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Hans-Ludwig Kröber
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Hans-Ludwig Kröber

Die Anwältin von Ulvi K., Hanna Henning, begründet die Schadenersatzklage gegen den früheren Gutachter im Fall Peggy, Hans-Ludwig Kröber, mit mehreren angeblichen Mängeln in dessen Gutachten. Es enthalte nicht die angewandten Untersuchungsmethoden. Außerdem gehe es davon aus, dass die Ermittler Ulvi K. keine Tathypothese vorgegeben haben - was nicht den Tatsachen entspreche. Deshalb hat die Anwältin eine Klage auf 350.000 Euro Schadenersatz eingereicht.

Vorwurf: Aussagen in den Mund gelegt

Aus Sicht der Unterstützer von Ulvi K. hat Kröber 2004 mit Vorsatz ein falsches Gutachten erstellt, in dem das später widerrufene Geständnis des geistig Behinderten als glaubwürdig eingestuft wurde. K.s Rechtsanwältin Henning wirft dem Gutachter vor, sich nicht alle Videos der Tatrekonstruktionen angesehen zu haben.

Nach Ansicht der Ulvi-Unterstützer ergibt sich aus diesen Videos klar, dass dem Beschuldigten der Tathergang von Polizisten in den Mund gelegt wurde.

Gutachter will sich nicht äußern

Kröber selbst will dazu vorerst nicht Stellung nehmen. Das bekräftigte er auf BR-Anfrage.

Ein Gutachten von Kröber aus dem Jahr 2004 soll dazu beigetragen haben, dass Ulvi K. zunächst als Mörder von Peggy verurteilt worden war. Es war zu dem Ergebnis gekommen, dass das widerrufene Geständnis von Ulvi K. glaubwürdig war.

"Wir werfen Kröber vor, dass er sich im Fall von Ulvi K. nicht an Gutachter-Richtlinien gehalten hat. Schon vor dem Urteil hat er sich in einem Artikel öffentlich negativ über Ulvi geäußert. Das durfte er nicht. Er hat auch Passagen eines Vorgänger-Gutachters übernommen und nicht alle Akten eingesehen." Dirk Lauer, Unterstützerkreis von Ulvi K.

Außerdem sei Kröber im Verfahren gegen Ulvi K. nicht immer persönlich anwesend gewesen und hätte einen Stellvertreter geschickt. Auch das sei nicht erlaubt, so Lauer weiter.

Ulvi K. wurde 2004 verurteilt - und 2014 freigesprochen

Ulvi K. war 2004 zu lebenslanger Haft wegen Mordes an der neunjährigen Peggy K. verurteilt worden. Nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens im April 2014 wurde er aber freigesprochen. Der geistig Behinderte lebt derzeit in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Oberfranken.

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