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© Sylvia Schubart-Arand/BR-Mainfranken
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Zeitungsartikel über den Tod einer 13-Jährigen in Wiesenfeld im Dezember 1993

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    Mordfall Wiesenfeld: Durchsuchung laut Landgericht rechtswidrig

    Das Landgericht Würzburg hat die Durchsuchung bei einem der Beschuldigten im Mordfall Wiesenfeld für rechtswidrig erklärt. Laut Staatsanwaltschaft war die Durchsuchung wegen des Zeitablaufs unverhältnismäßig.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Alisa Wienand

    Vor über 27 Jahren wurde ein 13-jähriges Mädchen tot auf dem Gelände eines Aussiedlerhofs bei Wiesenfeld im Landkreis Main-Spessart gefunden. Im Januar hat die Polizei das Grundstück erneut durchsucht. Diese Durchsuchung hat das Landgericht Würzburg nun für rechtswidrig erklärt. Wie der Würzburger Oberstaatsanwalt Tobias Knahn dem Bayerischen Rundfunk gegenüber erklärte, sei die Durchsuchung in Anbetracht des Zeitablaufs unverhältnismäßig gewesen. "Der für eine Durchsuchung notwendige Anfangsverdacht wurde jedoch nicht verneint", so Knahn.

    Rechtsanwalt des Beschuldigten legte Beschwerde ein

    Der Aschaffenburger Rechtsanwalt Bernhard Zahn hatte zuvor Beschwerde beim Landgericht Würzburg gegen die Durchsuchung des Grundstücks seines Mandanten eingereicht. Zahn vertritt nach eigenen Angaben den Eigentümer des Tatort-Hofes in Wiesenfeld. Bei ihm handelt es sich jedoch nicht um den 44-jährigen Tatverdächtigen in diesem Mordfall, der vorläufig festgenommen wurde.

    Polizei muss Gegenstände zurückgeben

    Laut Zahn müssten nun alle auf dem Hof beschlagnahmten Gegenstände an seinen Mandanten zurückgegeben werden. Darunter seien unter anderem Telefone, Notebooks, Tablets und sonstige Datenträger. Der Rechtsanwalt sieht die Entscheidung des Landgerichts "als deutliche Ansage, dass das, was die Staatsanwaltschaft bisher zusammengebracht hat, nicht ausreicht, um einen Durchsuchungsbeschluss zu begründen". Ein Durchsuchungsbeschluss könne laut Zahn nur dann erlassen werden, wenn ein hinreichender Tatverdacht bestehe.

    Anwalt erhebt Vorwürfe gegen Polizei

    Nach Angaben des Rechtsanwalts wurde sein Mandant bereits nach dem Mord vor 27 Jahren als Tatverdächtiger ausgeschlossen, "unter anderem aufgrund einer überprüften Alibilage". Dass sein Mandant jetzt wieder unter Verdacht steht, könne er nicht nachvollziehen. "Was ich der Polizei vorwerfe, ist, dass hier mit Gerüchten gearbeitet wird. Dass hier nicht neue technischen Möglichkeiten oder neue Erkenntnisse zum Tatverdacht führen, sondern Spekulationen", sagte Zahn im BR-Gespräch. Zu den Vorwürfen des Rechtsanwalts wollen sich auf BR-Nachfrage weder Polizei noch Staatsanwaltschaft äußern. Die Staatsanwaltschaft begründet das mit den laufenden Ermittlungen.

    Cold Case Wiesenfeld

    Bei dem Mordfall Wiesenfeld handelt es sich um einen Cold Case: Im Dezember 1993 ist die 13-jährige Sabine aus Wiesenfeld spurlos verschwunden. Zwei Tage später wurde ihre Leiche in der Jauche-Grube eines Aussiedlerhofs gefunden. Im Januar 2021 ist wieder Bewegung in den Fall gekommen. Die Polizei hat einen 44-jährigen Tatverdächtigen vorläufig festgenommen.

    Im Rahmen der sogenannten "Altfallermittlungen" haben sich Beamte erneut mit dem Fall beschäftigt. Mit neuen Untersuchungsmethoden wie der DNA-Analyse könnten Spuren in der heutigen Zeit neu ausgewertet werden, hieß es von Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach der Festnahme des Tatverdächtigen hat die Polizei im Februar die Einwohner von Wiesenfeld zu dem Mord vor 27 Jahren befragt. "Unser Ziel ist es, das Verbrechen lückenlos aufzuklären", hieß es von der Polizei.

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