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Dieter Reiter (v.l.), Charlotte Knobloch, Markus Söder, Ilse Aigner, Joachim Herrmann und Christian Ude bei der Gedenkveranstaltung in München.
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BR24 Redaktion
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Dieter Reiter (v.l.), Charlotte Knobloch, Markus Söder, Ilse Aigner, Joachim Herrmann und Christian Ude bei der Gedenkveranstaltung in München.

Vom Münchner Rathaus aus rief der damalige Propagandaminister Joseph Goebbels zum reichsweiten Pogrom auf. Am 9. November, am Jahrestag des Hitlerputsches, sollten "die Juden einmal den Volkszorn zu verspüren bekommen." Anschließend begannen die Hetzjagden auf Juden.

An selber Stelle warnte nun 80 Jahre später Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter energisch vor einem wieder aufflammenden Rassismus in Deutschland.

"Eng und unverbrüchlich an der Seite der Jüdinnen und Juden zu stehen, ist unsere verdammte Pflicht in diesen, unseren Tagen, in denen es wieder Hakenkreuz-Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und antisemitische Beleidigungen gibt." Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter

Aufruf zum Widerstand gegen Antisemitismus

Dass unter Juden die Angst vor Übergriffen wachse, sei eine Schande für unser Land. Die Erinnerung an die Gräuel der Reichspogromnacht sei auch deshalb so wichtig, weil sie der Gesellschaft klipp und klar vor Augen halte, was heute zu tun ist und wo sie zu stehen habe.

Reiter kritisierte in seiner Rede auch die AfD scharf. Mit dem Erstarken der Partei würden antisemitische Einstellungen verstärkt in den öffentlichen Diskurs hineingetragen.

Ein Stein erinnert an die ehemaligen Hauptsynagoge Münchens.

Ein Stein erinnert an die ehemaligen Hauptsynagoge Münchens.

Auch Ministerpräsident Markus Söder beklagte, dass Antisemitismus klammheimlich wieder hoffähig werde. Mit der Phrase "Das darf man doch wohl noch sagen" werde versucht, schleichend Akzeptanz dafür zu erreichen.

"Wer bei uns jüdische Menschen angreift, der greift uns alle an." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich besorgt über die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Die 86-Jährige hat die Pogromnacht in München als Kind selbst miterlebt. Sie sagte, die Bilder habe sie immer noch vor Augen. Aus dem "Nie wieder" zum Antisemitismus dürfe kein "Jetzt wieder" werden.

"Angst vor dem Judenhass gehört zum jüdischen Leben in Deutschland heute wieder dazu." Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Gedenkfeier mit Kanzlerin Merkel in Berlin

Bei der Gedenkfeier in Berlin rief auch Bundeskanzlerin Merkel zum entschlossenen Widerstand gegen Antisemitismus und Diskriminierung auf. Sie sagte, der Rechtsstaat dürfe keine Toleranz zeigen, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkstunde im Bundestag am Rednerpult

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkstunde im Bundestag am Rednerpult