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München boomt: Wird der Zuzug allmählich zu viel? | BR24

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München ist attraktiv. Immer mehr Unternehmen siedeln sich hier an und schaffen neue Arbeitsplätze. Das hat allerdings einen Preis: Die Stadt platzt aus allen Nähten. Muss das Einwohnerwachstum gestoppt werden?

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München boomt: Wird der Zuzug allmählich zu viel?

München ist attraktiv. Immer mehr Unternehmen siedeln sich hier an und schaffen neue Arbeitsplätze. Das hat allerdings einen Preis: Die Stadt platzt aus allen Nähten. Muss das Einwohnerwachstum gestoppt werden?

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Dirk Höpner ist nicht zufrieden. Er steht auf dem Lerchenauer Feld in Feldmoching, nördlich von München. Die Stadt will hier ein neues Wohngebiet bauen, mit rund 2.000 Wohnungen für circa 5.000 Menschen. Ziehe man einen Vergleich zu New Yok City, sagt Höpner, "dann muss man sagen, dass hier auf derselben Fläche 1,5-mal so viele Einwohner wohnen werden." Ganz schön viel, meint Höpner. Denn schon jetzt ist München die am dichtesten besiedelte Stadt in Deutschland. Höpner hat deswegen die "München-Liste" gegründet, eine Bewegung, die den Zuzug nach München reduzieren will.

München wächst stetig und schnell

Das Problem: München wächst. Seit den 1990er-Jahren ist die Bevölkerungszahl nicht nur in jedem Jahr gestiegen. Sie ist auch besonders schnell gestiegen. So ist die Bevölkerung in München um fünf Prozent gewachsen verglichen mit 2012. Bayernweit waren es nur 3,8 Prozent, bundesweit sogar nur 2,8 Prozent.

In den kommenden Jahren soll sich dieses Wachstum zwar wieder verlangsamen, wie der Demografiebericht der Stadt zeigt. Dennoch: Im Jahr 2040 rechnet sie mit 1,85 Millionen Einwohnern. Das sind 290.000 Menschen mehr als noch Ende 2017. Höpner und die "München-Liste" sehen in diesem Zuzug den Grund für die hohen Mieten, für das Verkehrschaos oder für die langen Wartezeiten bei Kitas, Ärzten und Behörden.

Zuzug stellt Stadt vor Herausforderungen

Tatsächlich: In den vergangenen Jahren hat sich die durchschnittliche Miete in München fast verdoppelt. Von 9,67 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2004 stieg sie auf 16,42 Euro pro Quadratmeter in den ersten Monaten dieses Jahres. Doch die Gründe dafür sind vielfältig. So dürften Spekulanten die Preise ebenso treiben, wie die erhöhte Konkurrenz durch AirBnb oder andere Vermietungen.

Wie viel Einfluss der Zuzug gut verdienender Arbeitnehmer nach München auf die Mietpreisentwicklung hat, ist wissenschaftlich nicht zu sagen. Gleiches gilt für den Mangel an Fachkräften in der Pflege oder der Kinderbetreuung.

"München-Liste" will weiteren Zuzug verhindern

Dennoch: Die München-Liste setzt auf ein Ende des Zuzugs, um diese Probleme anzugehen. Die Initiatoren wollen den "typischen Charakter" der Stadt beschützen, Politik für "Münchenerinnen und Münchener" machen. Das bedeutet für sie etwa den Ausbau von Hotels und Bürobauten zu stoppen, keine neuen Gewerbeflächen auszuschreiben und Wohnungen bevorzugt an jene Menschen zu vergeben, die zu einer "dringend benötigten Berufsgruppe" gehören – also etwa in einer Kita oder in der Pflege arbeiten.

Stadt will zukunftsfähig bleiben

Die Stadtbaurätin, Elisabeth Merk, sieht das kritisch. Als Stadtbaurätin könne sie nicht sagen, sie wolle keinen Zuzug und keine Unternehmen, die sich in München ansiedelten. Eine Stadt müsse schließlich auch zukunftsfähig bleiben. "Aber man muss mit dem Zuzug vernünftig umgehen", so Merk. Sie setzt darauf, Mischquartiere zu entwickeln, um den Verkehrsstrom in die Innenstadt zu reduzieren.

Außerdem will sie stärker auf das Umland setzen. Alleine könne die Stadt das Wachstum nicht bewältigen, so Merk."„Das ist eine Aufgabe der Metropolregion." Wichtig sei deswegen, den Nahverkehr bis weit in die Region zu stärken.

Forscher: Münchens Problem ist Verkehrsstruktur

Ähnlich sehen das Forscher der TU München. Das Problem sei nicht der Zuzug, sagt Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der TU München. Das Problem Münchens sei, dass die Verkehrsachsen hauptsächlich auf das Zentrum ausgerichtet seien. "So muss jeder immer erst in die Stadt rein", so Thierstein. Wichtig sei es daher, sogenannte tangentiale Verbindungen auszubauen – also Verkehrswege zwischen den Randgebieten. Als Beispiele nennt er den Münchener Nordring, die Tram-Westtangente oder die Tramlinie zum Schwabinger Tor.

Menschen müssen entscheiden

Einig sind er und die Stadträtin sich außerdem: Am Ende ist es ohnehin nicht möglich, den Zuzug zu steuern. Denn es seien die Menschen, die entscheiden, wo und wie sie leben und arbeiten wollten.