osten gerade antisemitische Hetze durch Muslime im Fokus. Das Projekt Heroes soll junge Muslime und Juden zusammenbringen.

    18
    Per Mail sharen
    Von
    • Irene Esmann
    • Andrea Neumeier

    Rund neunzig Prozent der antisemitisch motivierten Straftaten gehen auf das Konto von Rechtsextremen: Das sagt die Statistik. Doch im Zuge der Eskalation im Nahen Osten vor der jetzt beschlossenen Waffenruhe war vor allem offene antisemitische Hetze von Muslimen sichtbar. Woher kommt dieser Hass und wie kann man ihm begegnen?

    Projekt Heros: Über Vorurteile sprechen und Fragen beantworten

    Terry Swartzberg trägt eine Kippa auf dem Kopf und beugt sich über zwei Stolpersteine vor einem Haus in München. Eingraviert sind die Namen und Lebensdaten eines Ehepaars, das im Holocaust von den Nationalsozialisten getötet wurde. Sayed aus Afghanistan und Suleiman aus Syrien helfen Terry Swartzberg beim Reinigen der Stolpersteine: "Unser Ziel ist, dass die Buchstaben wieder glänzen", sagt Terry Swartzberg zu den jungen Männern.

    Organisiert hat das Treffen das Projekt Heroes der Arbeiterwohlfahrt in München. Das Ziel des Workshops ist es, junge Muslime mit Juden zusammenzubringen, über Vorurteile zu sprechen und einen Raum für Fragen zu schaffen, die das Umfeld der Muslime womöglich nicht beantworten kann. Waled ist zum ersten Mal bei den Heroes und erzählt aus seiner Heimat: "Nicht nur die Politik, auch die Menschen, die Nachbarn waren gegen Juden." Von Terry Swartzberg will er wissen: "Was haben die Juden getan?" Terry Swartzberg antwortet: "Auch wenn man nichts tut, kann man zum Opfer werden."

    Pro-palästinensische Demo schlägt in Hetzveranstaltung um

    Bashar macht gerade eine Ausbildung bei den Heroes. Ihn treibt ein aktuelles Thema um: "Wie könnte man die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis stoppen?" Den jungen Männern macht der Nahostkonflikt große Sorgen, seit sie mitbekommen haben, dass in Deutschland pro-palästinensische Demonstrationen in antisemitische Hetzveranstaltungen umgeschlagen sind. Islamischer Antisemitismus und der Nahostkonflikt hängen zusammen, beobachten Experten seit vielen Jahren.

    Sayed wurde vor 30 Jahren in Afghanistan geboren und ist heute Trainer beim Projekt Heroes. Antisemitismus sei nicht nur, aber eben auch ein Problem unter Muslimen. "Die Menschen in anderen Ländern und hier: Die Freunde, die ich habe, die unreflektiert sind, die sagen: Die Juden sind gegen die Palästinenser. Da wird Religion instrumentalisiert", sagt Sayed. Und zwar vom politischen Islam.

    Imam, der gegen Antisemitismus kämpft, erhält Morddrohungen

    So sieht das auch Ahmad Popal. Der Münchner Imam engagiert sich seit Jahren für Integration und gegen Antisemitismus. Und hat dafür auch schon Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen erfahren. Als er kürzlich eine gegen die israelische Politik gerichtete Demonstration abgebrochen hat, weil sie aus dem Ruder lief, da beschimpfte man ihn als Verräter. Der Imam kann sich zudem vorstellen, dass in einigen Moscheen in Deutschland anti-jüdisch gepredigt wird. Selbst gehört habe er das aber noch nicht, sagt Ahmad Popal.

    Als Hauptgrund für Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland sieht er die Propaganda über die sozialen Medien, über die Boulevardpresse und arabische Fernsehsender wie Al-Jazeera: "Falschinformationen und Populismus, das kann Menschen packen. Ich kann einem Menschen keinen Vorwurf machen, wenn er mit falschen Informationen genährt wird", sagt Ahmad Popal. Er versucht dem etwas entgegenzusetzen: mit Respekt und Demut. Jeden Freitag predige er darüber, auf deutsch natürlich.

    Muslime in Deutschland kämpfen auch mit Anfeindungen

    Auch das Projekt Heroes der Arbeiterwohlfahrt versucht Begegnungen zwischen Juden und Muslimen zu schaffen. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass die jungen Männer selbst gesehen werden: Wie sie aufgewachsen sind, dass sie oft eine Fluchtgeschichte hinter sich haben und heute in Deutschland, das sie aufgenommen hat, selbst Anfeindungen und Diskriminierung erfahren.

    Auch Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine in München ist an der Lebensgeschichte der jungen Muslime interessiert. Und die jungen Muslime fragen Terry Swartzberg, wie es zu dem Konflikt zwischen Israelis und Palestinensern überhaupt gekommen ist. Eine lange Geschichte. Aber immerhin: Seit Donnerstag herrscht in Israel Waffenruhe.

    Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.