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Mord an Mädchen in Wiesenfeld: Haftbefehl nach 27 Jahren | BR24

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Nach dem Tod eines 13-jährigen Mädchens in Wiesenfeld vor 27 Jahren hat die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen festgenommen. Der heute 44-jährige Mann aus dem Landkreis Main-Spessart könnte das Mädchen damals umgebracht haben.

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Mord an Mädchen in Wiesenfeld: Haftbefehl nach 27 Jahren

Nach dem Tod eines 13-jährigen Mädchens in Wiesenfeld vor 27 Jahren hat die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen festgenommen. Der heute 44-jährige Mann aus dem Landkreis Main-Spessart könnte das Mädchen damals umgebracht haben.

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Von
  • Christiane Scherm
  • Marcus Filzek
  • Sylvia Schubart-Arand
  • Achim Winkelmann
  • Albrecht Rauh

Am 15. Dezember 1993 verschwand die 13-jährige Sabine aus Wiesenfeld im Landkreis Main-Spessart spurlos. Zwei Tage später wurde ihre Leiche in der Jauche-Grube eines Aussiedlerhofs im Landkreis gefunden. 27 Jahre später kommt nun vielleicht Licht in diesen sogenannten Cold Case: Die Polizei hat am Mittwoch einen Tatverdächtigen vorläufig festgenommen. Das teilen die unterfränkische Polizei und die Staatsanwaltschaft Würzburg in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

44-Jähriger könnte Mädchen umgebracht haben

Der heute 44-jährige Mann aus dem Landkreis Main-Spessart könnte das Mädchen damals umgebracht haben. Im Jahr 1993 war er 17 Jahre alt, vier Jahre älter als Sabine. Die Akten zu diesem bislang ungeklärten Mordfall wurden nie geschlossen. Mit neuen Ermittlungsmethoden ist die Polizei dem Verdächtigen jetzt auf die Spur gekommen.

Im Rahmen der sogenannten "Altfallermittlungen" haben sich Beamte erneut mit dem Fall beschäftigt. Auch Profiler der operativen Fallanalyse waren beteiligt. Mit neuen Untersuchungsmethoden wie der DNA-Analyse könnten Spuren in der heutigen Zeit neu ausgewertet werden, heißt es von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Neue Erkenntnisse in dem Mordfall vor 27 Jahren

Weil es neue Ermittlungsergebnisse gab, hat die Staatsanwaltschaft Würzburg Durchsuchungsbeschlüsse für zwei Anwesen im Landkreis Main-Spessart erlassen. Neben dem Bauernhof, auf dem die Leiche gefunden wurde, haben Polizisten auch das Anwesen eines Mannes durchsucht. Der 44-Jährige gilt als dringend tatverdächtig und ist inzwischen wegen Mordes in Untersuchungshaft.

© BR

Nach dem Tod eines 13-jährigen Mädchens in Wiesenfeld vor 27 Jahren hat die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen festgenommen. Polizeisprecher Björn Schmitt im Interview mit BR-Reporter Albrecht Rauh.

Mord an Mädchen beschäftigte damals ganze Region

Der Fall hatte damals für Aufsehen in der ganzen Region gesorgt. Zwei Tage lang hatten Einsatzkräfte nach dem vermissten Mädchen gesucht. Franz-Josef Scheeb erinnert sich noch gut an die Such-Aktion. Er war damals zweiter Feuerwehrkommandant und Stadtrat in dem kleinen Ort Wiesenfeld im Landkreis Main-Spessart. Auch mit Lautsprecher-Durchsagen hatten er und seine Kollegen versucht, auf das Schicksal der 13-Jährigen aufmerksam zu machen, berichtete er BR24.

Erst Fahrrad und Kleider entdeckt, dann die Leiche

Das Gebiet um den Ort wurde durchkämmt, der Wald durchsucht. Zunächst vergeblich, doch dann wurde ihr Fahrrad bei einem Aussiedlerhof entdeckt. "Zunächst haben wir die Kleider in einer mit Brettern zugedeckten Grube gefunden", erinnert sich Franz-Josef Scheeb. Kurze Zeit später wurde die Leiche des Mädchens in der Jauche-Grube eines Aussiedlerhofs gefunden. Dann sei die Suche nach den Beweismitteln losgegangen, die Grube wurde komplett leer gepumpt, die Spurensicherung rückte an. Es stellte sich heraus, dass das junge Mädchen geschlagen, gewürgt und erstickt worden war.

15-jähriger Verdächtiger wurde freigesprochen

Festgenommen wurde damals ein 15-Jähriger. Dieser wurde wegen Totschlags angeklagt, aber wenige Monate später freigesprochen. Das Gericht stellte fest, dass der Jugendliche aufgrund von Zeugenaussagen und wegen des zeitlichen Ablaufs der Tat nicht der Täter gewesen sein konnte. Einige Jahre später kam er unverschuldet bei einem Autounfall ums Leben. Auch gegen zwei weitere verdächtige Wiesenfelder, 17 und 29 Jahre alt, gab es nicht genügend Beweise für eine Festnahme. Angeblich wohnt der ältere der beiden noch immer in Wiesenfeld auf dem Aussiedlerhof, der andere in einer unweit entfernten Gemeinde.

Verbrechen im Dorf noch immer gegenwärtig

Im Dorf ist das schreckliche Geschehen noch immer gegenwärtig. "Wir haben immer gehofft, dass noch rauskommt, wer das war", sagte Scheeb zu BR24. Auch die Polizei habe damals Fehler gemacht. Wie aufgewühlt die Stimmung im Dorf damals kurz vor Weihnachten war, zeigen Zeitungsartikel, die Scheeb aufgehoben hat. "Einer von uns ist der Mörder", lautete damals eine der Schlagzeilen.

Nachbar bestätigt Polizeiaktion

Die Polizei-Aktion auf dem Aussiedlerhof am Mittwoch hat Nachbar Friedrich Schaub nur am Rande mitbekommen. Den ganzen Tag über hätten einige hundert Meter entfernt mehrere Polizeiautos gestanden, sagte er zu BR24. Über den Hintergrund spekulieren möchte er aber nicht. Auch andere Wiesenfelder halten sich mit Vermutungen und Verdächtigungen zurück.

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