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Angeklagter im Cold Case Maria Baumer will schweigen | BR24

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Acht Jahre nach dem mutmaßlichen Mord an Maria Baumer beginnt am Regensburger Landgericht jetzt der Prozess gegen den ehemaligen Verlobten des Opfers. Der Angeklagte bestreitet die Tat und er wird vor Gericht aller Voraussicht nach schweigen.

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Angeklagter im Cold Case Maria Baumer will schweigen

Acht Jahre nach dem mutmaßlichen Mord an Maria Baumer steht ihr damaliger Verlobter vor Gericht. Er bestreitet die Tat und wird wohl schweigen.

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Es ist einer der rätselhaftesten Mordfälle in Bayern der vergangenen Jahre. An Pfingsten 2012 verschwand die damals 26 Jahre alte Maria Baumer aus der kleinen Ortschaft Muschenried im Landkreis Schwandorf. Baumer war damals Landesvorsitzende der Katholischen Landjugend (KLJB).

Nach erfolglosen Suchaufrufen ihres Verlobten, unter anderem im BR-Fernsehen, entdeckten Pilzsammler mehr als ein Jahr später zufällig ihre Leiche. Erst Ende vergangenen Jahres gelang es den Ermittlern, einen Verdacht gegen den Verlobten zu erhärten - dieser steht ab Mittwoch wegen Mordvorwurfs in Regensburg vor Gericht.

Verlobter war von Anfang an verdächtig

Der seit dem 11. Dezember vergangenen Jahres wieder in Untersuchungshaft sitzende Verlobte will zu der Anklage schweigen, wie einer seiner drei Verteidiger auf Anfrage sagte. Der Verlobte galt direkt nach dem Auffinden der Leiche 2013 als der mögliche Mörder. Doch die Ermittlungen gegen ihn mussten mangels Beweisen eingestellt werden.

Ein Grund dafür war die weit fortgeschrittene Verwesung der Leiche. Das soll der Angeklagte selbst verursacht haben. Laut Anklage bestreute er die Leiche seiner Verlobten mit Anhydritbinder und Branntkalk und löste mit einer Flüssigkeit eine chemische Reaktion aus, durch die sich das Gewebe in kürzester Zeit verflüssigte.

Verdächtige Spuren von Lorazepam

Erst als im vergangenen Jahr mit neuer Labortechnik das Medikament Lorazepam an Marias sterblichen Überresten festgestellt werden konnte, gab es einen handfesten Hinweis auf den Angeklagten: Dieser hatte als Krankenpfleger unkontrolliert Zugang zu dem Medikament. Außerdem hatte der zwischenzeitlich wegen Missbrauchs verurteilte Mann in einem anderen Fall eine Bekannte mit Lorazepam betäubt. Wenige Tage vor der mutmaßlichen Tat soll er zudem im Internet nach der tödlichen Dosis des Medikamente und dem Begriff "perfekter Mord" gesucht haben. Ein weiteres Indiz ist laut der Staatsanwaltschaft ein Spaten, der an der Fundstelle der Leiche entdeckt wurde. Einen baugleichen Spaten soll der ehemalige Verlobte kurz vor dem Verschwinden der 26-Jährigen in einem Baumarkt gekauft haben.

Motiv: Neue Beziehung?

Neben diesen Indizien präsentiert die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage auch ein mögliches Motiv für die Tat. Der Angeklagte soll sich bei seiner Arbeit als Krankenpfleger in eine Patientin verliebt haben. Einer Beziehung mit ihr seien Maria Baumer und die geplante Hochzeit im Weg gestanden. Er habe seine Verlobte deshalb nicht nur heimtückisch, sondern auch aus niedrigen Beweggründen getötet, so die Sicht der Staatsanwaltschaft.

© pa/dpa/A. Auer

In diesem Waldstück bei Bernhardswald im Landkreis Regensburg wurden 2013 die sterblichen Überreste von Maria Baumer gefunden.

Anwalt sieht keine Beweise für Mord

Die von der Anklage vorgebrachten Indizien stellt Verteidiger Michael Haizmann in Frage und will im Prozess seine Zweifel daran vorbringen. Auch die mutmaßlichen Mordmerkmale weist er zurück. "Es gibt sicherlich eine Fülle von Indizien, aber es gibt keinen schlüssigen Beweis, dass mein Mandant die Frau Baumer ermordet hat. Ob das reicht, um am Ende jemand lebenslänglich hinter Gittern zu bringen, da hab ich ganz große Zweifel", sagt Haizmann. Das lange Verfahren mit Verhaftung, Entlassung, Einstellung und Wiederaufnahme der Ermittlungen, sowie der erneuten Verhaftung sei für seinen Mandanten eine "Achterbahn" gewesen. Um eine schnelle Klärung vor Gericht zu ermöglichen, seien er und sein Mandant auch nicht gegen die Untersuchungshaft vorgegangen, sagt Haizmann.

Familie ist am Verfahren beteiligt

Dass es zu keinen weiteren Verzögerungen mehr gekommen ist, ist auch für Maria Baumers Familie eine Erleichterung, die im Prozess als Nebenkläger auftreten wird. Für die Eltern und die drei Geschwister sei das Wichtigste, dass es nach der zwischenzeitlichen Einstellung der Ermittlungen nun doch noch zu einem Prozess kommt, sagt Anwältin Ricarda Lang, die einen Teil der Familie im Prozess vertreten wird. "Dafür ist die Familie sehr dankbar."

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