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Bildrechte: picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

Das OEZ-Attentat in München, der Anschlag von Halle, die Morde von Hanau - solche vorurteilsmotivierten Gewalttaten haben ganze Religionsgemeinschaften verunsichert. Die Stadt München hat deshalb für ein Hearing organisiert.

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München: Hearing zur Sicherheit von religiösen Einrichtungen

Das OEZ-Attentat in München, der Anschlag von Halle, die Morde von Hanau - solche vorurteilsmotivierten Gewalttaten haben ganze Religionsgemeinschaften verunsichert. Die Stadt München hat deshalb ein Hearing organisiert.

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Von
  • Birgit Grundner
  • Anja Wahnschaffe

Das Thema des Stadtrat-Hearings in München: "Sicherheit jüdischer und islamischer Einrichtungen". Es geht um die Sicherheitslage, aber auch um das subjektive Sicherheitsgefühl von Jüdinnen und Juden sowie Musliminnen und Muslimen in der Landeshauptstadt.

Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit riskant?

Wenn die Jüdin Eva Ehrlich in München auf den jüdischen Friedhof geht, zum Grab ihres Mannes, dann hat sie oft ein "ungutes Gefühl". "Wenn ich da um die Ecke biege, dann denke ich mir immer, hoffentlich ist nix passiert. Hoffentlich sind die Grabsteine nicht umgeschmissen oder beschmiert. Das wäre ja ganz fürchterlich", sagt sie.

Eigentlich fühle sie sich in München schon sicher, sagt sie. Aber seit einigen Jahren überlegt sie sich trotzdem genau, welche Schmuckstücke sie in der Öffentlichkeit tragen soll und vor allem welche lieber nicht: "Wenn ich ich die Stadt gehe, habe ich nie jüdische Symbole an mir. Ich habe zum Beispiel nie meine Kette mit David-Stern. Ich trage auch die Ohrringe mit einem Davidstern nicht. Ich versuche, möglichst unauffällig zu sein, weil ich nicht angemotzt werden will oder angerempelt oder beschimpft."

Gebetshäuser unter Polizeischutz

Vorsichtsmaßnahmen in einer Zeit, in der Nazi-Parolen kein Tabu mehr sind. Erst recht nicht in den sozialen Medien. Als Betreiberin von Hagalil - einer Website über jüdisches Leben – bekommt Eva Ehrlich auch E-Mails, die "nicht schön sind", wie sie es umschreibt. Die Synagoge ihrer jüdischen Gemeinde in Sendling steht unter Polizeischutz.

Schutz würde sich Erkan Inan auch für seine Moschee beim Freitagsgebet wünschen: "Es ist etwas, was man immer im Hinterkopf hat: Was wäre, wenn jetzt jemand mit einer Waffe reinläuft, und das kann er. Wir haben hier keinen sichtbaren Schutz, der tatsächlich abschreckend wirken würde oder jemanden noch ein zweites Mal darüber nachdenken lassen würde."

Er selbst sei für sich verantwortlich, er gehe diese Risiko ein. Was aber, wenn er sein Kinder mitnimmt? Dann habe er ein sehr unwohles Gefühl. Er könne sie in der Stadt, in der er geboren und aufgewachsen ist, in seiner Heimat, nicht schützen.

Hasskriminalität in München hat stark zugenommen

Sich unsicher fühlen in der Heimatstadt – so etwas ist nicht nur subjektives Empfinden, sondern auch Folge einer messbaren Entwicklung. Miriam Heigl von der Fachstelle für Demokratie im Münchner Rathaus nennt deutliche Zahlen:

"Wir sehen eine Zunahme der Hasskriminalität in München um fast 34 Prozent. Das ist einer der Kriminalitätsbereiche, die 2019 am stärksten angestiegen ist. Unter diesen Begriff fallen rassistische, antisemitische, fremdenfeindliche Hasstaten. Also eine enorme Zunahme hier im Stadtgebiet." Miriam Heigl, Fachstelle für Demokratie, München

Stadt müsse Ängste ernst nehmen

Trotzdem fühlt sich Erkan Inan mit seinen Ängsten oft nicht ernst genommen – gerade so, als würde er sich das alles nur einbilden, sagt er. Aber er bilde sich das sicherlich nicht ein. Er bilde sich nicht ein, dass vor dem Rathaus immer wieder Stürzenberger und Co. und viele andere lautstark Hetze gegen Muslime betreiben. Und auch das OEZ-Attenat, die NSU-Morde, die man herablassend als "Döner-Morde" bezeichnet habe.

"Hanau hat man nach kurzer Zeit auch als 'Shisha-Morde' bezeichnet. Ich glaube, dass tatsächlich die Ernsthaftigkeit weder in der Gesellschaft noch in der Polizei wirklich wahrgenommen wird und uns zumindest nicht das Gefühl gegeben wird: Ja, ihr seid ein fester Bestandteil dieser Stadtgesellschaft, und wir sind für euch da. Und das nicht nur dann, wenn etwas passiert ist, sondern vorab. Nehmt unsere Ängste wahr und holt uns tatsächlich real sichtbar ab!" sagt Erkan Inan.

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