BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Müllvermeidung beim Rückbau: So aufwändig wird Isar 1 recycelt | BR24

© BR
Bildrechte: dpa/Armin Weigel

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima vor 10 Jahren brachte auch das Aus für den Meiler Isar 1. Der Rückbau des Atomkraftwerks bei Landshut läuft. Damit möglichst wenig radioaktive Abfälle bleiben, werden die Bauteile aufwändig recycelt.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Müllvermeidung beim Rückbau: So aufwändig wird Isar 1 recycelt

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima vor 10 Jahren brachte auch das Aus für den Meiler Isar 1. Der Rückbau des Atomkraftwerks bei Landshut läuft. Damit möglichst wenig radioaktive Abfälle bleiben, werden die Bauteile aufwändig recycelt.

Per Mail sharen
Von
  • Anne-Lena Schug
  • BR24 Redaktion

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima vor zehn Jahren hat mit dazu beigetragen, dass die Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks Isar in Essenbach (Lkr. Landshut) zurückgenommen wurde. Eigentlich hätte Isar 1 acht Jahre länger und Isar 2 14 Jahre länger laufen sollen. Isar 2 wird noch rund zwei Jahre lang Strom produzieren. Isar 1 wurde rund eine Woche nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima vom Netz genommen und wird seit April 2017 abgebaut.

Isar 1 frei von Brennelementen

Der Rückbau soll rund 15 Jahre dauern. Zuerst wurden die höher radioaktiv belasteten Anlagenteile abgebaut, damit die Strahlenbelastung für das Personal während des gesamten Rückbauprozesses möglichst gering ist. Einen wichtigen Meilenstein hatte es Mitte letzten Jahres gegeben: Seit Juni 2020 ist das stillgelegte Atomkraftwerk Isar 1 frei von Brennelementen, also Bestandteilen des Reaktorkerns. Im Moment werden weiterhin Anlagen im Inneren abgebaut und zerlegt.

Ziel: So wenig radioaktive Abfälle wie möglich

Besonders viel Zeit nimmt das Recycling der Bauteile in Anspruch. Denn eines der Ziele beim Rückbau ist, die Menge der radioaktiven Abfälle, die endgelagert werden müssen, so gering wie möglich zu halten. Es soll so viel Material wie möglich wiederverwendet werden können, zum Beispiel als recyceltes Altmetall.

Doch für Stoffe aus einem Atomkraftwerk gibt es ganz klare Vorschriften. Jedes Teil muss speziell gereinigt, also dekontaminiert werden. Anschließend wird mehrmals mit speziellen Messgeräten überprüft, dass keine Radioaktivität mehr vorliegt. Bis also ein Bauteil den Kontrollbereich verlässt, durchläuft es sehr viele Schritte.

Von außen noch wenig zu sehen

Der Rückbau des stillgelegten Kraftwerks findet nach dem Motto "von innen nach außen" statt. Der Abriss der Gebäudehülle wird der letzte Schritt des Rückbaus sein, erklärt Bernd Gulich, Sprecher des Kernkraftwerk Betreibers PreussenElektra: "Es wird so sein, dass wir Ende der 2030er Jahre die leeren Gebäudehüllen von Isar 1 und Isar 2 konventionell abbrechen werden - mit dem Ziel, dass dann 2040 das gesamte Gelände einer uneingeschränkten Nachnutzung zugeführt werden kann."

Bis dahin sei es zwangsläufig so, dass man von außen nicht viel sehen wird, weil der ganze Rückbau hauptsächlich im Inneren stattfindet, so Gulich. Die Kraftwerke werden in einen Rohbauzustand zurückgesetzt. Das passiere innen, außen sehe man nichts. Es gebe allerdings eine Ausnahme, so Gulich. "Letztes Jahr haben wir einen 60 Meter hohen Kamin abgebaut. Das hat man gesehen, aber das sind wenige Ausnahmen, die man vor Ende der 2030er Jahre sehen wird."

So geht es mit Isar 2 weiter

Der Plan ist, Isar 1 und Isar 2 gemeinsam abzureißen. Isar 2 wird noch bis Ende nächsten Jahres Strom produzieren. Deshalb sieht man auch Wasserdampf aus dem Kühlturm aufsteigen, wenn man an dem Kernkraftwerk vorbeifährt. Der Rückbau von Isar 2 soll ein Jahr nach dessen Abschaltung, also 2024, beginnen - auch hier von innen nach außen.

Eine "Grüne Wiese", wo jetzt das Kernkraftwerk steht, wird wohl erst in rund 20 Jahren zu sehen sein. Das könnte dann so aussehen, wie auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Niederaichbach - gleich neben dem Kernkraftwerk Isar. Dort ist von dem Kraftwerk, das nur eineinhalb Jahre - bis 1974 - in Betrieb war, außer einem Gedenkstein nichts mehr zu sehen. Auf dem Gelände grasen heute Kühe.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!