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München – Exil-Hauptstadt der Uiguren in Deutschland | BR24

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München ist die Exil-Hauptstadt für Uiguren

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    München – Exil-Hauptstadt der Uiguren in Deutschland

    München gilt als politisches Zentrum der im Ausland lebenden Uiguren. In keiner anderen europäischen Stadt leben so viele wie hier. 700 sind es derzeit – Tendenz steigend, denn die muslimische Minderheit wird in ihrer Heimat China massiv verfolgt.

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    Rund 700 Uiguren leben in München, deutschlandweit sind es 1.500. Seit China mit massiven Einschüchterungen, totaler Überwachung und "Umerziehungslagern" gegen Uiguren vorgeht, ist die Zahl ihrer Asylanträge stark gestiegen. Waren es im Jahr 2016 noch 23, waren es 2019 bis Ende September bereits 125.

    Hauptquartier des uigurischen Widerstandes gegen China

    In der bayerischen Landeshauptstadt ist auch der Uigurische Weltkongress (WUC) beheimatet - die Dachorganisation für 32 uigurische Gruppen in 18 Ländern. Die Organisation geht zurück auf den Anführer pro-demokratischer Proteste an der Xinjiang Universität, Dolkun Isa. Er ist der Präsident der WUC. Isa war 1994 zunächst in die Türkei, 1996 dann nach Deutschland geflüchtet. In China gilt er als Terrorist. Die Kommunistische Partei lässt ihn von Interpol jagen. Der WUC organisiert Demonstrationen, veranstaltet kulturelle Feste und unterstützt Uiguren auf der Flucht.

    Der Uigurische Weltkongress ist in einem schmucklosen Gebäude über einem Haarsalon untergebracht – im Münchner Bahnhofsviertel. Die Aktivisten haben einen Auto-Anhänger in der Nähe des chinesischen Generalkonsulats geparkt mit der Aufschrift: "Freiheit, Menschenrechte und Demokratie für die Uiguren".

    Frauen als Säulen der uigurischen Community

    Vor 25 Jahren kam die Aktivistin Nurrissam Ismailova nach München, mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdiensts in der Tasche. Sie hat die uigurische Frauenvereinigung "Arzu" aufgebaut und ist im Vorstand des "WUC". Sie will mit ihren Mitstreiterinnen erreichen, dass ihre Kinder nicht vergessen, woher sie kommen. Die Frauen organisieren deshalb Wochenendschulen und Kindergärten für uigurische Kinder.

    Die Geschichte der Uiguren in München geht zurück auf die 1970er Jahre. Zu Zeiten des Kalten Krieges hatte der amerikanische Sender "Radio Liberty" in München sein Hauptquartier und seine Antennen Richtung Sowjetunion ausgerichtet. Im Angebot war auch ein uigurisches Programm, zu dem Dissidenten aus der chinesisch-uigurischen Provinz Xinjiang beitrugen. Seitdem gilt München als politisches Zentrum der Exil-Uiguren.