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Müllentsorgung in Bayern trotz Corona-Krise gewährleistet | BR24

© BR/Schlüter

Müllabfuhr in München

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    Müllentsorgung in Bayern trotz Corona-Krise gewährleistet

    Die Abfallwirtschaft kann den Betrieb in der Corona-Krise aufrecht erhalten. Verbraucher sollten jedoch einiges beachten. So ist etwa Mülltrennung derzeit wichtiger denn je.

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    Die gute Nachricht vielleicht gleich zu Anfang: Die Müllentsorgung ist derzeit, trotz Corona-Krise und einem zeitweisen Herunterfahren des täglichen Lebens, in ganz Bayern gewährleistet. Bio-, Papier und Restmülltonnen werden nach wie vor turnusgemäß geleert.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Das gilt nicht nur für die kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebe, auch die dualen Systeme, die Deutschlands meist verbreitetes Mülltrennungssystem betreiben, melden: Es läuft! "Es ist ganz wichtig", sagt Axel Subklew von der gemeinsamen Kampagne "Mülltrennung wirkt“, "und wir sind sehr, sehr bemüht, die Abfuhr aufrechtzuerhalten, dass keine Tonne stehenbleibt."

    Auch in den großen Städten und Gemeinden im Freistaat, gibt es derzeit keine personellen Engpässe, so dass das Entleeren der Tonnen bislang ohne Einschränkungen gewährleistet werden kann. "Wir sind noch in voller Mann- und Fraustärke draußen", sagt die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank, der auch der Abfallwirtschaftsbetrieb München untersteht, "das liegt aber insbesondere auch daran, weil wir viele Wertstoffhöfe derzeit geschlossen haben und so die volle Manpower auch direkt am Haus zum Einsatz bringen können."

    Am Rande der Kapazitäten

    Natürlich ist das gegenwärtig eine Ausnahmesituation. Eigentlich haben kommunale wie private Entsorger zunächst damit gerechnet, dass wegen des wirtschaftlichen Shutdowns, spürbar weniger Müll in den Verbrennungsanlagen anfällt. Schon allein wegen des deutlich geringeren Gewerbemülls. Weil viele Bürger jedoch auf die Idee gekommen sind, ihre Keller und Speicher komplett zu entrümpeln, standen vereinzelte Müllverbrennungsanlagen – zu Beginn der wirtschaftlichen und privaten Einschränkungen in der Corona-Krise – am Rande ihrer Kapazitäten.

    Das hat sich aber mittlerweile durch den weitgehenden Abnahmestopp von privaten Anlieferungen wieder entspannt. "Wir haben noch nicht davon gehört, dass Tonnen stehengeblieben sind oder längere Abfuhr-Zyklen angedacht sind", sagt Axel Subklew, "aber immer unter der Annahme, dass die Entsorgungsunternehmen selbst nicht von Quarantäne-Maßnahmen getroffen werden." Auch im Bereich der Abfallwirtschaft wird seit Wochen Vorsorge ergriffen, um das Personal zu schützen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getrennt voneinander arbeiten zu lassen.

    Mülltrennung wichtiger denn je

    Ein Problem, das derzeit vor allem Hausmeister in Wohnanlagen kennen: Die Tonnensysteme sind nicht dafür gemacht, dass alle zuhause sitzen und dann nur dort ihren Müll entsorgen. Entsprechend sieht es dann manchmal auch aus. "Wichtig ist in der momentanen Lage tatsächlich, dass Abfälle weiterhin gut getrennt werden", sagt Axel Subklew, Sprecher der Kampagne "Mülltrennung wirkt", "das heißt, dass die Verpackungen in den gelben Sack/die gelbe Tonne kommen. Papierverpackungen in die blaue Tonne. Glasverpackungen weiterhin zum Depot-Container sowie Rest- und Biomüll entsprechend auch in die verschiedenen Tonnen. Damit das gut verteilt ist und wir die Logistik entsprechend aufrechterhalten können."

    Das kann die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank nur unterstreichen: "Was wir durchaus mehr wahrnehmen, ist eine große Trennungs-Unlust. Den Kunststoffverpackungsmüll zu trennen, die Glasflaschen raus zu trennen, sondern man schmeißt – gefühlt – relativ viel einfach so in den Restmüll. Auch Batterien oder andere Dinge, das sollte man nach wie vor bitte nicht tun." In viele Fälle steigt aber nicht nur die Menge des Hausmülls, sondern vor allem das Volumen unnötig an. Gerade bei Papier- und Verpackungsmüll ließe sich da viel verdichten, meint Axel Subklew: "Also nicht unbedingt reinsteigen. Aber man kann nachdrücken, dann hat man eine ganze Menge Platz rausgeholt für den Papiermüll. Unbedingt gerade Kartonagen. Wenn jetzt viele zuhause sind und ein bisschen mehr Onlineshopping stattfindet. Wichtig ist die Kartonagen tatsächlich zusammenfalten, dann lässt sich erheblich Platz sparen."

    Vor der Mülltrennung steht aber die Abfallvermeidung. Das geht jeden an, egal ob gerade die Wirtschaft heruntergefahren wird und viele im Home Office arbeiten oder nicht.

