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Ex-Chef Stadler sagt erstmals im Diesel-Prozess aus | BR24

© BR / Antonia Böhm

Zum ersten Mal sagt der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Audi, Rupert Stadler, nun im Prozess um Manipulationsvorwürfe aus. Stadler wird zur Last gelegt, er habe den Verkauf von manipulierten Fahrzeugen zugelassen.

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Ex-Chef Stadler sagt erstmals im Diesel-Prozess aus

Seit Beginn des Diesel-Prozesses vor dem Landgericht München II im September hat Rupert Stadler seine Verteidiger sprechen lassen. Nun äußert sich der ehemalige Audi-Chef erstmals selbst zu den Vorwürfen der Anklage.

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Von
  • Arne Meyer-Fünffinger
  • Veronika Beer

Warum sitzt Rupert Stadler überhaupt auf der Anklagebank? Nach Überzeugung der Anwälte des früheren Audi-Chefs liegt die Antwort auf der Hand: Weil er für die Staatsanwaltschaft eine "Gallionsfigur" ist, die bei diesem ersten Prozess zum 2015 bekannt gewordenen Diesel-Skandal unbedingt dabei sein sollte. Den Behörden sei es bei den Ermittlungen gegen seinen Mandanten vor allem "um große Schnelligkeit" gegangen, es fehle die "Begründungstiefe", sagte der Anwalt des früheren Audi-Vorstandschefs, Thilo Pfordte, im Oktober vor Gericht.

Audi und der Abgas-Skandal: Eine Chronologie der Manipulation

Verteidigung: Vorwürfe gegen Stadler "unzutreffend"

Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe gegen Stadler seien "unzutreffend". Zu diesem Zeitpunkt hatte das Verfahren gegen Rupert Stadler und drei Mitangeklagte gerade erst begonnen. Neben Stadler müssen sich der frühere Audi-Motorenchef und einstige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz sowie gegen die beiden Aggregate-Entwickler Giovanni P. und Hennig L. vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung vor. Während die drei übrigen Angeklagten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft München II von Anfang an in die Entwicklung und Implementierung der Software in die Fahrzeuge involviert waren, legt die Strafermittlungsbehörde dem Audi-Chef von 2007 bis 2018 zur Last, "dass Fahrzeuge mit der manipulierten Software auf den europäischen Märkten weiterhin veräußert wurden (…), obwohl er von den Manipulationen wusste" – so steht es in der Anklageschrift.

Stadler: Verantwortlich für 27 Millionen Euro Schaden?

Stadler ist deswegen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für einen Schaden in Höhe von mehr als 27 Millionen Euro verantwortlich, entstanden durch den Verkauf von rund 120.000 manipulierten Diesel-Fahrzeugen ab September 2015. Diese waren mit einer Software ausgestattet, die dafür sorgte, dass die Autos auf dem Prüfstand sauberer waren als im Straßenverkehr.

Bisher sind in dem Prozess, der unter anderem wegen der Corona-Pandemie seit dem 30. September in einem ausreichend großen Verhandlungssaal der Justizvollzugsanstalt München Stadelheim stattfindet, abgesehen von Rupert Stadler alle anderen Angeklagten zu Wort gekommen. Auch der frühere Audi-CEO ergriff heute das Wort.

Bisher war Stadler in dem Verfahren vor allem stiller Zuhörer, tauschte sich mit seinen Anwälten aus, blätterte in Unterlagen, machte sich Notizen. In den Verhandlungspausen verschwand er schnell mit seinen Verteidigern in einem Besprechungsraum neben dem Saal.

Zurückweisung der Vorwürfe durch Ex-Audi-Chef erwartet

Alles andere als eine abermalige Zurückweisung der gegen ihn in der Anklage erhobenen Vorwürfe, diesmal durch Stadler persönlich, wäre mehr als überraschend. In den vergangenen Prozesstagen hatte bereits Wolfgang Hatz im Rahmen eines detaillierten Vortrags ausgeführt, dass er, anders als zum Beispiel von dem Angeklagten Giovanni P. dargestellt, zu keinem Zeitpunkt an der Entwicklung der Manipulationssoftware beteiligt gewesen sei. Wiederholt hat Hatz, zwischen 2001 und 2009 Motorenchef bei Audi, dabei betont zu "keinem Zeitpunkt" über die Abgas-Strategien informiert gewesen zu sein, geschweige denn, sie gebilligt zu haben. 

Kooperativ und detailliert hat sich der Angeklagte Henning L. vor Gericht eingelassen. L. war als Motorenentwickler an den Softwaremanipulationen beteiligt und hatte sich von Anfang an gegenüber den Strafermittlungsbehörden aussagebereit gezeigt. Nach seiner Darstellung war den Verantwortlichen bei Audi spätestens ab 2008 klar, dass der Konzern mit dem Slogan "Vorsprung durch Technik" seine Ansprüche an die Sauberkeit der Diesel-Aggregate mit der vorhandenen Technologie nicht würde erreichen können.

"Ganz ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen", schrieb damals ein Audi-Ingenieur im kleinen Kollegenkreis. Bis zu welcher Konzern-Ebene das Wissen darüber reichte, das wird bis zu einem Urteil voraussichtlich im Dezember 2022 eine der entscheidenden Fragen sein.

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