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© HaMuPa, Robert Franck
Bildrechte: HaMuPa, Robert Franck

Zum 20. Jubiläum der Städtepartnerschaft war der Arbeitskreis HaMuPa 2016 zu Besuch beim damaligen Bürgermeister Bernard Manyenyeni in Harare.

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    München – Harare: 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Turbulenzen

    Videokonferenz statt Party zum 25. Jubiläum: Die Städtepartnerschaft München – Harare hatte es wegen der politischen Situation in Simbabwe nicht immer einfach. Jetzt verschlimmert Corona die Lage in Harare noch. Eine Spendenaktion soll helfen.

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    Von
    • Katrin Nöbauer

    Bei seinem ersten Besuch in Simbabwes Hauptstadt Harare 1996 war Robert Franck überrascht: „Es war eine Großstadt mit Wolkenkratzern, es war kalt und hat geregnet“ – ganz und gar nicht, wie er sich Afrika vorgestellt hatte. Seitdem war er etwa 15 Mal in Harare, als Leiter des Jugendaustauschs und Mitglied von städtischen Delegationen und hat dort die Veränderung miterlebt.

    In den 25 Jahren hat sich viel verändert

    „Früher war Harare bunt, mit vielen Cafés, Bars und Hotels – eine richtige Hauptstadt eben. Die Leute haben dort Urlaub gemacht, vor allem auch aus Afrika selbst. Jetzt rückt das Land immer mehr in Selbstisolation und die Leute haben Angst, vom Geheimdienst überwacht zu werden“, erklärt Robert Franck. Die politische Situation in Harare ist ihm zufolge schwierig: Das Land Simbabwe werde autokratisch regiert, im Stadtrat von Harare sitze aber überwiegend die Opposition, deshalb seien Spannungen programmiert.

    Wie die politische Situation die Städtepartnerschaft beeinflusst

    Auch die Städtepartnerschaft hat in der Vergangenheit unter den politischen Spannungen gelitten: Zweimal wurde sie offiziell auf Eis gelegt (1999 und 2003), weil die simbabwische Landesregierung die demokratisch gewählten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Harare abgesetzt hatte. 2008 wurde im Münchner Stadtrat dann sogar der Antrag gestellt, die Städtepartnerschaft ganz zu beenden. Nach der Rede des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters von Harare, Emmanuel Chiroto, der zu Besuch in München war, entschied sich der Stadtrat jedoch geschlossen für den Fortbestand der Partnerschaft.

    So funktioniert die Städtepartnerschaft

    Laut Robert Franck besteht die Städtepartnerschaft aus drei Säulen: Die erste Säule sind die offiziellen Beziehungen zwischen den Stadtverwaltungen, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von München und Harare. Die zweite Säule ist das bürgerschaftliche Engagement. Auf Münchner Seite setzt sich hier vor allem der Arbeitskreis HaMuPa (Harare – München – Partnerschaft) für den Austausch ein. Die dritte Säule ist caritativ. Der Verein München für Harare, in dessen Vorstand auch Robert Franck sitzt, leitet beispielsweise fünf Wohltätigkeitsprojekte vor Ort. In Harare selbst gibt es ähnliche Gruppen, mit denen die Münchnerinnen und Münchner zusammenarbeiten.

    Seit 20 Jahren kein Jugendaustausch mehr

    Seit Beginn der Städtepartnerschaft, habe sie sich aber eher in eine Problem-Partnerschaft entwickelt, so Robert Franck. Wegen der angespannten politischen Situation in Simbabwe habe der Einsatz für die Menschenrechte in Harare immer mehr Platz gegenüber dem kulturellen Austausch eingenommen. So musste beispielsweise nach 1999 auch der Jugendaustausch eingestellt werden.

    Schlechte Infrastruktur und hohe Arbeitslosigkeit

    Die Infrastruktur in Harare habe sich zusehends verschlechtert, so Robert Franck: kaputte Straßen, Stromausfälle und verschmutztes Wasser, das verstärkt zu Cholera-Ausbrüchen führe. „Bei unserer Videokonferenz zum Jubiläum waren immer wieder auf einmal Leute weg, weil sie keinen Strom mehr für ihren Laptop hatten“, erzählt der Münchner Lehrer. Die Inflationsrate und die Arbeitslosigkeit in Harare sind hoch. Durch Corona hat sich die Situation noch verschlimmert.

    Corona gefährdet viele Existenzen in Harare

    Viele Menschen in Harare leben von informeller Arbeit, beispielsweise als Straßenverkäuferinnen und Straßenverkäufer von Waren aus angrenzenden Ländern, sogenanntem „cross border trading.“ Das geht aufgrund der pandemischen Beschränkungen nun nicht mehr. "Die wenigen Beschäftigten verlieren durch den Lockdown ihr Einkommen und die Straßenhändler ihre Existenz. Staatliche Absicherungen wie wir sie kennen (Kurzarbeit, Sozialhilfe), sind nicht vorhanden und Krankenkassen, die Kosten für die Covid-19-Behandlung übernehmen, gibt es nicht", heißt es in einer Mitteilung aus dem Münchner Rathaus.

    Spendenaktion soll helfen

    Um die Menschen in der Partnerstadt zu unterstützen, rufen der Arbeitskreis HaMuPa und der Verein München für Harare zu einer Spendenaktion auf. Bis Ende Oktober sammeln sie Geld für Corona-Artikel, also beispielsweise Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Tests, aber auch die Grundversorgung mit Lebensmitteln vor Ort.

    Hoffnung auf mehr kulturellen Austausch in Zukunft

    Robert Franck hofft darauf, dass in Zukunft auch wieder mehr kultureller Austausch zwischen München und Harare stattfinden kann: „Die simbabwische Musik ist toll. Früher gab es auch Ausstellungen mit traditionellen Shona-Skulpturen in München. Ich würde mir wünschen, dass die kulturelle Fruchtbarkeit Simbabwes in München wieder mehr Platz findet.“

    Hier geht's zur BR Kulturbühne.

    Schöne Erinnerungen an den Beginn der Städtepartnerschaft

    Auch an den ersten Jugendaustausch erinnert er sich gerne zurück: „Ein junger Simbabwer ist bei einer Überlandfahrt zu den Viktoriafällen auf mich zugekommen und war überrascht und begeistert, wie interessant die Münchner das alles fanden. ‚Ich dachte immer, das ist ja nichts besonderes, wir sind ja nur ein Entwicklungsland, aber jetzt bin ich stolz auf meine Heimat geworden‘, hat er gesagt – und genau dafür ist so ein Austausch ja da.“

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