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Mord vor 40 Jahren: Wird Angeklagter aus Haft entlassen? | BR24

© Jürgen Gläser/BR-Mainfranken

In dem Prozess um einen Mord vor 40 Jahren in Aschaffenburg wird sich heute entscheiden, ob der Angeklagte aus der Haft entlassen wird. Es könnte sogar sein, dass der Mann komplett als Täter ausgeschlossen wird. Ein Gutachten wies Widersprüche auf.

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Mord vor 40 Jahren: Wird Angeklagter aus Haft entlassen?

In dem Prozess um einen Mord vor 40 Jahren in Aschaffenburg wird sich heute entscheiden, ob der Angeklagte aus der Haft entlassen wird. Es könnte sogar sein, dass der Mann komplett als Täter ausgeschlossen wird. Ein Gutachten wies Widersprüche auf.

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Eine Bisswunde sollte eigentlich beweisen, dass der heute 57-jährige Mann die 15-jährige Christiane J. im Dezember 1979 getötet hatte. Doch in dem Zahn-Gutachten einer rechtsmedizinischen Sachverständigen aus München sind dem Gericht erhebliche Widersprüche aufgefallen. Das teilte Gerichtssprecher Ingo Krist mit, der den nichtöffentlichen Prozess beobachtet.

Gericht: Keine Übereinstimmung zwischen Röntgenbild und Bissspur

Ein Röntgenbild würde beispielsweise zeigen, dass die Bissspur und das Gebiss des Angeklagten nicht übereinstimmen würden. Die Gutachterin hatte behauptet, dass ein bestimmter Backenzahn im Kiefer des Mannes genetisch gar nicht angelegt war. Das Röntgenbild würde aber genau diesen Zahn zeigen, heißt es vom Landgericht Aschaffenburg. Am gestrigen Mittwoch (06.02.20) musste die Gutachterin erneut aussagen und konnte die Widersprüche nicht entkräften. Sie hatte zwar Fehler eingeräumt, wollte an ihrer Einschätzung aber festhalten.

Juristen werteten zahnmedizinische Unterlagen aus

Bereits zu Prozessbeginn hatte die rechtsmedizinische Sachverständige behauptet, dass die Bissspur am Körper der Getöteten "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" vom Angeklagten stammte. Das Gericht arbeitete sich dann selbst in die Zahnarzt-Unterlagen ein und stieß hierbei auf die Widersprüche. Das Gericht erklärte das Gutachten als "wertlos" für die Verhandlung.

Gericht entscheidet über Haftentlassung

Das Gericht will noch am Nachmittag bekannt geben, ob gegen den Angeklagten noch ein "dringender Tatverdacht" bestehe. Wenn nicht, müsse der Mann aus der Untersuchungshaft entlassen werden. "Auch wenn das Bissgutachten wertlos oder fehlerhaft ist und auch wenn kein dringender Tatverdacht mehr gegen den Mann besteht, will das Gericht den Fall dennoch aufklären. Es wird weitere Gerichtstermine und Zeugenbefragungen geben", sagte Gerichtssprecher Ingo Krist.

Verhandlung nach Jugendstrafrecht

Seit dem 8. Januar muss sich ein 57-Jähriger wegen Mordes vor dem Landgericht Aschaffenburg verantworten. Er soll die damals 15-jährige Christiane J. am Abend des 18. Dezembers 1979 in den Aschaffenburger Schlosspark gelockt und umgebracht haben. Zum Prozessauftakt hatte er die Tat bestritten. Weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war – und damit minderjährig – wird nach Jugendstrafrecht verhandelt. Deshalb ist die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen. Pressesprecher Ingo Krist informiert die Medien.

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