BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Mord am Publikumsliebling: Vor 30 Jahren starb Walter Sedlmayr | BR24

© picture alliance/United Archive/Impress

Der Schauspieler Walter Sedlmayr wurde am 14. Juli 1990 in seiner Wohnung in München-Schwabing ermordet.

19
Per Mail sharen

    Mord am Publikumsliebling: Vor 30 Jahren starb Walter Sedlmayr

    Als "Parade-Bayer" war der Münchner Schauspieler Walter Sedlmayr ab den 1970er-Jahren weithin bekannt. Der Schock war groß, als er am 14. Juli 1990 ermordet wurde. Erst jetzt erfuhr sein Publikum: Sedlmayrs bürgerliches Image war zum Teil Fassade.

    19
    Per Mail sharen
    Von
    • Susanne Hagenmaier

    Er war der Kommissar Franz Schöninger aus der ARD-Serie "Polizeiinspektion 1" und Josef Hartinger, der "Millionenbauer" aus der gleichnamigen BR-Serie. Er spielte im "Tatort", in den "Münchner Geschichten" und im "Monaco Franze" mit. Und jahrelang derbleckte er die Politiker bei der Starkbierprobe auf dem Nockherberg. Walter Sedlmayr wollte nie ein "Volksschauspieler" sein, doch als bürgerlicher Inbegriff eines Bayern liebte ihn sein Publikum – bis zu seinem gewaltsamen Tod vor genau 30 Jahren. Was damals kaum einer wusste: Walter Sedlmayr passte wenig in den damaligen Begriff von Bürgerlichkeit. Er war schwul.

    Erschlagen in der Wohnung

    Auch wenn viele Schauspielkollegen von Sedlmayrs Homosexualität wussten: Gesprochen wurde darüber nie – zumindest nicht, so lange Sedlmayr noch lebte. Doch dann wurde der Schauspieler am Abend des 14. Juli 1990 von seinem Privatsekretär gefunden: Er lag in seiner Wohnung, erschlagen mit einem Hammer. Am nächsten Tag erfuhren die Journalisten davon. Einer der ersten, die damals am Tatort waren, war BR-Polizeireporter Oliver Bendixen.

    Falsche Fährte

    "Ich stand zwei Stunden lang vor Sedlmayrs Wohnung, die nur wenige hundert Meter von meiner entfernt lag", erinnert sich Bendixen. "Es herrschte ein völliges Durcheinander. Keiner ist in die Wohnung reingekommen. Der Privatsekretär stand herum und machte einen verwirrten Eindruck. Und Sedlmayrs Hund rannte auch herum." Zunächst sah es für die Ermittler so aus, als sei der Täter in der Stricherszene zu suchen. Doch das war eine falsche Fährte.

    Sedlmayr kannte seine Mörder gut

    Während sich die Boulevardpresse auf Sedlmayrs Homosexualität stürzte, stellte die Polizei bald fest, dass der Tatort nach dem Mord verändert worden war. Letztendlich wurden keine Stricher verurteilt, sondern Sedlmayrs Geschäftspartner, mit denen er einige Monate das Wirtshaus "Zum Sedlmayr" betrieben hatte, zwei Halbbrüder. Beide bestritten die Tat und versuchten mehrfach vergeblich, ein Wiederaufnahmeverfahren und damit einen erneuten Prozess durchzusetzen.

    Ein langer Prozess

    Sie kamen 2007 beziehungsweise 2008 auf Bewährung frei. Beide versuchten mit mehreren Unterlassungsverfügungen und Klagen zu erreichen, dass ihre Namen nicht mehr im Zusammenhang mit dem Mord an Walter Sedlmayr genannt werden dürfen. "Ein ewiges Prozess-Bohei" sei das gewesen, sagt Polizeireporter Oliver Bendixen, bis der Bundesgerichtshof endgültig entschieden habe, dass die Namen der Täter nicht gelöscht werden müssen. Bendixen hat den Sedlmayr-Fall bis zum Ende verfolgt, es sei "als reiner Kriminalfall einer der spannendsten" in seiner Laufbahn gewesen. Ihn verbindet aber noch etwas mit dem Schauspieler.

    Einsames Begräbnis

    Sedlmayrs Trauerfeier war öffentlich, sein Begräbnis nicht. Aber Oliver Bendixen war dabei. Der Testamentsvollstrecker, der sich um die Bestattung kümmern sollte, war sein langjähriger Freund. "Er bestellte mich in der Früh um fünf Uhr auf den Bogenhausener Friedhof. Da standen wir in der Dunkelheit und haben mit Feuerzeugen den Friedhofsmitarbeitern Licht gemacht." Noch heute kann man das Familiengrab der Sedlmayrs besuchen. Und hin und wieder laufen im Fernsehen noch die alten Folgen von "Polizeiinspektion 1".

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!