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Mordprozess "Maria Baumer": Lascher Umgang mit Medikamenten? | BR24

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Bildrechte: dpa/Armin Weigel

Fünfter Verhandlungstag im Prozess um den Mordfall Maria Baumer: Heute hat sich das Gericht mit der Frage beschäftigt, ob der Krankenpfleger in der Lage gewesen wäre, sich Medikamente für einen "perfekten Mord" zu besorgen.

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Mordprozess "Maria Baumer": Lascher Umgang mit Medikamenten?

Fünfter Verhandlungstag im Prozess um den Mordfall Maria Baumer: Am Donnerstag hatte sich das Gericht mit der Frage beschäftigt, ob der Krankenpfleger in der Lage gewesen wäre, sich Medikamente für einen "perfekten Mord" zu besorgen.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Im Mord-Prozess um die 2012 verschwundene Maria Baumer haben am Donnerstag ehemalige Kollegen des angeklagten damaligen Verlobten ausgesagt. Die Richter befragten den Leiter der Krankenhausapotheke und die ehemalige Stationsleiterin des Krankenpflegers am Regensburger Bezirksklinikum. Außerdem sagten Ermittler aus.

Angeklagter hatte Zugang zu möglichen Mord-Medikamenten

Den Richter ging es in der Vernehmung der Kollegen zunächst um die Frage, ob der Angeklagte über seine Arbeitsstelle in der Klinik an die mutmaßlichen Mord-Medikamente gekommen sein kann. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Verlobten vor, bei Maria Baumer mit den Medikamenten Lorazepam und dem Opioid Tramadol einen Atemstillstand ausgelöst zu haben. Beide an der Leiche nachgewiesenen Medikamente seien auf seiner ehemaligen Station im Regensburger Bezirksklinikum im Einsatz, bestätigten die Stationsleiterin und der Krankenhausapotheker. Die Medikamente werden regelmäßig in der zentralen Apotheke der Klinik bestellt und an die Stationen geliefert, so der Apotheker. Dort würde man eine "Vorratshaltung" betreiben, die Medikamente seien also in größeren Mengen auf der Station vorhanden. Wie die Stationsleiterin aussagte, hätten eigentlich alle Stationsmitarbeiter Zugang zu dem Raum mit den Medikamentenvorräten gehabt, so auch der Angeklagte. Die Abgabe der Tabletten an die Patienten werde zwar dokumentiert, der genaue Verbrauch der Medikamente werde aber nur bei Betäubungsmitteln exakt nachgeprüft, so die ehemalige Chefin des Angeklagten.

Angeklagter sei introvertiert und kollegial

Ihren früheren Mitarbeiter habe sie bereits als Praktikanten an der Klinik kennengelernt. Nach seiner Ausbildung habe der Angeklagte unter ihr gearbeitet und habe später zusammen mit ihr die Station gewechselt. Er habe auf sie stets einen ruhigen, introvertierten, aber auch sehr fleißigen und kollegialen Eindruck gemacht. Hinweise auf einen möglichen Missbrauch der Medikamente auf der Station habe sie nicht gehabt, so die Stationsleiterin.

War eine andere Frau im Spiel?

Nach dem Verschwinden seiner Verlobten habe sie mehrmals mit ihm über den Fall gesprochen. Auch nach der ersten Untersuchungshaft des Angeklagten hatte er Kontakt zu ihr. Ein abgehörtes Telefonat der beiden aus dieser Zeit ließen die Richter in Ausschnitten auch im Sitzungssaal vorspielen. In dem Gespräch zählt er seiner Chefin die Motive auf, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Darunter ist ein Vorwurf, der sich auch heute noch in der Anklageschrift wiederfindet: So soll sich der Angeklagte in eine Patientin auf seiner Station verliebt haben. Maria Baumer habe er getötet, um für eine Beziehung mit ihr frei zu sein, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift.

Im vorgespielten Telefonat kritisiert die Stationsleiterin den Krankenpfleger für seinen Umgang mit dieser Patientin und wirft ihm vor, dass er sich dabei "nicht klug verhalten" habe. Er habe sich nach dem Verschwinden seiner Verlobten ungewöhnlich intensiv um die junge Frau gekümmert, sagte die Zeugin im Anschluss an das vorgespielte Gespräch aus. Er sei nach dem Verschwinden seiner Verlobten als Pfleger oft lange in ihrem Zimmer gewesen. Außerdem habe er die Patientin auch in seiner Freizeit besucht. Ein unprofessionelles Verhalten, das sie als Chefin nicht toleriert habe, so die Zeugin.

Polizist zweifelte schon damals an der Aussage des Angeklagten

Neben den Klinik-Mitarbeitern sagten auch mehrere Polizisten aus. Einer hatte bei Hausdurchsuchungen in der Wohnung des Angeklagten zahlreiche Medikamente gefunden, darunter auch die möglichen Mord-Wirkstoffe. Außerdem sagte der Beamte aus, der die Vermisstenmeldung des Angeklagten kurz nach Pfingsten 2012 aufgenommen hatte. Bei der Aussage seien ihm schnell Zweifel gekommen, so der Polizist. Der Angeklagte habe ihm beschrieben, dass er morgens aufgestanden sei, seiner Verlobten einen Kakao gemacht habe und anschließend zu einer mehrstündigen Joggingrunde aufgebrochen sei. Anschließend sei Maria verschwunden gewesen. Erst später habe sie ihn vom Bahnhof in Nürnberg aus angerufen und erklärt, dass sie eine Auszeit brauche, so die damalige Aussage des Angeklagten.

Angeklagter widersprach sich

Bei seinen Angaben habe es aber Ungereimtheiten gegeben, sagte der Beamte. Der Angeklagte sei nervös gewesen, habe ungewöhnlich stark geschwitzt und gezittert. Bei der Beschreibung des Tagesablaufs habe er widersprüchliche Zeitangaben gemacht. Einmal sei er um 6 Uhr aufgestanden, danach erst um 8 Uhr. Auch die Joggingrunde sei einmal drei Stunden und kurz darauf nur noch zwei Stunden lang gewesen. „Alles was er gesagt hat, habe ich ihm einfach nicht glauben können. Ich dachte mir, da stimmt irgendwas nicht mit dieser Aussage“, so der Zeuge. Auf seine Frage, ob er mit dem Verschwinden etwas zu tun habe, habe der Angeklagte „definitiv nicht“ geantwortet.

Verlobter startete Aufruf bei "Aktenzeichen XY"

Der Angeklagte hatte nach dem Verschwinden Maria Baumers an Pfingsten 2012 auch öffentlich nach seiner Verlobten gesucht - unter anderem auch mit Auftritten im Fernsehen. Unter anderem meldeten sich daraufhin Zeugen, die Maria Baumer auf dem Jakobsweg gesehen haben wollen. Alle Spuren hinsichtlich möglicher Sichtungen der damals 26-Jährigen ließen sich jedoch nicht bestätigen, sagte eine Kripo-Beamtin heute aus.

Erst über ein Jahr nach dem Verschwinden entdeckten Pilzsammler im September 2013 die Leiche der jungen Frau in einem Wald. Kurz darauf kam der Angeklagte ein erstes Mal in Untersuchungshaft, wurde aber kurz darauf wieder entlassen. Im Dezember 2019 wurde der Angeklagte erneut verhaftet, nachdem die Ermittlungen nach zwischenzeitlicher Einstellung durch neue Erkenntnisse wieder aufgenommen wurden.

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