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Motorradler gegen Wochenendfahrverbot am Kesselberg | BR24

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Motorradler gegen Wochenendfahrverbot am Kesselberg

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Motorradler gegen Wochenendfahrverbot am Kesselberg

Rund 380 Motorradler haben nach Angaben der Polizei am Ostersonntag gegen das Wochenendfahrverbot für Motorräder am Kesselberg bei Kochel demonstriert. Die einseitige Sperrung war die Folge von zahlreichen schweren Unfällen an dem Motorrad-Dorado.

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Von
  • Lui Knoll

Wer als Motorradfan die Freiheit auf zwei Rädern ausfahren möchte, wird auf der Bundesstraße 11 zwischen Kochel und Urfeld am Walchensee am Wochenende ausgebremst. Die 9,2 Kilometer lange Strecke war jahrelang ein Unfallschwerpunkt, bis Polizei und örtliche Behörden die Freiheit mit mehreren Maßnahmen eingeschränkt haben. Am Ostersonntag nun haben laut Polizei rund 380 Motorradler gegen das Wochenendfahrverbot für Motorräder am Kesselberg demonstriert. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren die Biker in Kolonne und von der Polizei begleitet den Kesselberg hinauf. Dort hielten sie eine Gedenkminute ab. Die Strecke war vorübergehend gesperrt worden. Laut Polizei verlief die Aktion friedlich. Eine Aktionsgruppe aus München hatte zu dem Protest aufgerufen.

Tempolimit, Rüttelstreifen und einseitiges Fahrverbot an Wochenenden

Seit einigen Jahren gilt auf der ganzen Strecke ein Tempo-Limit von 60 Stundenkilometern. Außerdem erschweren Rüttelstreifen und Plastikbegrenzungen in der Mitte der Fahrbahn die extreme Kurvenlage der Biker. Und schließlich dürfen Motorradfahrer die Strecke an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen nur noch von Süden kommend befahren - also vom Walchensee in Richtung Kochel. Seit 2015 wird das durch die Kontrollgruppe Motorrad der Bayerischen Polizei streng überwacht.

Unfalltote stark zurückgegangen

Das Unfallgeschehen auf einer der wenigen Kurvenstrecken in den deutschen Alpen ist damit deutlich zurückgegangen. Während die Statistik 2018 noch 20 schwere Motorradunfälle mit einem Todesopfer zählt, sind es 2019 noch 18 Unfälle ohne Todesfolge. Im Corona-Jahr 2020 mit den bekannten Ausgangs-Beschränkungen gehen diese Zahlen nochmals deutlich zurück, eine genaue Statistik liegt noch nicht vor.

Kesselberg auch bei Oldtimern beliebt

Der Kesselberg hat bei Rennfahrern nicht nur wegen der weit ausladenden Serpentinen einen Namen. Bereits 1905 und 1907 fanden erste Straßenrennen mit Automobilen und Motorrädern statt. Bei Oldtimer-Fans ist die Strecke mit den sehenswerten Aussichtspunkten auf Kochel- und Walchensee beliebter Treffpunkt für Orientierungsfahrten.

Schön Goethe reiste hier

Luitpold von Bayern hat die Straße über die 858 Meter hohe Passhöhe von 1893 bis 1897 neu bauen lassen. Das ist rund 25 Jahre vor der Inbetriebnahme des Walchensee-Kraftwerks, für dessen Bau die Kesselbergstraße die Erschließung der Baustellen am Berg sicherstellt. Johann Wolfgang Goethe reiste 1786 mit der Postkutsche auf einer seiner Italienreisen inkognito über den Kesselberg. Da allerdings noch über die alte Kesselbergstraße, die heute nur noch von sehr ambitionierten Mountainbikern ohne elektrischen Zusatzantrieb bewältigt wird.

Kesselberg und Walchensee von Tagestouristen überlastet

Heute ist die Strecke die kürzeste Verbindung vom Großraum München zum Naherholungsgebiet Walchensee. Wegen der Zunahme des Wochenend-Tourismus klagt die Gemeinde Kochel seit Jahren über ein zu hohes Verkehrsaufkommen. Weil es sich beim Kesselberg um eine Bundesstraße handelt, kann sie nicht umgewidmet werden.

Bundesstraße: Umwidmung in Mautstraße nicht möglich

Eine Umwandlung in eine Mautstraße wäre die sinnvollste Möglichkeit, um dem Over-Crowding des Ausflugszieles Walchensee zu begegnen. Da Bundesstraßen zu Europäischen Fernreisewegen gehören, können Sie nicht zu ohne weiteres zu Mautstraßen umgewidmet werden.

Eine Arbeitsgruppe aus dem bayerischen Innenministerium, dem Landkreis und den Gemeinden Kochel und Jachenau arbeitet an einem Konzept zur Verringerung des Individualverkehrs. Zu guter Letzt sorgt die Digitalisierung unserer Mobilität noch für eine zusätzliche Verdichtung des Verkehrs auf der Kesselbergstrecke: Denn wenn Reisende auf dem Weg nach Mittenwald oder Innsbruck einen Stau auf der Autobahn A 95 erwarten, empfiehlt Ihnen Google-Maps die Ausweichstrecke über die Bundesstraße 11.

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Das Walchenseekraftwerk wurde 1924 in Kochel am See in Betrieb genommen und feierte 1964 vierzigjähriges Jubiläum. Zeitzeugen erzählen von dem außergewöhnlichen Bau in wirtschaftlich bewegten Zeiten, unter der Leitung von Oskar von Miller.