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Fall Sophia: Prozess beginnt mit Geständnis | BR24

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Mit einem Geständnis des Angeklagten hat der Prozess im Fall Sophia vor dem Bayreuther Landgericht begonnen.

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Fall Sophia: Prozess beginnt mit Geständnis

Unter großem Medieninteresse hat vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Amberger Studentin Sophia begonnen. Sie war im Juni 2018 in den Lkw eines Marokkaners gestiegen und von diesem getötet worden.

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Im Mordfall Sophia hat vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess gegen einen Lkw-Fahrer aus Marokko begonnen. Von seinem Pflichtverteidiger Karsten Schieseck ließ er eine Erklärung verlesen, in der er erneut gestand, die 28-jährige Studentin Sophia Mitte Juni 2018 getötet zu haben. Gleich zu Beginn entschuldigte er sich unter Tränen bei den Hinterbliebenen des Opfers. "Es ist ein schweres Unrecht, das ich zutiefst bedauere." Er betonte, dass es sich um keinen sexuellen Übergriff gehandelt habe und er sich auch nicht an ihr vergangen habe. Gleichzeitig bereue er, dass er die Tat lange abgestritten habe - ihm habe die Kraft und der Mut gefehlt.

Sophia wollte am 14.06.18 nach Amberg trampen und war an der A9-Raststätte Schkeuditzer Kreuz in Sachsen in den Lkw des angeklagten Fernfahrers gestiegen. Nach dessen Schilderung verlief die Fahrt zunächst harmonisch, man habe sogar gemeinsam Kaffee getrunken. Sophia soll sich laut dem Angeklagten einen Joint angezündet haben, den er jedoch ablehnte. Sie unterhielten sich in einer Mischung aus Arabisch, Englisch und Deutsch. Sophia konnte etwas Arabisch. Auf ihren Wunsch habe er eine Toilettenpause am Rastplatz Sperbes in Oberfranken eingelegt. Dort sei es dann zum Streit gekommen.

Eskalation angeblich wegen eines Brockens Haschisch

Auslöser war Angaben des Marokkaners ein Missverständnis: Auf dem Parkplatz habe er bemerkt, dass Sophia die Fahrerkabine durchwühlt habe. Er sei wütend geworden und habe gedacht, Sophia wolle ihn bestehlen. Sie hingegen soll ihm vorgeworfen haben, er hätte ihr einen Brocken Haschisch geklaut. Der Streit habe in einer Schlägerei geendet, die sie begonnen habe. "Sie schlug mich ins Gesicht. Ich übernehme die Verantwortung, dass ich die Frau umgebracht habe, weil sie mich geschlagen hat. Der Fehler von ihr war, dass sie mich nicht respektiert hat", so der Angeklagte.

Um das Blut im Führerhaus zu entfernen, entkleidete der Marokkaner sein Opfer, wickelte es in eine Sommerdecke und legte die junge Frau in die Schlafkabine des Fahrzeugs. Dann begann eine Irrfahrt bis nach Spanien. Dort legte er die Leiche in einen Straßengraben, verpackt in zwei Mülltüten. Er überschüttete sie teilweise mit Benzin und zündete sie an. Anschließend entsorgte er ihre Kleider. "Ich habe nicht an Flucht gedacht", so der Angeklagte.

Anwalt der Familie spricht von taktischem Verhalten

Für den Anwalt von Sophias Familie, Valentin Barth, ist die Aussage ein prozesstaktisches Verhalten: "Dem Opfer Schuld zuzuweisen ist immer besser als sich selbst", so Barth im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Er bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Angeklagten, zumal dieser sich im Laufe der Vernehmungen immer mehr in seinen Aussagen verstrickt habe. Wie es in der Verhandlung hieß, soll der Marokkaner unkontrolliert mit einem Eisenrohr auf die Studentin eingeschlagen haben. Eine Skizze der Tatwaffe zeichnete er vor Gericht.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen. Demnach wollte der Angeklagte Sophia in seinem Lkw bis nach Lauf an der Pegnitz mitnehmen. Auf dem Parkplatz Sperbes soll sich der Mann dann an der Studentin vergangen haben. Er habe Sophia gefesselt, um zu verhindern, dass sie den Lkw verlassen und ihn anzeigen kann. Schließlich habe er sie durch mindestens zwei Kopfschläge getötet. Dass diese tödlich sein könnten, sei dem Angeklagten bewusst gewesen, so die Staatsanwältin. Die 28-Jährige erlitt ein Schädel-Hirntrauma, an dem sie innerhalb kürzester Zeit starb.

Zeugenbefragung per Video-Zuschaltung

Für den Prozess sind zwölf Verhandlungstage angesetzt, 17 Zeugen sind geladen. Zudem sind zwei Sachverständige aus dem Gebiet der forensischen Psychiatrie und der Rechtsmedizin anwesend. Außerdem ist ein Brandsachverständiger des Landeskriminalamts München geladen. Sie alle werden im Rahmen der Beweisaufnahme vor Ort Angaben machen. Es ist auch eine umfassende und aufwendige Videovernehmung mit Zeugen in Spanien beabsichtigt. "Die Beweisaufnahme wird sicherlich nicht einfach, auf jeden Fall umfangreich werden," so Gerichtssprecher Clemens Haseloff im Gespräch mit dem BR.