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Mordfall "Mezgin": Halbbruder wohl zu Messerstichen gezwungen | BR24

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Bildrechte: BR/Barbara Ecke

Zu Beginn des Prozesses um den Mord an dem syrischen Mädchen Mezgin sind neue Details bekannt geworden. So soll der Vater des Mädchens der Anklage zufolge seinen Sohn gezwungen haben, ebenfalls auf die 16-Jährige, seine Halbschwester, einzustechen.

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Mordfall "Mezgin": Halbbruder wohl zu Messerstichen gezwungen

Zu Beginn des Prozesses um den Mord an dem syrischen Mädchen Mezgin sind neue Details bekannt geworden. So soll der Vater des Mädchens der Anklage zufolge seinen Sohn gezwungen haben, ebenfalls auf die 16-Jährige aus Aschaffenburg einzustechen.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Barbara Ecke
  • Carol Lupu

Im Aschaffenburger Mordfall "Mezgin" sind nach Verlesung der Anklageschrift neue Details bekannt geworden. Laut Staatsanwaltschaft soll der wegen Mordes angeklagte Vater seinen damals 13-jährigen, strafunmündigen Sohn dazu aufgefordert haben, ebenfalls auf seine Halbschwester einzustechen und diese zu töten. Demnach drohte er dem Jungen, er werde ihn auch töten, sollte er nicht auf die 16-Jährige einstechen. Beim heutigen Prozessauftakt hat sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen eingelassen und keine Angaben gemacht.

Angeklagter soll Opfer nach der Schule abgepasst haben

Laut Anklageschrift hatte der heute 46 Jahre alte Syrer seine Tochter am 4. Mai 2017 vor der Berufsschule in Aschaffenburg abgepasst und sie aufgefordert, ins Auto zu steigen. Ihr Halbbruder saß mit im Wagen. Die 16-jährige Mezgin sei ahnungslos in den Wagen eingestiegen, heißt es weiter von der Staatsanwaltschaft. Nach einer zweistündigen Autofahrt habe der Angeklagte dann ein Waldgebiet angesteuert, um das Mädchen zu töten. Danach soll er den minderjährigen Sohn zu Hause in Goldbach im Landkreis Aschaffenburg abgesetzt und die Leiche alleine im Wald bei Aschaffenburg abgelegt haben, in einem ausgedienten Betonschacht für Wildtierfutter.

Ermittler äußert Zweifel an Aussage des Halbbruders

Als erster Zeuge im Prozess sagte ein leitender Ermittler der Kriminalpolizei aus. Dabei äußerte er Zweifel an den Aussagen des Halbbruders. Der Jugendliche hatte bei seinen Vernehmungen gesagt, er habe auf Weisung seines Vaters, einem in dem Mordprozess angeklagten Syrer, die 16-Jährige mit einem Messer getötet. "Wir haben keine Blutspuren gefunden", sagte der Polizist zu Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Landgericht Aschaffenburg. "Das Messer haben wir nicht aufgefunden." Bei der Obduktion der Leiche habe die Todesursache nicht festgestellt werden können. Er glaube dennoch an einen gewaltsamen Tod, aber "wir haben keine gesicherten Erkenntnisse, was passiert ist»"

Familienvater bereits wegen Körperverletzung verurteilt

Der Ermittler sei schon wenige Tage nach Verschwinden des Mädchens der Verdacht eines Tötungsdelikts aufgekommen, auch wegen der gewalttätigen Vorgeschichte innerhalb der Familie. Der Angeklagte war wegen Körperverletzung und Bedrohung seiner Tochter im Jahr 2016 schon zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt worden, trat diese aber nie an.

Vorwurf: Mord aus niedrigen Beweggründen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen Mann den Mord an seiner Tochter vor aus niedrigen Beweggründen. Der Mann sei mit dem westlichen Lebenswandel seiner Tochter nicht zurechtgekommen und habe mit dem Mord vermeintlich seine Ehre wiederherstellen wollen. Das Mädchen hatte eine Beziehung mit einem 23-jährigen Mann. Der Angeklagte muss sich im selben Verfahren auch für den versuchten Mord an diesem 23-Jährigen verantworten. Einen Monat nach dem Mord an Mezgin soll der 46-jährige Vater versucht haben, ihn zu erstechen. Die Tat geschah am Aschaffenburger Floßhafen. Der 23-Jährige überlebte dank einer Not-Operation. Danach hatte sich der Mann in die Türkei abgesetzt. Nach der Flucht vergingen mehr als drei Jahre, bis er im Oktober 2020 nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Für den Prozess sind 14 Verhandlungstermine angesetzt. Laut Gerichtssprecher Ingo Krist wurden insgesamt 35 Zeugen geladen. Das Urteil wird am 23. April erwartet. Um einen coronakonformen Prozess zu ermöglichen, wird im Ridinger Saal des Schlosses Johannisburg verhandelt.

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