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Mordfall Maria Baumer: Kurzer Prozessauftakt in Regensburg | BR24

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Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Maria Baumer hat vor dem Landgericht Regensburg der Mordprozess gegen ihren Verlobten begonnen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der 35-Jährige sein Opfer mit Medikamenten getötet.

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Mordfall Maria Baumer: Kurzer Prozessauftakt in Regensburg

Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Maria Baumer hat vor dem Landgericht Regensburg der Mordprozess gegen ihren Verlobten begonnen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der 35-Jährige sein Opfer mit Medikamenten getötet.

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Am Landgericht Regensburg hat der Prozess um den Mord an Maria Baumer begonnen. Angeklagt ist der ehemalige Verlobte der 2012 verschwundenen Frau aus Muschenried im Landkreis Schwandorf. Die Staatsanwaltschaft warf ihm in der Anklageverlesung vor, Maria Baumer 2012 getötet zu haben.

Er habe ihr zwei Medikamente, das Beruhigungsmittel Lorazepam und ein Opioid, verabreicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe das zu einem Atemstillstand geführt, so der Staatsanwalt. Die Leiche habe der Angeklagte in einem Waldstück bei Bernhardswald in eine Grube gelegt und mit Chemikalien versucht, den Körper der Geschädigten zu zersetzen, um eine Identifizierung zu erschweren.

"Aus niedrigen Beweggründen gehandelt"

Gegen den Angeklagten führt die Staatsanwaltschaft Google-Suchen im Internet an. So soll er etwa nach den Begriffen "der perfekte Mord" und "Lorazepam letale [tödliche] Dosis" gesucht haben. Als Motiv wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, dass ihm Maria Baumer im Weg stand, da er eine neue Beziehung eingehen wollte. Als Krankenpfleger hatte er sich in eine junge Patientin verliebt. Somit habe der Angeklagte nicht nur heimtückisch, sondern auch aus niedrigen Beweggründen gehandelt und sei aus Sicht der Staatsanwaltschaft des Mordes schuldig.

Verteidiger will Freispruch erwirken

Der Angeklagte verfolgte die Verlesung der Anklageschrift aufmerksam. Sein Anwalt Michael Haizmann erklärte nach Ende des Prozesstags, dass er für seinen Mandanten einen Freispruch erreichen wolle. Der Angeklagte habe wiederholt betont, dass er unschuldig sei. "Er steht unter einer enormen Anspannung, aber ansonsten geht es ihm gut", sagte Haizmann. Im Prozess werde der Angeklagte aber schweigen.

Angehörige als Nebenkläger dabei

Am Prozess sind auch Maria Baumers Angehörige als Nebenkläger beteiligt. Die Eltern und vier Geschwister nahmen persönlich am ersten Verhandlungstag teil. Ihre Nebenklage-Anwältin Ricarda Lang sprach von Erleichterung bei den Angehörigen, dass es nach acht Jahren doch noch zu einem Prozess kommt.

Kritik an Staatsanwaltschaft

Außerdem warf sie der Staatsanwaltschaft in Regensburg Versäumnisse vor und kritisierte die zwischenzeitliche Einstellung der Ermittlungen. "Ich sage für die Angehörigen, dass sie sehr froh sind, dass es nach jahrelanger Verweigerung der Staatsanwaltschaft, durch einen Wechsel der Staatsanwälte doch noch zu einer Anklage gekommen ist."

Anwältin dankt Kriminalpolizei

Die Regensburger Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen erst nach einer Beschwerde der Angehörigen und einer Weisung der Generalstaatsanwaltschaft wiederaufgenommen, so Lang, die auch der Kriminalpolizei dankte. Diese habe sich ebenfalls für die Wiederaufnahme stark gemacht, sagte Lang.

Fall zwischenzeitlich eingestellt

Die Staatsanwaltschaft weist diesen Vorwurf zurück. Es habe keine Weisung gegeben, den Fall wieder aufzunehmen, sagte Sprecher Markus Pfaller. Ungelöste schwere Straftaten würden routinemäßig immer wieder überprüft, so sei es auch in diesem Fall gewesen. Die Ermittlungen waren nach zwischenzeitlicher Einstellung vergangenes Jahr wiederaufgenommen worden.

Medikamentenüberreste als heiße Spur

Neue Analysemethoden hatten an Überresten der Leiche das Medikament Lorazepam nachgewiesen und die Ermittler so erneut auf die Spur des Angeklagten gebracht. "Wir geben bei keinem ungelösten Fall, insbesondere bei den Kapitaldelikten, auf", hatte der Leiter der Regensburger Staatsanwaltschaft dazu im Dezember gesagt.

Angeklagter schon einmal verhaftet

Der Angeklagte war bereits kurz nach dem Fund Maria Baumers im Jahr 2013 schon einmal verhaftet und kurz darauf mangels dringenden Tatverdachts wieder freigelassen worden. In einem anderen Prozess hatte er bereits gestanden, das Medikament zur Betäubung einer anderen Frau eingesetzt zu haben.

Der Prozessauftakt stieß auch im Publikum und bei Medien auf großes Interesse. Der Zuschauerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt

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