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Mord vor 40 Jahren: Wie es im Aschaffenburger Prozess weitergeht | BR24

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Vor 40 Jahren wurde die damals 15-jährige Christiane J. am Rande des Aschaffenburger Weihnachtsmarkt ermordet. Nun gelang den Ermittlern der Durchbruch und der mutmaßliche Täter steht vor Gericht.

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Mord vor 40 Jahren: Wie es im Aschaffenburger Prozess weitergeht

40 Jahre liegt die Tat bereits zurück: In Aschaffenburg soll ein heute 57-Jähriger, ein damals 15 Jahre altes Mädchen ermordet haben. Nun steht der Fall vor Gericht. Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte die Tat bestritten.

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Gegen 17.30 Uhr endet der erste Verhandlungstag. Es geht um einen Mord in Aschaffenburg, der 40 Jahre zurückliegt. Am Nachmittag hat der Kriminalbeamte der Ermittlungsgruppe "Altfälle" ausgesagt. Die Polizisten haben den Mord an der 15 Jahre alten Christiane J. neu aufgerollt. Die Tat hat sich bereits im Dezember 1979 zugetragen. Am ersten Prozesstag am Mittwoch hat der Angeklagte die Tat jedoch bestritten.

Beweisaufnahme im Aschaffenburger Prozess eröffnet

Da der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, informiert Gerichtssprecher Ingo Krist über den Stand der Verhandlung. Am Mittwochnachmittag hat das Gericht die Beweisaufnahme eröffnet. Der Hauptsachbearbeiter der Polizei hätte über vier Stunden ausgesagt. Anhand einer Power Point-Präsentation hätte er ausgeführt, wie der Gang der Ermittlungen war – und wie sich der Verdacht in Richtung des Angeklagten erhärtet habe. Nun sollen weitere Beamte der Kripo aussagen.

Angeklagter war "Beschuldigter Nummer 1"

Laut Gerichtssprecher Krist wurden am ersten Prozesstag auch Tatortbilder sowie Obduktionsbilder in Augenschein genommen. Bei der damaligen SoKo im Jahre 1979 sei der jetzige Angeklagte laut der Schilderungen des Zeugen bereits "Beschuldigter Nummer 1" gewesen. Aber: Wegen eines Aktenvermerks eines Polizeibeamten drei Wochen nach der Tat, habe man die Ermittlungen gegen den damaligen Nachbarsjungen Christianes nicht weiterverfolgt. Ein Polizeibeamter hatte angegeben, ihn zur Tatzeit gut einen Kilometer vom Tatort entfernt gesehen zu haben.

Bissspur führt zum Beschuldigten

Dieser Aktenvermerk wird Krist zufolge noch intensiver Gegenstand der Hauptverhandlung sein. Auch der damalige Beamte ist zum Prozess geladen. "Wohl vornehmlich wegen des Vermerks habe man damals die Spur des Angeklagten nicht noch intensiver zu Ende ermittelt und sich auf andere Personen konzentriert", sagt Gerichtssprecher Ingo Krist. Deshalb habe man auch keinen intensiveren Abgleich mehr zwischen der Bissmarke und dem Gebiss des Angeklagten vorgenommen. Eine Bissspur an der Brust des Opfers sei jetzt dem Gebiss des Angeklagten zugeordnet worden.

Gutachterin soll zur Bisswunde aussagen

Beim Wiederaufrollen des Falls erwirkte die Kripo nun einen richterlichen Beschluss und ließ computertomographische Aufnahmen des Gebisses des Angeklagten machen, so Ingo Krist. Zur Übereinstimmung des Gebisses des Angeklagten mit der Bisswunde am Opfer soll im Prozess eine Gutachterin aussagen.

Am Donnerstag sind außerdem die Aussagen weiterer Kriminalbeamter geplant, die sich vornehmlich zu den Zeugenaussagen äußern sollen und die Tatrekonstruktion näher darstellen. Für den Nachmittag ist das rechtsmedizinische Gutachten angesetzt, das vor allem die Obduktion betrifft.

Zehn Verhandlungstage, 40 Zeugen

Insgesamt sollen in dem Indizienprozess 40 Zeugen gehört werden. Das Gericht hat zehn Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess findet gemäß dem Jugendstrafrecht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da der mutmaßliche Täter zur Tatzeit 17 Jahre alt war.

Laut Anklage soll der heute 57 Jahre alte Beschuldigte die damals 15-jährige Christiane J. im Aschaffenburger Schlosspark erwürgt und sie anschließend eine 15 Meter hohe Parkmauer hinabgestoßen haben. Laut Staatsanwaltschaft soll er danach einen Abhang hinuntergeklettert sein und mit einem rund 90 Zentimeter langen Kantholz erneut auf sein Opfer eingeschlagen haben.