    Problemabfall von Haushalten mit infizierten Personen

    Um es ganz klar zu sagen: Es sind in Bayern laut Landesamt für Umwelt (LfU) bisher keine Fälle bekannt, bei denen sich Personen durch die Berührung von kontaminierten Oberflächen oder über Kontaktinfektionen angesteckt haben. Aber zum Schutz der Hausmeister, der Nachbarinnen und Nachbarn in Mehrparteienhäusern und auch seiner Kolleginnen und Kollegen in der Abfallentsorgung, empfiehlt Martin Meier, Leiter für Kreislaufwirtschaft beim LfU in Augsburg: "Neben dem Restmüll werden auch die Verpackungsabfälle, also gelber Sack, Altpapier und Biomüll über die Restmülltonne entsorgt. Sämtliche dieser Abfälle sollten in stabile und möglichst reißfeste Abfallsäcke gegeben werden."

    Gerade Taschentücher oder sonstige Haushaltstücher sollten auf keinen Fall lose in Abfalltonnen geworfen werden. Wichtig ist es auch, die Abfallsäcke gut zu verknoten und zuzubinden. Vor allem spitze und scharfe Gegenstände können zum Beispiel in leeren Waschmittelflaschen oder PET-Flaschen entsorgt werden. Das ist auch die Empfehlung, die vom Bundesministerium und dem Robert Koch Institut (RKI) herausgegeben wurden. Auf den Seiten des bayerischen Landesamtes für Umwelt finden sich ständig aktualisierte Empfehlungen zur Entsorgung des "Problemmülls".

    Übrigens, Müll aus Arztpraxen oder den Krankenhäusern wird meist speziellen Krankenhausmüllöfen verbrannt. Dieser Müll wird jedoch bereits in speziellen Behältern bei den Verbrennungsanlagen abgeliefert. Die entstehende Hitze erreicht hier Temperaturen um 1.000 Grad Celsius. Über spezielle Filterungen ist eine vollständige Zerstörung aller organischen Verbindungen dann gewährleistet.

    Auf den Wertstoffhöfen ging's zu wie auf der Dult

    Nicht alle Wertstoffhöfe oder Kompostanlagen im Freistaat sind geschlossen. Das Bild ist von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich und jede Gemeinde kann letztlich für sich entscheiden, ob sie den Wertstoffhof öffnet oder nicht.

    Manche Landkreise oder auch größere Städte haben komplett dichtgemacht. Andere haben sich dazu entschlossen, wenigstens einige Wertstoffhöfe zu öffnen. Meist nur eingeschränkt und strikt geregelt, um die eigenen Mitarbeiter auf dem Gelände schützen zu können. Dass überhaupt Wertstoffhöfe flächendeckend geschlossen worden sind, kam nicht von ungefähr. "Wir hatten teilweise tumultartige Szenen. Wir hatten riesige lange Warteschlangen", erklärt die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank, "wir hatten auch Menschen, die sich nicht in großem Verständnis geübt haben, dafür, dass sie länger warten mussten. Uns wurden von der Polizei ganze Straßenzüge gesperrt werden, weil die Autoschlange für den Wertstoffhof solange war." Letztlich wären schon deshalb von der Polizei vorsorglich einige Wertstoffhöfe geschlossen worden. Letztlich argumentieren viele Landratsämter, dass ein Wertstoffhof nicht zwingend notwendig geöffnet sein muss, um eine Müllkatastrophe zu verhindern. Wichtiger war vielen, den größtmöglichen Schutz der Mitarbeiter auf den Wertstoffhöfen zu garantieren.

    Wertstoffhöfe in München bis 19. April geschlossen

    Auch im Landkreis Dachau waren bis vor kurzem noch alle Wertstoffhöfe zu. Seit dem 31. März haben zumindest zehn Wertstoffhöfe wieder offen; allerdings sehr eingeschränkt. Auf Einsicht und Zurückhaltung setzt auch Andreas Neumaier, Leiter der Abfallwirtschaft im Landkreis Erding. Hier sind derzeit die größten vier Wertstoffhöfe in Betrieb. Allerdings wird der Zugang streng geregelt, so dass nicht zu viele Bürger dort gleichzeitig ihre Wertstoffe in die entsprechenden Container werfen. Auch wenn die Abfallwirtschaftsbetriebe in München die Situation täglich neu bewerten und besprechen, werden in der Landeshauptstadt die Wertstoffhöfe zumindest bis zum 19. April geschlossen bleiben.

    Übrigens, auch wenn es vereinzelt Meldungen gegeben hat: Illegale Müllabladungen sind an geschlossenen Wertstoffhöfen kaum zu beobachten, was aber wohl auch daran liegen könnte, dass die Zufahrten videoüberwacht sind.

    Die jeweiligen Landratsämter haben auf ihren Online-Seiten, in der Regel, alle Informationen zu den Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe und Kompostanlagen bereitgestellt. Einen guten Überblick aller Landkreise und zuständigen Landratsämter oder Zweckverbände gibt es auch auf der Abfallratgeberseite des Landesamtes für Umwelt (LfU).