Der Nürnberger Reichswald ist unter Mountainbikern berühmt für seine Trails. Nun entstehen am Schmausenbuck erstmals offizielle Mountainbikewege.

Bildrechte: BR
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Mountainbiker bauen Trailnetzwerk rund um Nürnberg

Mountainbiker bauen Trailnetzwerk rund um Nürnberg

Der Nürnberger Reichswald ist unter Mountainbikern berühmt für seine Trails. Radsportler reisen zum Teil Hunderte Kilometer an. Nun entstehen am Schmausenbuck erstmals offizielle Mountainbikewege – mit Unterstützung der Bayerischen Staatsforsten.

Mountainbike fahren liegt derzeit im Trend, sagt der Forstbetriebsleiter Nürnberg, Johannes Wurm. Gerade während der Corona-Pandemie hätten noch mehr Menschen das Mountainbike als Sportgerät und den Reichswald als Trainingsgelände entdeckt. Dem entgegen stehen allerdings die Beschwerden anderer Waldnutzer über die zahlreichen Mountainbiker. Die Staatsförster selbst waren vor allem über die vielen Wege verärgert, welche die Fahrer unerlaubterweise im Wald angelegt hatten: darunter Sprungschanzen, die direkt in Wanderwege mündeten sowie Abfahrten durch ökologisch wertvolle Gebiete. Aus Sicht der Bayerischen Staatsforsten ist es aber unrealistisch, Radsportler aus dem Wald auszuschließen, letztlich sei der Wald auch für alle da.

Offizielle Wege für Mountainbiker am Schmausenbuck geplant

Zusammen mit Mountainbikevereinen aus der Region, darunter die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB), der Deutsche Alpenverein (DAV) und der ADFC, haben die Staatsforsten vor rund einem Jahr daher ein Konzept für einen nachhaltigen Mountainbikesport am Schmausenbuck erarbeitet. Das Ziel: Den Radlern attraktive Wege anbieten, so Wildbauten zu verhindern und naturschutzfachlich wertvolle Gebiete zu schonen.

Ehrenamtliche bauen 20 Kilometer Mountainbike-Trails

Inzwischen sind die Arbeiten in vollem Gange: Ehrenamtliche der DIMB bauen Downhillstrecken. Insgesamt sind im Wald sechs sogenannte Sektoren vorgesehen mit jeweils zwei bis drei Abfahrten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: eher flache und verschlungene Trails für Anfänger und Familien, steile und verblockte Wege mit Sprungschanzen für Könner. Das "Baumaterial" stellen zum Teil die Staatsforsten. Sie beseitigen vor allem Totholz entlang der geplanten Strecken. Damit können die Trailbauer Anliegerkurven und Sprungschanzen verstärken. Aktive des DAV entwickeln derweil einen eigenen Rundweg für Mountainbiker, um die einzelnen Sektoren miteinander zu verbinden. Insgesamt soll ein Trailnetzwerk mit einer Länge von rund 20 Kilometern entstehen.

Die Lage der einzelnen Sektoren mit den Abfahrtsstrecken sowie der Rundweg im Reichswald hinter dem Nürnberger Tiergarten

Bildrechte: BR Fernsehen

Illegale Trails zurückgebaut

Alle Beteiligten versuchen, möglichst nachhaltig zu bauen, damit die Trails möglichst lange halten. In einzelnen Bereichen werden robuste Steinfelder angelegt, der lose Humus auf den Strecken wird abgegraben und durch festen Sand ersetzt, in Senken werden Drainagen angelegt. Vor allem die Abfahrten werden von den vielen Mountainbikern am Schmausenbuck strapaziert. Bislang geht die Strategie der Vereine und der Staatsforsten allerdings auf, sagt der Leiter des Arbeitskreises Trailbau, Markus Bader. Seit sie im Reichswald offizielle Strecken bauen, ist der Wildbau deutlich zurückgegangen. Was den Staatsforsten zudem besonders wichtig ist: Die Mountainbiker haben illegale Trails im Wald selbst zurückgebaut, die Einfahrten zu früheren Downhills mit Baumstämmen verlegt und einstige Baugruben wieder zugeschüttet.

Trailbau auch im Fürther Stadtwald

Die Bautätigkeit am Schmausenbuck ist auch für andere Vereine in der Region ein Vorbild. So engagieren sich Trailworks-Fürth und zwei Radsportclubs etwa im Wald der Kleeblattstadt. Auch dort ist die Zahl der Mountainbiker in den vergangenen Jahren geradezu sprunghaft angestiegen und es kam zu immer mehr Konflikten mit Spaziergängern und Förstern, sagt Markus Schmid vom Ordnungsamt der Stadt Fürth. Zwar wird auch dort anerkannt, dass Mountainbiken im Wald der Erholung dient – es müsse aber für den Wald und andere Nutzer verträglich gestaltet werden. Daher hat sich die Stadt mit den Vereinen auf zwei Pilotgebiete geeinigt: Dort dürfen die Mountainbiker in der nächsten Zeit insgesamt vier Trails anlegen.

Pilotphase für Fürther Trails bis 2023

Das Ziel der Vereine ist auch für den Fürther Stadtwald ein umfassendes Trailnetz, sagt der 1. Vorstand von Trailworks-Fürth, Tobias Häuser. So sollen Mountainbiker gelenkt werden, um den Umweltschutz zu gewährleisten und neue Wildbauten zu verhindern. Dafür müssen die nun angestoßenen Pilotprojekte aber erfolgreich laufen: Also einerseits von den Mountainbikern angenommen werden und andererseits den Druck auf andere Gebiete verringern. Bis Ende 2023 haben die Radsportler Zeit, die Stadt von ihrer Idee zu überzeugen, dann läuft die Pilotphase aus.

Trailnetz und Bikepark könnten noch mehr Menschen anlocken

Die Kehrseite der Medaille: Ein offizielles Trailnetz könnte noch mehr Radsportler in die jeweiligen Gebiete locken. In Nürnberg investiert die Stadt zudem mehrere Hunderttausend Euro in einen Bikepark am Schmausenbuck, in dem große Sprünge und rasante Abfahrten möglich sein sollen. Die Fläche dafür ist bereits bereitet, möglicherweise können die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Nürnbergs Forstbetriebsleiter Johannes Wurm treibt jedenfalls die Sorge um, dass die gebauten Trails erneut viele "Biketouristen" nach Nürnberg locken. Dabei solle das Trailnetz in erster Linie für die Nürnberger und die Bevölkerung aus der Region sein.

Mountainbiker suchen Unterstützung

Die Arbeiten an den neuen Wegen leisten die Mountainbiker ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Daher wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis das Trailnetz in Nürnberg vollendet ist. Wer die Arbeiten im Wald unterstützen will, kann sich bei der IG Nürnberg-Fürth der DIMB oder bei Trailworks-Fürth melden. Helfende Hände oder Spenden für Werkzeuge und andere Arbeitsmaterialien werden stets gern angenommen.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!