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CONTRA: Keine Fahrradwege auf Kosten der Autofahrer | BR24

© Christoph Arnowski

Christoph Arnowski

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    CONTRA: Keine Fahrradwege auf Kosten der Autofahrer

    Mehr Fahrradwege, Autos raus aus der Innenstadt. Das sorgt für weniger Staus und macht die Luft in München besser. Klingt vernünftig. Ist aber zu kurz gedacht. Es gibt gute Gründe dafür, warum wir das Auto nicht aus der Innenstadt verbannen sollten.

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    Ich fahre gerne Rad. Im Urlaub, um Städte zu erkunden. In München im Frühling, Sommer, Herbst und manchmal sogar im Winter. Wenn es nicht zu kalt ist. An vielen Tagen über 20 Kilometer. Oft zur Arbeit. Wenn kein Regen angesagt ist. Und auch in die Stadt zu beruflichen Terminen. Oder in der Freizeit. Zum Tennisplatz oder an den Feringasee. Und natürlich zum Einkaufen. Aber nicht zum Wochenend-Großeinkauf mit zwei vollen Taschen und drei Getränkekisten. Ich habe also wirklich nichts gegen Radlfahrer, ich bin ja selber einer!

    Wir brauchen das Auto

    Ich fahre aber auch gern Auto. Und will mir schon gar nicht vorschreiben lassen, wann ich welches Verkehrsmittel zu wählen habe. An vielen Tagen entscheide ich mich bewusst gegen das Fahrrad. Wenn es regnet, oder regnen soll. Wenn ich müde bin oder einen extrem langen Arbeitstag vor mir habe. Oder wenn ich am Sonntag unsere Kinder vom Hauptbahnhof abholen will. Oder Abends noch Freunde besuchen will und dann nicht 20 Minuten auf die S-Bahn warten. Oder wenn ich mal einiges in der Stadt einkaufe, was ich dann nicht in die volle U-Bahn schleppen will.

    Eine autofreie Innenstadt kostet Arbeitsplätze

    Deshalb lehne ich alle Pläne ab, München innerhalb des Altstadtrings weitgehend autofrei zu machen. Und am besten die angrenzende Innenstadt gleich mit, wie sich das der Fahrradbeauftragte der Stadt, Florian Paul, wünscht. Das so fahrradfreundliche Kopenhagen ist für mich kein Vorbild. Denn wenn wir die Autos aus den Städten verbannen, dann machen wir auch zehntausende Arbeitsplätze bei den bayerischen Autobauern und Zulieferern kaputt. Solche Gedanken müssen sich die radbegeisterten Dänen nicht machen.

    "Radlautobahn": Keine Fahrradwege auf Kosten der Autofahrer

    Neue Fahrradwege dürfen nicht zu Lasten des Autoverkehrs gehen. Der neueste Plan, einen "Radl-Highway" vom Odeons-Platz über die Ludwig-, Leopold- und Ingolstädter Straße Richtung Garching und Unterschleißheim zu bauen, ist eine echte Schnapsidee. Denn das geht nur, wenn man dafür hunderte Parkplätze auf der Route opfert. Ein echter Schnellweg wird das trotzdem nicht. Denn es bleiben die Ampeln, die Querstraßen, die Grundstücksausfahrten. Und die Fußgänger - die den schönen Menschen in der "Leo" hinterherschauen, aber nicht auf mich als Radler achten. Auf dem drei Meter breiten "Highway" werden die E-Biker erst richtig Gas geben, es wird zu viel mehr gefährlichen Begegnungen mit unachtsamen Fußgängern kommen.

    Es gibt genügend gut ausgebaute Fahrradwege in München

    Außerdem haben wir längst wunderbare Fahrradwege von Süd nach Nord durch die Stadt. An der Isar entlang, teilweise sogar mit Unterführungen kreuzungsfrei. Und durch den englischen Garten. Ein Fahrradhighway auf der Münchner Prachtmeile wäre nichts anderes als ein mit Millionen Steuergeldern finanziertes, staatliches Umerziehungsprojekt. Das können wir getrost anderen Ländern dieser Welt überlassen. Zumal man dann die Mehrheit rausschmeißen würde. Beispiel Rosenheimer Straße, wo auch Parkplätze für einen Radweg geopfert werden sollten. Dort gibt es Zahlen: 29.000 Autos pro Tag konkurrieren mit 3.800 Fußgängern und 2.100 Radlern.

    Dieses Verhältnis müssen wir berücksichtigen, wenn wir den Verkehrsraum verteilen. Das zu ignorieren und einseitig den Radverkehr auszubauen, sorgt nur für schlechte Stimmung. Vor allem bei den Autofahrern, von denen viele bewusst die Entscheidung treffen, auch manchmal im Stau stehen zu müssen. Sie werden ihre Gründe haben.

    Wir müssen den ÖPNV ausbauen

    Und viele würden in einer autofreien "Radlhauptstadt" München sowieso nicht in die Pedale treten. Sondern sie würden sich wohl oder übel in überfüllte U-Bahnen quetschen oder in miefige Busse zwängen, ungewollten Körperkontakt mit schwitzenden Mitfahrern inklusive. Solange der ÖPNV nicht besser ausgebaut ist, sitze ich da lieber in meinem Auto. Mit Klimaanlage im Sommer. Und trotzdem klimaneutral unterwegs. Ohne Feinstaub und Stickoxide! Ich habe übrigens kein Elektroauto. Sondern einen Wagen mit CNG-Antrieb. Ich tanke immer Biomethan. Von den Münchner Stadtwerken. Und fahre damit billiger und umweltverträglicher als jeder Tesla oder BMW i3. Aber das ist ein anderes Thema. Wer sich dafür interessiert: hier ein Kontrovers-Film zum Thema.