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Mord mit Bierkrug: Landgericht Coburg verurteilt 63-Jährigen | BR24

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Das Landgericht Coburg einen 63 Jahre alten ehemaligen Asylbewerber zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Rumäne hatte im Jahr 1992 mit einem Bierkrug einen Mitbewohner erschlagen.

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Mord mit Bierkrug: Landgericht Coburg verurteilt 63-Jährigen

Fast drei Jahrzehnte nach einem Mord in einer Unterkunft für Flüchtlinge hat das Landgericht Coburg einen 63 Jahre alten ehemaligen Asylbewerber zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Rumäne hatte mit einem Bierkrug einen Mitbewohner erschlagen.

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Für neuneinhalb Jahre muss ein 63 Jahre alter Rumäne hinter Gittern. Dazu verurteilte ihn das Landgericht Coburg. Der ehemalige Asylbewerber hatte vor fast 28 Jahren in einer Flüchtlingsunterkunft in Weismain im Landkreis Lichtenfels einen Landsmann mit einem Bierkrug erschlagen.

Staatsanwalt erkennt Heimtücke als Mordmerkmal

Das ebenfalls aus Rumänien stammende Opfer soll nicht mit der Attacke gerechnet habe, weil es mit dem Gesicht zur Wand gelegen habe. Der Angeschuldigte wurde von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift beschuldigt, heimtückisch einen Menschen getötet zu haben. Die Anklagebehörde hatte elf Jahre Haft gefordert.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Die Verteidigung hatte für Freispruch plädiert, da die Fakten nicht ausreichten. Das Risiko, einen Unschuldigen zu verurteilen, sei zu groß, sagte der Pflichtverteidiger des Rumänen, Anwalt Till Wagler. Sein Mandant wünsche, dass Revision gegen das Urteil eingelegt werde, und diesen Wunsch könne er verstehen, sagte Wagler dem Bayerischen Rundfunk (BR). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Unter falschen Namen Asylanträge gestellt

Einige Tage nach der Tat im November 1992 war der Rumäne in München verhaftet und in sein Heimtland abgeschoben worden. Er hatte in mehreren Städten in Deutschland unter falschen Namen Asylanträge gestellt. Durch den Abgleich von Fingerabdrücken kamen die Ermittler dem 63-Jährigen viele Jahre später auf die Spur. Zeugenaussagen würden beweisen, dass der Mann zur Tatzeit in Weismain gewesen sei und nicht, wie von ihm angegeben, in Südbayern, hieß es in der Urteilsbegründung.

Opfer hatte Täter als "Säufer" bezeichnet

Auch ein Motiv für die Tat sei vorhanden gewesen: So sei der Angeklagte durch das spätere Opfer immer wieder körperlich angegangen und als Säufer dargestellt worden. Das Gericht hatte den Strafrahmen auf zwischen drei und 15 Jahren wegen verminderter Steuerungsfähigkeit wegen Alkohol zur Tatzeit festgelegt.

Zeugenbefragung wegen Corona per Video

Der Prozess gestaltete sich sehr schwierig, da es keine direkten Zeugen der Tat gab. Am Tatwerkzeug, das damals blutverschmiert war, konnten keine Spuren mehr festgestellt werden. Zudem sind Zeugen in der Zwischenzeit verstorben oder waren schwer auffindbar. Die Corona-Krise erschwerte die Anhörungen, die teilweise per Video durchgeführt werden mussten.

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