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Mordprozess gegen Zahnärztin: Lebenslang vs. Freispruch | BR24

© BR/Andreas Wenleder

War es Mord oder Notwehr? Für die Tötung ihres Ehemannes soll eine Zahnärztin nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang in Haft. Die Verteidigung dagegen legte der Tat Notwehr zugrunde und plädierte auf Freispruch.

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Mordprozess gegen Zahnärztin: Lebenslang vs. Freispruch

War es Mord oder Notwehr? Für die Tötung ihres Ehemannes soll eine Zahnärztin nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang in Haft. Die Verteidigung dagegen legte der Tat Notwehr zugrunde und plädierte auf Freispruch.

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Im Prozess gegen eine Zahnärztin aus Grafentraubach bei Laberweinting (Lkr. Straubing-Bogen) vor dem Landgericht Regensburg sind am Montag die Plädoyers gehalten worden. Der Frau wird vorgeworfen, ihren Mann erdrosselt zu haben. Die nackte Leiche des Mannes war kurz darauf in einem Waldstück kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze gefunden worden.

Staatsanwaltschaft fordert Lebenslänglich

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung der heute 61-Jährigen wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Verteidigung hat dagegen auf Freispruch plädiert. "Sie müssen mir Freiheit geben", so lautet der Schlusssatz eines Gedichts, das die Angeklagte in ihrer U-Haft-Zelle geschrieben hat und als letzte Worte des Prozesses vorgelesen hat. Zuvor warnte sie junge Mädchen in Reimform vor "Macho-Typen" und kritisierte in ihrem Gedicht, dass zu viele Frauen von ihren Männern getötet werden.

Angeklagte: "Es war Notwehr"

Die Angeklagte hatte bereits kurz nach der Tat im Herbst 2018 bei der Polizei eingeräumt, ihren Mann mit einer Drahtschlinge, einer sogenannten Garotte, erdrosselt zu haben. Es habe sich dabei aber um Notwehr gehandelt, gab die Frau an. Sie sei zuvor selbst mit der Drahtschlinge bedroht worden. Im Kampf habe sie es aber geschafft, ihren Mann zu überwältigen und zu töten, so ihre Aussage bei der Polizei. Die Frau sei auch definitiv an der Tat beteiligt gewesen, sagte der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag.

Allerdings sieht er keine Notwehr. Der Ehemann sei zwar sicher kein angenehmer Mensch gewesen und habe auch Straftaten begangen. Er sei zuvor aber nie körperlich gegen seine Frau vorgegangen. Außerdem gebe es Hinweise wie Internet-Suchanfragen, die auf ein geplantes Vorgehen hindeuten. Die Frau habe auch sehr überlegt versucht die Tat zu verschleiern. So sollten über das Mobiltelefon des Getöteten falsche Fährten gelegt werden. Auch wurde versucht, die Leiche zu entzünden. Das müsse die Frau zuvor bereits einmal durchgespielt haben, so der Staatsanwalt.

Motiv: Habgier

Das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft im finanziellen Bereich. Die Frau hätte als Alleinverdienerin in der Ehe im Falle einer Scheidung einen hohen finanziellen Schaden zu befürchten gehabt. So hätte sie ihrem Mann mindestens die Hälfte des Werts der gemeinsamen Villa auszahlen müssen - geschätzt bis zu 800.000 Euro. Sie sei deshalb wegen Mordes aus Habgier zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Die Angeklagte müsse aber auch Helfer gehabt haben. Sie hätte die Leiche ihres Mannes nicht alleine ins Auto und nach Tschechien bringen können, so der Staatsanwalt. Im Verdacht als mögliche Helfer steht ein Gärtner-Ehepaar, das für die Angeklagte auf dem großen Anwesen des Ehepaars gearbeitet hatte und nach der Tat ungewöhnlich hohe Summen von der Angeklagten bekommen haben soll. Doch auch wenn es mögliche Mittäter gegeben haben könnte, gebe es keinen Zweifel an der Beteiligung der Zahnärztin, so der Staatsanwalt.

Verteidigung weist Mord-Anklage zurück

Den Mord-Vorwurf der Anklage haben die drei Verteidiger im Anschluss in ihren Plädoyers zurückgewiesen. Eine Tat aus Habgier liege nicht vor, so eine Anwältin. Die Angeklagte sei finanziell unabhängig gewesen, habe hohe Einnahmen zu erwarten gehabt und hätte somit auch nach einer Scheidung keine finanziellen Schwierigkeiten gehabt.

Ihre Kollegen gingen in ihren Plädoyers näher auf die Beziehung des Ehepaars ein. Die Angeklagte habe enorm unter ihrem aggressiven und gewalttätigen Mann gelitten. "Er habe anderen Menschen stets weh tun wollen", zitierte ein Verteidiger eine Aussage der Ex-Frau des Opfers. Die Zeugin hatte im Prozess ausgesagt, dass der Getötete sie und den gemeinsamen Sohn körperlich angegangen und verletzt hatte. In einem Nachbarschaftsstreit habe der Mann auch auf einen Mann geschossen, so der Verteidiger.

Außerdem habe er die Angeklagte finanziell ausgenutzt. Er habe mit ihrem Geld gelebt "wie die Made im Speck", so der dritte Verteidiger. Die anfänglich sehr harmonische Beziehung des Paars habe sich wegen des Verhaltens des Ehemanns nach und nach massiv verschlechtert, so die Anwälte. Die Angeklagte habe sich trennen wollen. Ihr Mann habe darauf aggressiv reagiert und im Haus randaliert. Eine Notwehrsituation sei somit durchaus denkbar, sagte einer der Strafverteidiger.

Außerdem spreche das Verhalten nach der Tat aus seiner Sicht ebenfalls für eine spontane Tat. Der Vertuschungsversuch sei alles andere als perfekt gewesen. Eine nachweislich hochintelligente Frau wie die Zahnärztin hätte die Tat besser geplant, so der Verteidiger. Es gebe zahlreiche Indizien, die für die Version der Angeklagten sprechen. Die Mandantin sei deshalb nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" wegen Notwehr freizusprechen, so der Strafverteidiger.

Angeklagte litt massiv

Sollte das Gericht dennoch von einem Totschlag ausgehen, liege hier aber lediglich ein minderschwerer Fall vor, ergänzte seine Kollegin. Denn es müsse berücksichtigt werden, dass die Angeklagte massiv unter ihrem Mann zu leiden hatte. In diesem Fall könne am Ende höchstens eine Freiheitstrafe von fünf Jahren ausgesprochen werden, sagte die Verteidigerin.

Das Urteil soll am Freitag (29.05.) um 15 Uhr fallen.

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