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München droht auf dem Obike-Müll sitzen zu bleiben | BR24

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    München droht auf dem Obike-Müll sitzen zu bleiben

    Die Fahrräder von Obike sorgen seit langem für Unmut in München. Das Unternehmen wollte die Zahl der Räder deutlich reduzieren, doch nach Informationen von BR Data ist das nicht geschehen. Über 3.000 der gelben Bikes stehen noch in München.

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    Sie stehen an Straßenecken, liegen in Gebüschen, manche von ihnen sind auf den Kopf gestellt. In München und Umgebung sind nach Informationen von BR Data immer noch knapp 3.000 gelbe Räder des Fahrradverleihers Obike im Umlauf. Und das, obwohl die Firma angekündigt hatte, ihre Anzahl bis Ende April auf 1.000 zu reduzieren. Die Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks haben die Daten hinter der Obike-App untersucht. Das Ergebnis: Im Münchner Stadtgebiet und Umgebung werden derzeit noch knapp 3.000 Räder als aktiv angezeigt, vom angekündigten Rückzug ist nichts zu erkennen.

    Im vergangenen Sommer war Obike in München gestartet und hatte mit dem Abstellen von mehr als 6.000 Fahrrädern im Stadtgebiet für Unmut gesorgt. Im Herbst reduzierte die Firma dann die Zahl der Räder auf gut 4.000, seitdem hat das Unternehmen nicht mehr in nennenswertem Umfang Fahrräder eingesammelt. Hinzu kommt, dass einige der Räder, die BR-Journalisten im Stadtgebiet gefunden haben, in der App nicht aufzufinden waren, es könnte sich also insgesamt um noch mehr als 3.000 Fahrräder handeln, die in München über die ganze Stadt verteilt sind.

    Deutlich mehr Obikes in München als angekündigt

    Die Stadt München ist sauer. Ursprünglich war München dem privaten Leihfahrradangebot gegenüber aufgeschlossen. Jetzt sagt Florian Paul, Fahrradbeauftragter der Stadt: "Es ist äußerst ärgerlich, dass Obike den Worten keine Taten hat folgen lassen und dass heute die Räder, die in der Stadt stehen, nicht genutzt werden, kaputt gemacht werden und es nach wie vor Beschwerden gibt." Paul hofft allerdings nach wie vor, dass Obike die Fahrräder wegräumt: "Erstmal ist Obike selbst dafür verantwortlich, da kann nicht die Stadt einspringen." Allerdings sei es im Moment schwierig, bei Obike überhaupt noch einen Ansprechpartner zu bekommen, die Firma sei "abgetaucht".

    E-Mail von Obike aus China

    Wer genau für Obike sprechen kann, ist unklar. Der bisherige Deutschland-Chef hat das Unternehmen verlassen, auch eine PR-Firma, die bisher für Obike mit den Medien kommunizierte, ist nicht mehr für Obike tätig. Das letzte Lebenszeichen des Unternehmens, das die Stadt München erhielt, kam aus China: "Wir haben vor ein paar Wochen eine E-Mail aus China bekommen, dass sich nun von dort darum gekümmert wird, in München noch Fahrräder einzusammeln oder einzulagern", so der Münchner Fahrradbeautragte Paul. Seitdem sei allerdings nichts passiert.

    Kompliziertes Firmengeflecht

    Recherchen des Bayerischen Rundfunks hatten im November 2017 neben Datenschutzproblemen bei Obike ergeben, dass sich hinter der Marke Obike ein kompliziertes Firmengeflecht verbirgt, mit Verbindungen in die Niederlande, Hong Kong und die Steueroase Britische Junferninseln, wo etwa die Firma Obike Inc. und die Marke "Obike" registriert sind.

    Nutzerkautionen in Gefahr?

    Gegründet wurde Obike in Singapur, auch dort hatte Obike auf Druck der Behörden angekündigt, die Zahl der Räder in dem Stadtstaat zu reduzieren. Und auch dort schaffte es Obike nicht, dies einzuhalten. Hinzu kommen offenbar Geldsorgen. Etwa vier Millionen Euro an Kautionen soll die Firma den Nutzern in Singapur schulden, so ein Bericht der Singapurer Zeitung "Straits Times". In Singapur hat das Unternehmen mittlerweile Insolvenz angemeldet. Ob das auch auf den deutschen Ableger zutrifft und wie viele Nutzer hierzulande von einer möglichen Insolvenz betroffen wären, ist unklar. Die Firma hat in der Vergangenheit keine Angaben zu ihren Nutzerzahlen gemacht. Auf unsere aktuellen Anfragen hat Obike gar nicht reagiert. In Singapur kümmert sich nun ein Insolvenzverwalter um das Einsammeln der Räder.