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Motorradfahren ohne Prüfung: Biker im Allgäu sind skeptisch | BR24

© BR / Viktoria Wagensommer

Motorradfahrer im Allgäu zu Scheuers Plänen

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Motorradfahren ohne Prüfung: Biker im Allgäu sind skeptisch

Die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geplante Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung stößt bei Motorradfahrern im Allgäu auf wenig Verständnis. Ein schnellerer Umstieg vom Auto auf‘s Motorrad gehe zu Lasten der Verkehrssicherheit.

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An Ideen mangelt es Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nicht, wenn es um Vorschläge zur Elektromobilität geht. Die sogenannten E-Scooter, also die elektrischen Tretroller, dürfen inzwischen durch unsere Städte rollen. Bei einem seiner nächsten Projekte geht es um das Thema Motorradfahren. So sollen Autofahrer künftig auch ohne Motorradführerschein auf kleinere Modelle umsteigen dürfen. Gedacht als Anreiz, das Auto stehen zu lassen, so eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Was aber halten Motorradfahrer von dieser Idee?

Allgäuer Motorradfahrer: Praxis unverzichtbar

Im Allgäu ist die Motorrad-Saison in vollem Gange. Gerade am Jochpass, einer sehr kurvenreichen Strecke, sind die Zweiradfahrer gerne unterwegs. Natürlich, sagen Motorradfahrer, klingt der Vorschlag von Minister Scheuer verlockend. Gerade die stark verkehrsbelasteten Innenstädte könnten davon profitieren. Vor allem wenn Autofahrer auf Leichtkrafträder mit Elektrounterstützung umsteigen würden, sagen die einen. Anderen, wie Georg Klotzbücher aus Heidelberg, gefällt der Vorschlag ganz und gar nicht. Er fährt seit 40 Jahren Motorrad:

"Es ist viel zu gefährlich, ohne Übung Motorrad zu fahren. Der Verkehr hat derart zugenommen, dass man ohne Übung fast gar nicht mehr fahren kann." Georg Klotzbücher aus Heidelberg

Motorradfahren sei nicht mehr das, was es früher einmal war, sagt auch Sonja Rosprim. Man müsse höllisch aufpassen, defensiv fahren und vor allem Fahrpraxis haben. So ein Motorrad habe ein ganz anderes Fahrverhalten, erklärt die Motorradfahrerin. Zehn bis 15 Stunden Fahrpraxis sollten es ihrer Meinung nach unbedingt sein, um Gefahrenstellen richtig einschätzen zu können.

Idee: Steigerung der individuellen Mobilität

Laut eines Entwurfs des Bundesverkehrsministeriums sollen gewisse Voraussetzungen gelten, um auf ein leichtes Motorrad mit maximal 15 PS steigen zu dürfen: man muss mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und eine Schulung mit fünf 90-minütigen Einheiten absolvieren. Das Ziel ist laut Ministerium mehr Mobilität, vor allem auch im Bereich der Elektromobilität, zu ermöglichen ‎und gleichzeitig die Verkehrssicherheit sicherzustellen. Gerade im ländlichen Raum würde so ‎die individuelle Mobilität gestärkt und der Verkehr durch den Einsatz alternativer Antriebe ‎klimafreundlicher.

Kritik auch von Verkehrsexperten

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hält überhaupt nichts von Scheuers Vorstoß. Diese Leichtkrafträder könnten schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren und seien nach den besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik. Der ADAC Südbayern sieht den Entwurf mit gemischten Gefühlen: auf der einen Seite positiv, weil dadurch mehr Mobilitätsoptionen entstehen könnten. Auf der anderen Seite dürfe aber die Verkehrssicherheit nicht leiden. Es müsse sichergestellt sein, dass die Verkehrsteilnehmer ausreichend qualifiziert sind. Der Automobilclub empfiehlt Bewerbern selbstkritisch zu sein. Wer sich noch nicht sicher genug fühle, sollte lieber noch eine Fahrstunde mehr nehmen, so die Empfehlung des ADAC.